Die häufigsten und schlimmsten Usability-Fehler


Es gibt viele Usability-Fettnäpfchen die vermieden werden sollten

Von Hendrik Kahlen

Usability-Fehler treten mit größeren und kleineren Auswirkungen auf zahlreichen Webseiten auf. In diesem Artikel sollen bei der Veranschaulichung der häufigsten Usability-Fehler unter anderem Fragen beantworten werden wie: „Warum ist Usability kritisch für das Nutzererlebnis?“, „Welche weiteren Auswirkungen haben Usability-Fehler?“ und „Wie können Fehler vermieden werden?“. Ziel dabei ist es insgesamt ein klareres Verständnis für Usability-Fehler und deren Tragweite zu schaffen. Auch soll mit Verweis auf den Usability-Testmethoden-Artikel der Einstieg gegeben werden, sodass Besucher einer Webseite nicht durch Usability-Fehler gestört oder gar abgeschreckt werden.

Fehlerhaftes Design

Einer der häufigsten Fehler bei Internetseiten ist die Wahl eines falschen Designs. Dieses muss nicht einmal schillernd oder blinkend sein – es reicht aus, wenn das gewählte Design nicht zum Inhalt der Seite passt und damit Besucher verwirrt. Als Besucher einer vertrauenswürdigen Auto-Leasing-Webseite würde man kein überladendes Design wie auf lingscars.com erwarten. Dies ist nicht nur kontraproduktiv (z.B. im Bezug auf die Autorität der Webseite), es sorgt auch für Verwirrung aufgrund der konträren Erwartungen an die gewählte Webseite - das Leasing eines Autos ist so eher unwahrscheinlich. Ebenso wichtig ist es dabei, dass sich das gewählte Design einheitlich über die gesamte Webseite erstreckt, ein Bruch auf Unterseiten kann Nutzer ebenfalls verwirren.1

Auch ist es möglich, dass Hintergründe und andere Designelemente so gewählt sind, dass sie die Informationsaufnahme stören. Ein Beispiel hierfür sind Texte die kaum einen Kontrast zum Hintergrund bieten. Zu bemerken sei an dieser Stelle aber, dass es für gewisse Zwecke durchaus sinnvoll ist den Kontrast niedrig zu halten, etwa wenn die Aufmerksamkeit gezielt auf einen bestimmten Bereich gelenkt werden soll. Um diesen Fehler zu vermeiden, sollte man sich vergewissern, dass Schriftart, Schriftfarbe und der Hintergrund richtig gewählt sind. Dies ist z.B. mit den Usability-Testmethoden möglich.1, 6

Zudem sind viele Webseiten nicht responsive. Man stelle sich vor, auf dem Smartphone oder einem anderen Browser sind Bedienelemente nicht mehr erreichbar, weil sie außerhalb des Bildbereichs liegen. Wer würde da noch weiter auf der Webseite bleiben? Es sollte also auch hier darauf geachtet werden, dass das Design der Webseite auf den gängigsten Endgeräten und Browsern funktioniert. Ein Auflistung von mehreren guten Beispielen bzgl. Responsive Design findet sich auf designmodo.com.1, 7

Natürlich gibt es noch mehr Fehler hinsichtlich falschen Design-Entscheidungen, aber dies würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Für weitere Informationen wird die Auflistung auf bypeople.com empfohlen, die nicht nur schlechte, sondern auch mehrere sehr gute Beispiele liefert.8

Ein weiterer häufiger Fehler ist der einer schlechten Navigation. Hierzu zählen, dass es zu viele Unterpunkte gibt, Navigationselemente alle auf einmal angezeigt werden oder die Navigation sich über den gesamten Bildschirm erstreckt. Die meisten Nutzer wollen schnell die gesuchte Seite finden und möchten sich dafür nicht durch sämtliche Elemente ohne Selektion quälen - eine übersichtliche Schachtelung ist also sehr hilfreich.1

