Selbstwertgefühl

Hier findet Ihr die Unterthemen: Persöhnliche Hemmschwelle in Netz,
Soziale Medien - Auswirkung auf die Psyche und
Minderung des Selbstwertgefühls durch das Internet.

Persöhnliche Hemmschwelle in Netz

"Wenn er das macht, darf ich das erst recht!" ist der Satz, der rechtfertigen soll, wieso eine Grenze Überschritten wurde. Eine Erklärung für eine Überschreitung ist eine geringe Hemmschwelle. Aber was versteht man eigentlich unter diesem Begriff "Hemmschwelle", wo gewinnt sie an Bedeutung und lässt sie sich durch eine Masse an Menschen sinken?

Der Begriff Hemmschwelle kommt aus der Psychologie. Er beschreibt eine "sittliche Norm o.Ä., die jemanden hindert, etwas Bestimmtes zu tun."(1)

In diesem Text wird die Hemmschwelle nicht nur aus dem Blickwinkel des Internets beleuchtet, sondern auch aus dem der Realität. Im Folgenden vergleichen wir daher zunächst die reale mit der Hemmschwelle im Internet. Danach werden die Auswirkungen auf die Kommunikationsmedien betrachtet, indem auf Beichten und Cybermobbing näher eingegangen wird. Schließlich wird der Begriff Hemmschwelle darauf bezogen, was manche Menschen im Internet von sich offenbaren.

In direkter Konfrontation mit anderen Menschen ist eine Überwindung der realen Hemmschwelle schwieriger, da man hierbei sein wahres Gesicht zeigt. Man ist selbst für sein Handeln verantwortlich und muss somit bei bestimmten Taten mit physischen oder juristischen Konsequenzen rechnen.
Im Gegensatz dazu steht die Hemmschwelle im Internet, bei der man sein wahres Gesicht verbergen und dabei physisch abwesend sein kann. Daraus folgt, dass jeder prinzipiell seine geschriebenen Worte dementieren und als "Scherz" darstellen kann. Ein Zugang zum Internet ist in der heutigen Zeit sehr einfach und günstig. Es bietet die Möglichkeit, mit Menschen aus aller Welt zu kommunizieren und Inhalte hoch- und herunterzuladen, von jedem Ort der Erde, zu jeder Zeit. Im Vergleich zur Realität erreicht man so viel mehr Menschen auf einmal, ohne, dass sie einen kennen und physisch sehen. Durch diese Art von "Schutzschicht" fühlt es sich für diejenige Person an, als könne sie unbeobachtet und anonym Dinge schreiben oder veröffentlichen. Aus diesem Grund teilen oder "posten" Menschen schneller Dinge als sie von sich im realen Leben preisgeben würden. Ein Beispiel für die geringe Hemmschwelle im Internet ist das Nacheifern von Prominenten in Form von "Fake-Profilen", bei denen sie vorgeben, jemand anderes zu sein, als sie in Wirklichkeit sind.

Das Internet vermittelt einem das Gefühl, vollkommen anonym zu agieren. So ist es zum Beispiel möglich, mich ohne Scham nach allem Erdenklichen zu erkundigen, Dinge zu kaufen, Meinungen zu vertreten (z.B. in Foren) oder sich über bestimmte persönliche Themen (Krankheiten, sexuelle Vorlieben, finanzielle Sorgen) auszutauschen. Mein soziales Umfeld sieht nur die Maske, die ich ihnen präsentiere. Meine, vor der Gesellschaft versteckten und von ihr nicht tolerierten Vorlieben kann ich dank der Anonymität des Internets im Verborgenen ausleben, ohne dabei Konsequenzen fürchten zu müssen.

Ein gerade in den USA aufkommender Trend ist es, Beichten im Internet abzulegen. Ein bekanntes Portal ist hierbei die Webseite "MySecret.tv", auf der die Nutzer anonym und öffentlich im Internet ihre Seele "ausschütten" können. (2) Das bisher nur aus Kirchen bekannte Konzept der Beichte wird somit in das Internet verlagert. Aus einem Vier-Augen-Gespräch wird ein für andere Nutzer des Portals öffentlich einsehbarer "Pranger", an dem sich Menschen eine psychische Erleichterung erhoffen. Hierbei werden die Beichten sogar in 16 verschiedene Kategorien, wie zum Beispiel "Spielsucht", "Sexualität", "Lügen" oder "Diebstahl" unterteilt. (2) Eine Beleidigung ist ein "Angriff auf die Ehre einer anderen Person durch Kundgabe ihrer Missachtung oder Nichtachtung" (3), durch Verbreitung von Fehlinformationen (Verleumdung) oder durch Verbreitung von rufschädigenden, aber wahren Informationen (üble Nachrede). (3)(4)

