Der Wanderer Teramon

die wahre Geschichte eines Ritters

 

 

Die Kindheit - Aus dem Munde eines elfischen Jägers, irgendwo in Cambria

„Ihr wollt eine Geschichte hören, ihr Menschen? Nun, das Feuer flackert warm und die Nacht ist noch sehr jung -  nun gut, ich werde eurem Wunsche nachkommen. Es ist die Geschichte eines Kindes aus den Wäldern, aber es ist dennoch eine Geschichte eines von euresgleichen!

Lasst mich mit meiner Erzählung am Anfang beginnen. Es war in jenem kalten Winter in dem der Boden so fest gefroren war, das man eine Stadt auf dem See dort drüben hätte errichten können. Ihr erinnert euch, es war das Jahr an dem die Menschen das Kind eines ihrer Könige an den Drachen geopfert hatten, um den Atem des Drachen, den Winter halten sie für diesen, zu besänftigen. Wir Elfen halten nichts von so einer Barbarei und einige junge Wagehalse der unseren machten sich auf, das Opferkind zu befreien. Sie hatten Gerüchte gehört, dass es sich um eine schöne Prinzessin, eine wohlgeratene Königstochter handle, das weckte wohl den Abenteuerdurst und vor allem die Neugier unserer jungen Männer.

Als wir den Drachenhorst erreicht hatten, fanden wir nichts. Keinen Drachen und keine Königstochter, nur ein Nest. In diesem Nest lagen einige Wolfswelpen, die von ihrer Mutter gesäugt wurden. Unter den Wölfen, ihr Reisenden, ihr werdet es nicht glauben, spielte ein Menschenkind.

Teramon ist sein Name, aber die wenigsten werden von diesem Mann bisher Kunde haben. Er ist der Sohn dieser Königstochter und des Drachen, das behaupten zumindest die Bauern, in Wahrheit jedoch liegt seine Herkunft im Dunkeln. Wir, die wir ihn aus dem Nest des Drachen geborgen haben, halten uns fern von Aberglauben und verfrühten Schlüssen. Tatsache ist dennoch, er ward mit Wolfsmilch aufgezogen, die Wölfin haben wir gesehen, der der Säugling wohl an den Zitzen gehangen hatte.

Der Junge Teramon verließ uns, seine elfischen Zieheltern bereits in jungen Jahren, um unter den Menschen zu leben. Der junge Tor war in Liebe zu einer Grafenstochter, der Tochter des gefürchteten Tyrannen von Cornwall, entbrannt und wir wissen, das Menschen alles um sich herum vergessen, wenn sie der Hafer sticht. Pardon, meine Freunde, aber seit ehrlich, es ist die Wahrheit.
So folgte der Knabe, der noch nicht einmal zwölf Jahre alt war einem Trupp fremder Ritter, die einst wie ihr unsere Wälder passiert hatten. Diese Ritter waren von einem Besuch in Cambria im Begriff in das schroffe Lyoness, das Herrschaftsgebiet des Grafen Morthan von Cornwall zurückzukehren.

Unter den Menschen hatte er sich schnell viele Feinde gemacht. Am Grafenhof Cornwalls war der Waldläufer aus Cambria nicht willkommen, der Burgherr verwehrte dem Knaben den Zutritt zur Burg. Es waren wohl seine kindlich jungen Jahre, die dem Drachensohn, das ist es, wie die Menschen ihn zu nennen pflegten, das Leben gerettet hatten. Der Junge ließ nichts unversucht, um an seine Geliebte heranzutreten. Kein Wagnis war ihm zu groß.
Teramon hatte im der Burg Cornwall zu Füßen liegenden Dorf Zuflucht gefunden. Er besuchte die Schule des Dorfältesten und war oft in den Tempeln der Götter zu finden, wo er nach Wissen und Erkenntnis suchte. Obwohl der Knabe das Wohlwollen der Gelehrten auf seiner Seite hatte, mieden die Menschen ihn. Sie sponnen Geschichten um seine Herkunft, sie begannen ihn zu neiden und zu fürchten. In der Tat kann man den kalten Hauch des Drachen fühlen, wenn man in seine Nähe tritt. Nein, ernsthaft, als Kind einer Jägersippe war er einfach nicht einer der geselligsten einer. Er war auf sich allein gestellt, heimatlos in einer fremden Welt, sein ganzes Leben. Das macht die Augen eines Mannes kalt und sein Herz eisern.
Ich habe auch Teramon`s Augen im Feuer der Leidenschaft glühen sehen, als er seiner Angebeteten nahe war. Für andere Menschen hatte er jedoch nie viel übrig. Darüber hinaus war er vielen von ihnen überlegen, sein Verstand war schon immer aufgeschlossen und scharf, und die Kampfkraft des Wolfes lag ihm bereits in der Wiege.

