Menu

Social Scoring - Die Vision einer besseren Gesellschaft?

millions of false eyes

Are stuck upon thee: volumes of report

Run with these false and most contrarious quests

Upon thy doings

Shakespeare, Measure for Measure (IV, 1) [1]

Zu Shakespeares Zeiten gab es zwar noch kein Social Scoring, aber schon soziale Kontrolle. Tugend und Untugend wurden von Shakespeare in seinen Werken behandelt, die Protagonist*innen seiner Stücke befinden sich oft im Zwiespalt mit ihren eigenen Wünschen und dem, was von der Gesellschaft als „schicklich“ angesehen ist. Die Kontrollinstanz in Shakespeares „Measure for Measure“ ist die Gerüchteküche Wiens, die alles zu sehen scheint, aber sich in der Interpretation des Gesehenen durchaus irren kann. Dieses Motiv der sozialen Kontrolle lässt sich in vielen literarischen Werken wiederfinden, von Shakespeare bis Jane Austen. Die Überwachung durch die Gesellschaft bewegt das Individuum in diesen Stücken dazu, sich normkonform zu verhalten, oder zumindest mit Entscheidungen, die nicht den Normen entsprechen, zu hadern. Bisher war die Auseinandersetzung mit sozialen Scoring Systemen vornehmlich Fiktion in Büchern, Filmen und Serien. Nun testet aber mit China ein Land unterschiedliche Scoring Systeme in verschiedenen Städten. Damit werden die fiktiven Beispiele Realität sind Gegenstand des öffentlichen Diskurses in Deutschland. Die Diskussion erstreckt sich über bereits real existierende Scoring-Systeme in Deutschland hin bis zu Gefahren und Vorteilen dieser Systeme. Fraglich ist bei einer Umsetzung von sozialen Scoring Systemen auch, auf welcher moralischen Grundlage und mit welchen technischen Mitteln diese geschehen sollen.

[1] Übersetzt: Millionen falscher Augen / sind auf dich gerichtet: ganze Bände/ sind im Umlauf mit diesen falschen und sich widersprechenden Nachrichten / deines Tuns.

Informatik und Gesellschaft 2018/19 Social Scoring