Die Beleidigung im Internet kommt heutzutage sehr häufig vor und manifestiert sich in diversen Formen. Die meisten sind dabei anonym, d.h. man verbirgt sich hinter einer großen gesichtslosen Masse, um andere anzufeinden. Fühlt er sich unbeobachtet, zeigt der Mensch gerne sein wahres Gesicht. Nicht selten offenbart er sich dabei als Monster. Im Internet kommt es, vor allem auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Foren, immer wieder zu massiven Beleidigungen der User untereinander, sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht. (5)
Dabei nutzen viele Leute die Anonymität, um böse Kommentare zu schreiben oder an Shitstorms teilzunehmen. Wird ein Mensch dauerhaft von anderen Personen im Netz beleidigt, bloßgestellt, belästigt oder bedroht, spricht man von Cyberbullying beziehungsweise Cybermobbing, welches durch die Verbreitung sozialer Medien geschaffen wurde. Im Vergleich zum realen Leben ist durch die verringerte Hemmschwelle im Internet und durch einen Zusammenschluss von mehreren Personen eine sehr hohe Frequenz von Beleidigungen möglich. In der Realität würden sie weniger schnell aufeinander folgen. (6) Mobbing kommt in vielen Situationen vor. Die betroffenen Personen werden via Internet beispielsweise in sozialen Netzwerken oder auf Videoplattformen wie Facebook und YouTube angegriffen. Fotos oder Videos werden hochgeladen, um Opfer des Cybermobbings zu schikanieren und terrorisieren. Hinzu kommen Beleidigungen oder Bedrohungen via E-Mail, Chat, Forum oder Gästebuch. Zum Cybermobbing gehört es ebenfalls, sich mit der Identität der gemobbten Person auf Internetplattformen anzumelden. So werden in der Rolle des gemobbten intime "Geheimnisse" preisgegeben und Rufschädigung begangen. (6)

In einer Gruppe, vor allem, wenn Anonymität herrscht, gibt es häufig Menschen, die Auseinandersetzungen anstacheln oder andere zu Straftaten anstiften. Dabei versuchen sich die beteiligten Personen gegenseitig zu übertrumpfen. Die Gruppe verleiht der einzelnen Person Schutz, da sie die Schuld von sich schieben kann und sagt: "Ich war nicht der Einzige...", "Ich selbst habe ja nichts getan..." oder "Ich habe damit nicht angefangen".

Abseits der Anonymität gibt es weitere Typen von Menschen, die ihre Daten öffentlich preisgeben und nicht anonym bleiben wollen. Die Menge an Daten, die sie im Internet von sich preisgeben, richtet sich maßgeblich nach ihrer Persönlichkeit. Beispielhaft werden hier die wesentlichen Charakterklassen erläutert:

Datenexhibitionismus

Hierunter fallen jene Menschen, die jede Kleinigkeit über sich preisgeben. Viele schöpfen hieraus ein Gefühl der Bedeutsamkeit für ihr eigenes Leben. Andere Menschen verfolgen ihr Leben, daraus schließen sie, sie seien wichtig. Ein beliebter Indikatortest für die eigene Beliebtheit ist beispielsweise der "Like'˜s-Counter" bei Youtube- Videos oder Kanälen.

Vorsichtige Datenpreisgabe

Dieses Charakterbild betrifft vor allem ältere Menschen, welche ohne die Allgegenwärtigkeit des Internets und ohne permanente Erreichbarkeit via Smartphone etc. aufgewachsen sind. Aber auch eine Menge junger Menschen wahrt noch die Vorsicht, bei der modernen Kommunikation. Von ihnen werden nur dann Informationen preisgegeben, wenn sie keine Alternative dazu haben. Im Zweifelsfall wird eher auf eine Foren-, Webshop- oder Kommunikationsplattformen Mitgliedschaft verzichtet, bevor man unnötigerweise persönliche Daten preisgibt.

Alltagsfähige Datenpreisgabe

Die Mehrheit der Menschen geht einen Mittelweg zwischen diesen beiden Extrempositionen. Sie geben deutlich mehr preis, als sie müssten, genießen dafür den Komfort der modernen Kommunikation und Vernetzung.