Ich weiß nicht, was aus dem Jungen geworden ist, doch wenn ihr nach Cornwall geht, bitte fragt nach ihm, edle Reisende. Er muss nun ein Mann von gut über zwanzig Jahren sein. Ihr werdet ihn erkennen. Er ist wohl ein großer Krieger geworden, das war seine Bestimmung. Unsere besten Schmiede schufen einst ein güldenes Schwert, welches nur für ihn als seinen Träger bestimmt ist. An dieser Waffe werdet ihr ihn erkennen. Sein Herz, ob es nun das ein Wolfes oder ein halbes Drachenherz geworden ist, schlägt  höher wenn es um den Kampf um Ruhm und Ehre geht. Er ist eben doch ein Kind von eurem Schlag, ihr Sterblichen, keiner von uns, und doch wüssten wir gerne, wie es um unseren Findelsohn heute bestellt ist.“

 

Die Jugend - Aus dem Munde eines Soldaten des Grafen Mordrag von Cornwall:

„Wirt, Geld habe ich keines mehr aber die Geschichte über den Drachenritter, wie ihr ihn nennt, wird euch den Wein nicht länger wohlfeil scheinen lassen. Also schenkt nach und ich werde erzählen ...

Der Bursche Teramon war uns allen auf der Festung ein Dorn im Auge. Ständig wurde er beim Einbruch in unsere Burg erwischt. Ich selbst habe ihn schon zweimal vor der Türe der Frauenkemenate aufgegriffen und ihn persönlich in den Burggraben befördert... Einen Augenblick, eigentlich war das beim zweiten mal etwas anders, aber dazu komme ich später. Der Kerl ist irgendwie unheimlich, er hat keine Freunde außer den Gelehrten; Pfaffen und Prediger, Derwische und Zauberer und derartiges unheimliches Gelichter sind sein einziger Umgang. Er kann sogar Schreiben und die alten Sprachen reden... Naja, wenn Du mehr hören willst... oh, danke, das ist ja der gute Wein!

Also wo war ich? Ach ja, Teramon... Ihr wisst ja, vor sechs Jahren habt ihr es mit der Furcht vor ihm in eurer bäuerlichen Einfalt übertrieben. Als wieder mal ein Drache hier aufgetaucht war, der Winter hart und kalt, die Ernte erfroren, und viele dem Atem des Drachen zum Opfer gefallen sind, habt ihr ihn lynchen wollen, alles wegen der dummen, unbestätigten Gerüchte über seine Herkunft.
Aus irgendeinem Grund haben wir ein besonderes Auge auf ihn gehabt..., na gut, ich verrate  es Dir, wenn Du es nicht weitersagst. Beim zweiten Rauswurf hat er mich zu Bade geschickt! Er hat Talent, das Kind hat mich die Zugbrücke runtergestoßen, mit der Kraft eines Drachen! Wahrscheinlich hatte ich doch am Abend nur zuviele Humpen geleert, egal.
Ihr wolltet Teramon gerade an den nächsten Baum nageln, da haben wir eingegriffen und ihn da rausgeholt. Von da an war er einer von uns. Sogar der alte Graf, die Götter haben ihn seelig, hat sich mit ihm abgegeben und entschieden, das der Knabe zum Knappen und später zum Ritter ausgebildet werden soll. Im Gespräch mit dem Grafen konnte der Bursche wohl seine Bildung ausspielen, der Graf war ein verhinderter Philosoph, mehr Gelehrter als Adelsmann. Ein großes Herz und einen großen Geist hat unser früherer Herrscher ja gehabt, aber er war doch ein schwacher Mann. Na, über die Toten soll man nicht übel reden, vor allem dann nicht wenn der Nachfolger ein Tyrann ist, der seinesgleichen sucht.
(Der Soldat sieht sich verängstigt um und presst seinen Finger auf seine Lippen, um Dir zu gebieten diese seine Worte nicht den Kreis des Gespräches verlassen zu lassen)
Wo war ich? Ach ja...
Der Drache war einer der besten. Er war nicht besonders schnell und geschickt aber er hatte Geist. Knallharter Kampfgeist und Durchhaltewillen schmiedeten und formten ihn zum Kämpfer.