Gleichzeitig sind zu viele Unterpunkte in einer Navigation ebenfalls kritisch, da der Nutzer so in der Tiefe der Verschachtelung die Übersicht verlieren kann. Wichtig ist in diesem Kontext auch, dass der Nutzer (z.B. in Form von Breadcrumbs) immer genau weiß, auf welchen Unterseiten er sich befindet. Es gibt zudem Navigationselemente, bei denen Unterpunkte erst auftauchen, wenn das darüberliegende Element mit der Maus überflogen (hover) wird. Rutscht man hier irgendwann ab, muss der gesamte Weg mit der Maus erneut abgefahren werden – das ist nicht Usability-Konform. Es sollte dementsprechend darauf geachtet werden, dass die Webseiten nicht zu tief und nicht zu flach verschachtelt sind und gewählte Bedienelemente nicht störend auf den Nutzer einwirken oder ihn gar überfordern.1

Dies waren nur einige mögliche Fehler im Navigations-Bereich. Für eine breitere Übersicht mit weiteren Beispiele und Erklärungen, wie Navigationselemente attraktiv und Usability-Konform gestaltet werden können, werden swimbi.com und smooster.com empfohlen.5, 9

Formulare

Wer schon einmal Angaben in einem Formular machen musste, die auf ihn nicht zutrafen, aber erforderlich waren, um etwa bei einer Bestellung oder Anmeldung voranzukommen, hat einen Eindruck davon, was bei Formularen alles falsch gemacht werden kann. Formulare auszufüllen ist im Allgemeinen mühsam für den Nutzer, da eine Mitarbeit seinerseits gefordert ist. Alles, was hierbei den Ablauf erschwert oder behindert, kann dazu führen, dass der Besuch oder Kauf abgebrochen wird. Deutlich besser ist es daher, wenn fragliche Felder als optional deutlich gekennzeichnet sind.2, 3

Als erschwerender Fehler bei Formularen kommt hinzu, wenn Nutzern nicht die Möglichkeit gegeben wird die Informationen vor dem Abschluss nochmals zu überprüfen und ggf. zu ändern. Zudem sollten Nutzer immer einen Überblick darüber haben, in welchem Abschnitt des Formulars sie sich gerade befinden, bzw. wie viele noch folgen. Ohne zu wissen, wie lange das Ausfüllen noch dauert, kann es passieren, dass Nutzer den Formular-Prozess einfach abbrechen.4

Auch wird häufig vergessen adäquate Fehlermeldungen zu geben und diese auch rechtzeitig, also am besten im Moment des Fehlers anzuzeigen. Die Überprüfung, ob ein Passwort oder eine E-Mail der Norm entspricht, sollte bereits beim Verlassen des entsprechenden Feldes geschehen und auf etwaige Fehler aufmerksam gemacht werden. Diese Fehlernachrichten sollten gut wahrnehmbar für den Nutzer platziert werden, also nicht etwa erst am Ende der Seite. eResult hat zu den hier aufgeführten Punkten eine weitere Auswertung herausgearbeitet.3, 4

Fazit

Es wurden einige Usability-Fehler angesprochen, wenngleich es noch viele mehr gibt. Die hier dargestellten Fehler sollten aber ein gewisses Bewusstsein und Verständnis für die Folgen von Missachtung der Usability geben. Weitere Informationen, wie die hier aufgeführten und weitere Fehler vermieden werden können, findet sich im Artikel zu Testmethoden.


Quellen

1 Marlis Reisenauer (2015). Die häufigsten Usability-Fehler bei Websites. Abgerufen: 15.11.2015.
2 Olaf Brandt (2013). Die 7 häufigsten Fehler bei der Gesaltung von Formularen. Abgerufen: 15.11.2015.
3 Thorsten Wilhelm, Carsten Rehmann (eResult GmbH). Nutzergerechte Formulargestaltung. Abgerufen: 15.11.2015.
4 Michael Jendryschik (2015). Grobkonzept: Usability und Barrierefreiheit im Kontext von Web-Formularen. Abgerufen: 15.11.2015.
5 Sebastion Meier (2015). 6 Webdesign Beispiel wie du deine navigiation zum kreativen Highlight werden lässt. Abgerufen: 15.11.2015.
6 Hannah Alvarez (2014). A Guide to Color, UX, and Conversion Rates. Abgerufen: 15.11.2015.
7 Adrian (2015). Responsive Web Design: 50 Examples and Best Practices. Abgerufen: 15.11.2015.
8 (2014). Worst web designs ever, from popular brands. Abgerufen: 15.11.2015.
9 Dmitry Molchanov (2014). 22 Principles Of Good Website Navigation and Usability, Abgerufen 15.11.2015