Die Gesellschaft fordert mittlerweile das Teilen von Großteilen des Privatlebens. Jeder sollte aber darauf achten, nichts zu teilen, was anderen oder sich selbst Schaden zufügen kann. Ein Beispiel ist hierbei das Hochladen eines Fotos auf Facebook, ohne die Zustimmung der abgebildeten Person eingeholt zu haben. Man handelt als eine Gruppe und macht vieles mit, da der Wille der Gruppe größer ist, als der Wille des Einzelnen (Gruppenzwang). Darüber hinaus muss man einige Trends mitmachen, an denen einem eigentlich nichts liegt und sich an Pöbeleien und Denunzierungen der Gruppe beteiligen. Ansonsten könnte es passieren, dass man nicht mehr mitreden kann, sich distanziert oder von den anderen nicht mehr akzeptiert und ausgeschlossen wird.

@Author Dorianne Kodjou Tchuenkam

Soziale Medien- Auswirkungen auf unser reales Leben

Soziale Medien helfen Menschen jeden Tag miteinander in Kontakt zu bleiben und über Ereignisse aus ihrem Leben zu berichten oder über das Leben anderer Menschen zu erfahren. Doch inwiefern helfen uns soziale Medien und ab wann setzen sie uns unter Druck? Denn Begriffe wie 'Facebook-Depression' und 'Social Magerwahn' tauchen heutzutage immer häufiger auf. Doch woher kommen diese Begriffe und was bedeuten sie?

Der gemeinsame Ursprung von 'Social-Media-Depressionen' ist ein bereits gemindertes Selbstwertgefühl bei einigen Menschen. (1) Doch wie kommt es bei diesen Menschen zu Minderwertigkeitsgefühlen und wodurch kennzeichnen sich diese? Im Allgemeinen erkennt man Minderwertigkeitsgefühle an einer „[…]negative[n] Einstellung zu [sich] selbst, eine Selbstentwertung, die dazu führt, dass wir uns schlecht fühlen." (2) Diese können dann, laut dem Psychotherapeuten Dr. Rolf Merkle, etwa in unserer frühen Kindheit oder später beim Umgang mit gleichaltrigen Menschen entstehen. (2) Aus einem bereits geminderten Selbstwertgefühl können dann Phänomene wie 'Social-Magerwahn' entstehen, die sich schnell im Netz ausbreiten, oder die 'Social Media-Depression', wobei bereits depressive Menschen sich durch den Gebrauch sozialer Medien noch schlechter fühlen als zuvor. Natürlich gibt es auch Fälle, in denen Menschen dank sozialer Medien wieder Selbstbewusstsein aufbauen, das ist dann die Gegenseite zu den negativen Beispielen, welche wir jetzt zuerst betrachtet werden.

Also was genau ist eine 'Social Media Depression'? Der Begriff rührt von einigen Studien her, die belegen, dass Menschen sich nach der Nutzung von sozialen Medien, wie Facebook, nicht besser, sondern tatsächlich eher schlechter fühlen als zuvor. Eine dieser Studien wurde vom Journal Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking veröffentlicht. Nach der amerikanischen Studie sind wir mehr und mehr davon überzeugt, dass andere Menschen ein viel besseres und schöneres Leben führen, je länger wir bei sozialen Netzwerken wie Facebook online sind. Diese Schlussfolgerung geschieht bei uns instinktiv, da unsere Facebook '“ Freunde ständig Bilder hochladen, auf denen gelacht, gefeiert und gereist wird, während wir vor unserem Bildschirm sitzen und zuschauen. (3) Auch andere Studien unterstützen diese Vermutung. Eine davon ist an einer Universität in Utah Valley vorgenommen worden und hat gezeigt, dass Menschen die über lange Zeit oder regelmäßig in einem kurzem Zeitraum bei Facebook online sind, eher dazu neigen zu sagen, dass andere Menschen glücklicher sind und dass das Leben unfair ist. Besonders Menschen, die viele Facebook-Freunde haben, welche sie eher schlecht kennen, stimmen diesen Aussagen zu. (4) Der ständige Vergleich zwischen dem eigenen Leben und dem der Anderen kann sich also negativ auf uns auswirken, wie man an den Studien erkennen kann.

Doch auch bei vielen anderen sozialen Netzwerken können ein geringes Selbstwertgefühl und der Vergleich mit anderen zu den Beginnen psychischer Krankheiten führen. So ist zum Beispiel das Phänomen 'Social Magerwahn', wie es in der Frankfurter Allgemeinen genannt wurde, entstanden. Essstörungen können im Internet und auf sozialen Netzwerken leicht gefördert werden. Das Beispiel der "collarbone challenge", welche sich von China aus schnell in der ganzen Welt verbreitete, verdeutlicht das besonders gut. Es handelt sich dabei um eine Herausforderung, bei der man ein Foto von sich hochladen soll, das zeigt, wie viele Münzen in die Kuhle zwischen Schulterblatt und Schlüsselbein passen. Je mehr Münzen in die Kuhle hinein gelegt werden können, umso dünner ist man. Das wiederum bedeutet nicht nur Anerkennung für die "bestandene" Herausforderung, sondern man kann dazu noch zeigen, dass man dünner und somit attraktiver ist als andere. (5) Die Herausforderung ist nur ein Beispiel für viele, bei dem wir uns von der Anerkennung anderer Menschen abhängig machen. Warum aber nutzen wir soziale Medien immer noch so intensiv, wenn es so viele negative Auswirkungen auf uns haben kann?

