Fotos: Sg0201 und Pixabay IV

Gesichtserkennung

Ein weiteres Beispiel für ein Dual-Use Dilemma, welches auch schon kurz im Video angeschnitten wurde, ist die Gesichtserkennung. Auch wie bei den anderen vorgestellten Dual-Use-Gütern kann Gesichtserkennungssoftware für verschiedene Bereiche und Tätigkeiten eingesetzt werden.

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Was macht die Gesichtserkennung überhaupt?

Die Gesichtserkennung ist mittlerweile jedem bekannt, sei es nun durch Hörsagen oder durch die Eigennutzung im Alltag. Aber wie erkennt das Gerät überhaupt dein Gesicht?
Das macht das System, indem es nur einige Male dein Gesicht vor der Kamera sieht und sich dann Merkmale wie die Nase oder die Augen merkt und abspeichert. Bei der Gesichtserkennung wird dein Gesicht mit den gespeicherten Daten verglichen und dadurch erkannt (vgl. Kopf/ Oertel 2015).
Der wichtige Teil dabei ist: Das System braucht dafür nicht deine Hilfe!

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Vorteile

Die wohl geläufigste Anwendung von Gesichtserkennung ist das Entsperren von Smartphones. Diese Anwendung ermöglicht den User*innen eine einfache und schnelle Entsperrung des Endgerätes, ohne physische Interaktion mit diesem (vgl. Coester/ Fuhlerst 2019: 49). Auch die anfänglichen Sicherheitslücken, wie z. B. die Entsperrung mittels eines Fotos der autorisierten Person sind mittlerweile behoben. So benutzt z. B. Apple bei ihrer FaceID ein Infrarotlicht, welches ein 3D-Bild der Nutzer*innen anfertigt (vgl. Coester/ Fuhlerst 2019: 49). Aber auch bei Grenzkontrollen führt der Einsatz von Gesichtserkennung zu kürzeren Wartezeiten. So können sich deutsche Reisende am Flughafen bei der Einreise entscheiden, ob sie von einem/ einer Flughafenmitarbeiter*in kontrolliert werden wollen, oder ob ein Scan von ihrem Gesicht durchgeführt werden soll, welcher mit dem Bild auf dem Reisepass verglichen wird (vgl. Coester/ Fuhlerst 2019: 49). Dass Gesichtserkennung in Krisensituationen eine Unterstützung zur Nachverfolgung von Infektionsketten sein kann, hat die COVID-19 Pandemie deutlich gezeigt. So hat die Volksrepublik China nach eigenen Aussagen mithilfe dieser Technologie Infektionen besser nachvollziehen können (vgl. Zeng et al. 2020: 2ff.). Die Studie der Autoren Zeng et al. zeigt deutlich, dass die chinesische Bevölkerung dem Einsatz von Gesichtserkennung in Krisensituationen positiv gegenübersteht, jedoch sollte bei diesen Forschungsergebnissen berücksichtigt werden, dass 83,6 Prozent der Befragten aus einer höheren Gesellschaftsschicht kommen und dass nur die chinesische Bevölkerung befragt wurde, daher können diese Ergebnisse nur sehr bedingt auf andere Staaten übertragen werden (vgl. Zeng et al. 2020: 15). Eine weitere Einsatzmöglichkeit von Gesichtserkennung ist die Verbrechensbekämpfung, so kann Gesichtserkennungssoftware beispielsweise für die Bekämpfung von sexuellem Missbrauch von Kindern beitragen (vgl. Hofmann 2020: 7ff.). Die Stadt London setzt schon seit mehreren Jahren auf eine fast flächendeckende Videoüberwachung innerhalb der Stadt und schafft somit zusammen mit dem Einsatz von Gesichtserkennung eine neue Möglichkeit der Verbrechensbekämpfung. Als ein weiteres Beispiel für den Einsatz von Gesichtserkennung kann der Super Bowl 2001 aufgeführt werden (vgl. Brey 2004: 97-100; Coester/ Fuhlerst 2019: 49). Dabei wurden die Besucher*innen der Super Bowl Veranstaltung nach gesuchten Personen mithilfe von Gesichtserkennungssoftware analysiert (vgl. Brey 2004: 97). Diese Vorgehensweise löste eine große Empörung in der Gesellschaft aus und zeigte deutlich die andere Seite dieses Dual-Use Guts.

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Nachteile

Denn auf der anderen Seite schränkt die Videoüberwachung im öffentlichen Raum die Privatsphäre der Bürger*innen eines Landes oder Besucher*innen einer Sportveranstaltung wie es der Super Bowl ist, stark ein (vgl. ebd.). Es stellt sich also die Frage: Steht der Schutz der Bürger*innen über dem Recht auf Privatsphäre, und inwiefern sollten und müssen Personen, welche an Sportveranstaltungen teilnehmen über eine mögliche Videoüberwachung informiert werden? Der Missbrauch von Gesichtserkennung kann aber auch von Regierungen ausgehen. So ist davon auszugehen, dass die chinesische Regierung versucht, Aktivist*innen in Hongkong anhand von Gesichtserkennung ausfindig zu machen (vgl. Schäfer 2019). Dazu kommt, dass oftmals zivile Forschungen aus der Informatik auch für den militärischen Gebrauch verwendet werden (vgl. Leng 2013: 4).

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Gegenüberstellung

Bei dieser Gegenüberstellung der unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten von Gesichtserkennung wird deutlich, dass ein Schwarz-Weiß-Denken in diesem Fall sich schwierig gestaltet. Auf der einen Seite kann der Einsatz von Gesichtserkennung den Alltag erleichtern, Leben retten und Kinder vor sexuellen Missbrauch schützen und auf der anderen Seite kann der Einsatz die Würde des Menschen angreifen, politische Verfolgung begünstigen und tödlich enden. Auch zeigt die Gegenüberstellung, dass in diesem Dilemma viele verschiedene Akteur*innen integriert sind: Softwareentwickler*innen und Forscher*innen, die mit ihren neuen Technologien einen positiven Beitrag zur Gesellschaft beitragen wollen, Nutzer*innen, die die Vorteile dieser Technologie nutzen, um ihren Alltag zu erleichtern, aber auch Personen, die z. B. Gesichtserkennung nur für ihren eigenen Vorteil nutzen und dabei anderen Personen bewusst schaden und der Staat, der der Pflicht unterliegt, alles zu tun um seine Bürger*innen zu schützen. Auch Christof Leng, Mitglied im Vorstand von der Gesellschaft für Informatik, stellt klar, dass der Grad zwischen ziviler und militärischer Forschung im Fachbereich Informatik sehr schmal ist (vgl. Leng 2013: 4). Wo zieht man also die Grenze? Welche Möglichkeiten gibt es negative Einsatzmöglichkeiten einzuschränken oder gar ganz zu verhindern? Wäre nicht alles viel einfacher, wenn Dual-Use-Güter komplett verboten werden? All diesen Fragen wollen wir uns auf unserem Online-Kongress stellen! Neugierig geworden? Dann sei am 25.01.2021 mit dabei!