Die Jahre vergingen schnell. Der Krieg gegen den einstigen Verbündeten, den König von Cambria, war schnell gewonnen. Das Neujahrsfest rückte heran, der Tag des Ritterschlages für die alten Knappen. Du kennst das Datum, Wirt, während der Nacht auf Neujahr, der ersten Neujahrsnacht nach dem Sieg über Cambria ist unser guter Graf gestorben. Am Wein erstickt, oder an seinem eigenen Bauch beim Neujahrsmahl verendet, wie tragisch.
Sein Sohn Mordrag, der heute noch auf dem Thron sitzt ist mir widerlich, Wirt. Ich weiß, dass es gefährlich ist, so etwas zu sagen, aber ich sage nur was alle denken. Dieser widernatürliche Bastard ist sogar hinter seiner eigenen Schwester her, unserer Countesse! Außerdem hat der faule Bengel Teramon den Ritterschlag verweigert! Im Angesicht des heiligen Michael und des heiligen Georg hat er gesagt: diesen da nicht! Nur weil der neue Graf neidisch war, daß Teramon stets der Bessere im Umgang mit Schwert und Schild war. Wenigstens ihr, das Volk, verachtet ihn nicht länger. Ihr haltet zu ihm, nennt ihn, den Drachenritter, den Ritter ohne Adel. „Das Herz des Drachen“, so mag Teramon es wenn man ihn nennt, der Name passt gut zu ihm, denn ein großes Herz trägt er in sich. Er wäre ein großer Ritter geworden. Ganz herrenlos ist Teramon im übrigen nicht, er ist der Ritter seiner Herrin, der Countesse. Als ihr gräflicher Bruder zu aufdringlich wurde, verließ sie den Hof, gab Namen, Titel und Besitz auf und er ging mit ihr.
Ihr kennt das Wappen auf seinem Schild, sein Feldzeichen muss man sagen, denn sein Drachenblut sollte nicht die blaue Färbung erhalten. Ein gemeiner Ritter einer gemeinen Edeldame.
Weiß der Teufel, wo er jetzt ist. Seit unser „gnädiger Graf“ unsere Countesse ergriffen hatte und enthaupten ließ, sinnt er wohl auf Rache und Gnade Gott jedem, der unter der Flagge des Grafen reitet, wenn Teramon in der Nähe ist. Der Drache breitet seine Schwingen aus. In welche Richtung er fliegt wissen die Götter. Ich wünsche nur keinem Feind die Klinge mit ihm kreuzen zu müssen.
 Ich wünsche dir einen guten Tag, Wirt. (mit einem Knurren) Lang lebe Mordrag von Cornwall…

 