Der Hauptgrund dafür, dass die meisten Menschen immer noch so intensiv soziale Medien nutzen, ist unser grundlegendes Aufmerksamkeitsbedürfnis. Menschen sind von Natur aus soziale Wesen, aber vor allem bei sozialen Netzwerken kommt unser Narzissmus zum Vorscheinen. Wie auch schon in dem Unterthema 'Narzissmus' auf unserer Website erwähnt, führt unser Narzissmus dazu, dass wir auf sozialen Netzwerken viel zu viel über uns preisgeben. (6) Dazu trägt auch das veränderte Sender-Empfänger-Modell bei. Nach Scheidtweiler, einer PR-Agentur, die sich mit dem Nutzen sozialer Medien für Unternehmen befasst, haben wir keinen direkten Empfänger für unsere Nachricht mehr im Kopf, wenn wir etwas auf sozialen Medien schreiben. Vielmehr schreiben wir mit allen Leuten, die in unserer Freundesliste sind, also kommunizieren wir "abstrakt mit dem Netzwerk" (7). Um das neue Kommunikationsmodell auf sozialen Netzwerken zu verdeutlichen, schreibt der Autor weiterhin: "Der Sender (auch derjenige, der liked) zeigt sich aktiv gegenüber anderen, zieht Aufmerksamkeit auf sich und wirkt auf eine bestimmte Art attraktiv. Dazu tritt ein gewisser Narzissmus. Sich selbst zu offenbaren, über sich selbst zu sprechen, ist für die meisten Menschen ein befriedigender Faktor." (7)

Unser Aufmerksamkeitsbedürfnis ist also einer der Gründe, warum soziale Medien schon immer so einen Anklang bei Menschen gefunden haben und auch trotz bekannter negativer Folgen immer noch genutzt werden. Aber abgesehen von der Aufmerksamkeit, die einem auf sozialen Netzwerken geschenkt wird, stellt sich die Frage, ob soziale Medien auch noch andere Vorteile für unser Selbstwertgefühl haben? Können soziale Medien Menschen, die an Depressionen oder geminderten Selbstwertgefühl leiden, auch helfen?

Eine reguläre Depression kennzeichnet sich durch Lustlosigkeit, Schwermut und dadurch, dass jede Belastung und Anforderung dem Menschen, der darunter leidet, zu viel erscheint. Außerdem probieren betroffene Menschen, in dieser Zeit Menschen, die sie schlecht kennen, zu umgehen und suchen Geborgenheit bei Menschen, die ihnen vertraut sind. Für Menschen die unter Depressionen leiden, können soziale Medien in diesem Zeitraum besonders schädlich sein, wie wir oben festgestellt haben, aber sie können diesen Menschen auch helfen.(8) Eine Therapie können soziale Netzwerke wie Twitter und co. zwar nicht ersetzen, aber "zu versuchen, sich mitzuteilen, ['¦][kann] ein Weg aus der gefühlten Isolation [sein]." (9) Das heißt, dass sich diese Menschen zumindest im Internet anderen Menschen öffnen und Verständnis finden können, was sie in ihrem täglichen Umfeld vielleicht nicht erfahren. Bis sie sich dann trauen mit anderen Menschen in ihrem Umfeld darüber zu reden, kann es noch dauern, aber ein erster Schritt in die richtige Richtung ist damit schon getan. (9)

Wie wir festgestellt haben kann unser virtuelles Auftreten uns positiv und negativ beeinflussen, je nachdem in welcher Situation wir uns befinden. Wie viele andere soziale Netzwerke zuvor, kann man bei Facebook und co. zwei Seiten der Medaille betrachten. Wichtig ist nur, dass man sich beider Seiten bewusst ist, damit man sich bewusst aussuchen kann, wann man soziale Medien gerne nutzen möchte und wann nicht. Im obigen Text wurden einige Gefahren und Möglichkeiten von vielen genannt, die man bis heute festgestellt hat, damit jeder Leser einen besseres Verständnis davon hat, wie unser virtuelles Auftreten uns im realen Leben beeinflusst.

