Politik - Donald Trump & Fake-News

Hintergrund – Warum wird der US-Wahlkampf betrachtet?
Im Rahmen der US-Präsidentschaftswahl 2016 trat aufgrund vermehrter Falschmeldungen in sozialen Medien die Thematik von „Fake-News“ im Wahlkampf auf. Eine Vielzahl von Menschen, die politische „Fake-News“ über sozial Media erhielten geben an, diese zunächst geglaubt zu haben. Im Fall der US-amerikanischen Wahlen ist auffällig, dass die am meisten diskutierten „Fake-News“ ein Bevorzugen von Donald Trump gegenüber Hillary Clinton propagierten. Daraufhin entstanden Aussagen, dass Donald Trump ohne den Einfluss von „Fake-News“ nicht zum heutigen Präsident gewählt worden wäre (vgl. Allcott/Grentzkow 2017, S. 212). Aufgrund eingeschränkter Kontrollmöglichkeiten von Informationen und der Publizierung von Informationen durch jedermann innerhalb sozialer Medien steht diese Betrachtung im Fokus (vgl. Allcott/Grentzkow 2017 S. 211) siehe auch: „News, Fake-News, Lüge, oder doch Propaganda“.

Welche Medien waren im US Wahlkampf von großer Bedeutung?
Eine Umfrage durch Allcott/Grentzkow ergibt, dass der Einfluss sozialer Medien für die US-Bundesbürger zwar Einfluss reicht ist, jedoch nicht dominierend (2017, S. 223). Die folgende Abbildung zeigt die relevantesten Medien für US-Bürger für die US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2016.

Medien in der US Wahl


Abbildung: Was sind die wichtigsten Medien in der US-Präsidentschaftswahl 2016? (repräsentativ) (Allcott/Grentzkow 2017, S. 224)

Die vier wichtigsten Medien diesbezüglich sind Kabelfernsehen, Netzwerk TV, Webseiten und lokales Fernsehen. Anschließend folgen soziale Medien als fünftwichtigste Quelle mit ca. 14 Prozent. Somit ist eine Berichtserstattung über das Fernsehen als weitaus wichtiger zu beurteilen (vgl. Allcott/Grentzkow 2017, S. 223). Soziale Medien und Webseiten zusammen spiegeln jedoch einen Anteil von 28,6 % wieder, der nicht zu missachten ist.

Wer publizierte in welchem Ausmaß „Fake-News“ bezüglich der US-Präsidentschaftswahl?
Bezüglich des Wahlkampes wurde durch eine Vielzahl verschiedener Webseiten „Fake-News“ aus unterschiedlichen Motivgründen propagiert. Nach Allcott/Grentzkow sind einige Webseiten in Ihrer Namensgebung angelehnt an legitime Webseiten von Nachrichtenagenturen, um diese zu imitieren (wie z.B. denverguardian.com). Andere satirische Webseiten können ohne Betrachtung von kontextuellen Gegebenheiten als tatsächliche Nachrichtenseiten gehalten werden (wie z.B. wtoe5news.com). Ebenso besteht eine Durchmischung von faktisch richtiger Berichtserstattung und Unwahrheiten durch Webseiten (wie z.B. endingthefed.com). Insgesamt tendierten Webseiten die „Fake-News“ verbreiteten zu einer gewissen Kurzlebigkeit, sodass sich lediglich bekannt gewordene „Fake-News-Webseiten“ benennen lassen (2017 S. 217).
Hierfür seien genannt: Edingthefeld.com, eine von einem 24-jährigen Rumänen betriebene Website, die für die zehn populärsten „Fake-News-Stories“ verantwortlich war (vgl. Townsend 2016). Die Firma „Disinfomedia“, in Besitz vielerlei „Fake-News-Webseiten“ wie „NationalReport.net“, „USAToday.com.co“ und „WashingtonPost.com.co“ (vgl. Sydell 2016). „Paul Horner“, ein Betreiber vieler „Fake-News-Webseiten“ proklamierte für sich, dass Donald Trump aufgrund von ihm gewählt worden war (vgl. Dewey 2016).

Wie hoch war das Ausmaß von Fake-News?
Das Ausmaß von „Fake-News“ kann eine Studie von Allcott/Grentzklow veranschaulicht werden. Sie führten eine Befragung nach der US-Wahl anhand einer von ihnen erstellten Datenbank von „Fake-News“ durch. Den Befragten wurden 15 Schlagzeilen gezeigt. Für jede Überschrift wurde erfragt, ob die Probanden sich an diese Nachricht erinnern, sie vor der Wahl gesehen zu haben oder ob diese diskutiert wurde und ob sie zum Zeitpunkt der Wahl von Ihnen als wahr erachtet wurde (vgl. Allcott/Grentzklow 2017, S. 226). Wesentliches Ergebnis der rein quantitativen Betrachtung von „Fake-News“ ist, dass der durchschnittliche „Fake-News-Artikel“ der Umfrage 0,386 Millionen Mal auf Facebook geteilt worden ist und durch 1,2 % der amerikanischen Erwachsenen gesehen und erinnert wurde. Dies ergibt, die Chance des Erinnerns von 0,03 (0,012 / 0,386 Millionen) per eine Million geteilte Facebook-Beiträge. Gegeben, dass die Artikel der Datenbank 38 Millionen Mal geteilt wurden impliziert dies, dass der durchschnittliche in Amerika lebende Erwachsene 1,14 Artikel der Datenbank gesehen und erinnert hat. Sodass die gelesenen „Fake-News“ während der Wahlperiode in einer Größenordnung von einem oder mehreren gelesenen Artikel pro Erwachsener gelegen hat (vgl. Allcott/Grentzklow 2017, S. 227).

Wäre Trump auch ohne den Einfluss von Fake-News gewählt worden?
Die Ergebnisse von Allcott/Grentzklow legen nahe wie überzeugend „Fake-News“ hätten sein müssen, um für die US-Wahl entscheidend zu sein. „Fake-News“ wurden durch die Wähler gelesen, wie sehr jedoch dies die Wahlergebnisse beeinflusst haben hängt davon ab, wie wirksam die Verbreitung gefälschter Nachrichten die Wähler beeinflusst. Zum Vergleich steht, dass eine zusätzliche TV-Kampagne die Stimmanteile um etwa 0,02 Prozentpunkte ändert (vgl. Spenkuch/Toniatti 2016, S. 13). Dies legt nahe, dass, wenn ein gefälschter Nachrichtenartikel ungefähr so überzeugend ist wie eine TV-Kampagnenanzeige, die innerhalb der Datenbank von Allcott/Grentzklow festgehaltenen „Fake-News“ das Wahlergebnis im hundertstel Prozentpunktbereich geändert hätten.