Die Gegenwart - Seine eigenen Worte

Ich bin ein Wanderer auf der Suche nach meinem Schicksal. Ich suchte es in der Liebe und fand den Kampf. Blut liegt überall auf meinem Weg. Mein Herz ist gespalten, vom Schmerz gebrochen. Ich lebe für den Stahl. Das Schwert das ich in der Hand trage, das Geschenk meines Ziehelternvolkes, die Elbenklinge, bestimmt mein Streben und mein tun.
 Der Drache, der auf meinem Schild gezeichnet ist, erschien mir immer wieder in meinen Träumen. Er besitzt mein Herz, in meinen Adern fließt sein Blut. Auch wenn die Geschichten die sich die Bauern erzählen nicht wahr sind, auch wenn ich kein Drachengezücht bin, trage ich doch das halbe Herz eines Drachen in meiner Brust.
Ich werde Erfahrung auf dem Schlachtfeld sammeln. Meine Wunden werden meine Orden und mein Zierrat sein. Der Himmel sei meine Festung, mein Arm sei mein Knappe.
Eines Tages werde ich einen Herren finden der es würdig ist ihm mein Schwert zu weihen und sein Vasalle zu werden. Mein halbes Drachenherz wird ihm gehören, so wie meine andere Hälfte ihr auf ewig gehören wird und mit ihr begraben wurde.
 Ich bin Teramon - Das Herz des Drachen

 

Das Ende

Doch das Herz des Drachen ward durchbohrt… in einer wütenden Donners- und Gewitternacht, als die Blitze zuckten und der Regen sich über die Feste Heydgard und das Geschehen des Grauens um sie herum ergoß, in jener Nacht war der junge Krieger gefallen, und seine Suche nach seiner wahren Herkunft und seinem Streben dem Guten zu dienen ward ein jähes Ende gesetzt.
Hastig hatte er sich von der Liebsten, der er erst wenige Tage vor jener schicksalshaften Nacht zum ersten mal begegnet war, mit einem flüchtigen Kuß auf die Wange verabschiedet. Die erste Frau, die sein Herz seit dem Tode seiner Dame zum erglimmen brachte, sollte er auch zum letzten male sehen.
Sein nächster Griff galt Sternenglanz, dem Zauberschwert und seinem von vielen Kämpfen zerschundenem Schild, sogleich ward er zum Burgtor geeilt, wo sich Dunkelalben, auch Drow genannt, in feindlicher Absicht hatten sehen lassen.
Die Drow waren gekommen um Blutrache zu nehmen. Die Männer und Frauen auf Heydgard wollten einen der ihren, einen Elben, dem die Blutrache gelten sollte nicht preisgeben, worauf es zum Kampf kam gegen die Nachtalfen, was ein ungleicher Kampf werden sollte.
Mit wilden Schlägen, ganzem Kämpferherz und Sternenglanz an seiner Seite streckte Teramon einen der Dunkelalfen nieder, doch als er seine Streiche auf einen zweiten herniedersausen lassen wollte, da traf ihn ein finsterer Zauber wie aus dem Nichts. Teramons Körper wurde gelähmt, kein Schritt, kein Streich und auch kein Block und keine Parade sollte er mehr führen können.
Mit hämischen Gelächter und bitterem Hohn begleitet, schleiften die Dunkelalfen Teramon zu sich, weg von der Burg, wo die Gefährten Bangherzig zurückgewichen waren. Das letzte was er sah, war das Gesicht eines weißbärtigen Finsteralbs, der voller Mordlust und dunklem Wahn seine Klinge in seinen wehrlosen Leib rammte.
Dann wurde es finster um ihn…

Man hatte Teramons Leichnahm am Altar des Lebens, in den unteren Gewölben der Festung Heydgard aufgebahrt und seinen zerschundenen Leib gesalbt. Die Tränen der Liebsten vermochten das tote halbe Drachenherz ebenso wenig zum schlagen zu bringen, wie es die Gebete der Priesterin des Lebens vermochten.

Später fiel die Festung Heydgard und wurde von einem Vampyr besetzt, der danach trachtete, ein dunkles Ritual durchzuführen, was dem göttlichen und lebendigen größte Frevelei sein sollte.
Seit diesen Tagen ist der Leichnam des Teramon verschwunden und ward nicht mehr gesehen. Auch kein Grab mag man im Lande Cyrandor mit dem Namen des Herz des Drachen finden, noch andererorts …
 
zurück zu Thorans Charaktergeschichte