@Author Franziska Meirose

Minderung des Selbstwertgefühls durch das Internet

Das Internet bietet dem Menschen viele Möglichkeiten. Es ist mittlerweile nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Die vielen Möglichkeiten können gleichzeitig Chancen bieten und Risiken bürgen. So nutzen viele Internetnutzer soziale Netzwerke zu Kommunikations- sowie Selbstdarstellungszwecken. Der folgende Text soll die Chancen und Risiken dieser sozialen Netzwerke unter verschiedenen Aspekten beleuchten. Insbesondere sollen einige zum Teil anonyme Community-Plattformen dies näherbringen.

Eine der anonymen Möglichkeiten, Gedanken mit anderen Menschen im Internet auszutauschen, ist die noch nicht so alte Smartphone App "Jodel'. Das Prinzip dieser, an deutschen Universitäten kursierenden, anonymen Kommunikationsplattform ist schnell erklärt: Hat man sich einmal die App heruntergeladen, kann man eigene "Jodel" in Form von lustigen Sprüchen, Fragen, Gedanken oder Bildern einem standortabhängigen Personenkreis zur Bewertung online stellen. Andere Benutzer haben die Möglichkeit, unter diesen Beitrag Kommentare zu verfassen und ihn über zwei Pfeile nach "oben" oder nach "unten" zu voten. Wurde ein Jodel auf einen Punktestand von "-5' gevotet, verschwindet dieser aus der Liste der eingestellten Inhalte. Besonders frequentiert kommentierte oder extrem gut bewertete Beiträge landen in der Rangliste weiter oben als andere und erhalten somit Anerkennung der anonymen Community. Das Besondere: man benötigt für all das keinen personenbezogenen Account. (1)

In Zeiten von immer stärker werdenden Kontrollen in sozialen Netzwerken (speziell: Zuordnung von Postings und Nachrichten zu personenbezogenen Profilen und Personennetzen), der stetig wachsenden Datenmengen, die soziale Medien durch das Userverhalten sammeln und vermarkten, wird das Verlangen nach Anonymität der Anwender in sozialen Medien und allgemein im Internet immer größer. Jodel bietet hier den entscheidenden Vorteil, dass man Dinge verbreiten kann, ohne anderen Anwendern seine wahre Identität preisgeben zu müssen.

Mehr als 400.000 Anwender nutzen bislang die App. Eine Studie des Lehrstuhls für Computervermittelte Kommunikation zeigt, dass sich durch die Anonymität kein generell asoziales, sondern eher ein pro-soziales Verhalten in der Community entwickelt. (1) Man hilft sich gegenseitig, ist unter "Gleichgesinnten". Auch können Menschen ihre Probleme anonym veröffentlichen und Rat von meist Gleichaltrigen oder Menschen, die gerade dieselben Probleme erfahren oder bereits erfahren haben, erhalten.

Eine solche Möglichkeit kann das Selbstwertgefühl eines Menschen erheblich steigern und damit stärken. Er kann, ohne seine Identität preisgeben zu müssen, private Probleme einer breiten Personengruppe mitteilen und Ratschläge oder Hilfe durch andere anonyme Personen erhalten. Hilfestellungen oder Kommentare von Jodel-Beiträgen können Einfluss auf Menschen und deren reales Leben nehmen, indem sie sich anders verhalten und damit auch ihre Persönlichkeit verändern. Sie können sich dabei ein verbessertes Selbstwertgefühl und ein neues Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich selbst aufbauen.

Doch gibt es hierbei nur positive Effekte? Kann eine Plattform im Internet auch das Selbstwertgefühl verringern und einem Menschen psychische Schäden zufügen?

Ein paar Beispiele sind hier das soziale Netzwerk Facebook und Instagram, das Videoportal "Youtube" oder der Kurznachrichtendienst "Twitter".

Auf diesen Plattformen erhoffen sich viele Anwender Zuspruch für gepostete Inhalte (Nachrichten, Videos oder Beiträge), ausgedrückt durch "Likes", "Upvotes" oder auch "Abonnenten" und "Follower". Rund 89% aller Jugendlichen haben laut Bundesamt für Sozialversicherungen ein Profil in einem sozialen Netzwerk. (2)

Eine Studie des amerikanischen Psychologen E. M. Clerkin hat gezeigt, dass der "[...](verzweifelte) Wunsch nach Bestätigung eigener Äußerungen durch andere Nutzer auf Facebook [dem Selbstbewusstsein] schadet." (3)

Dabei setzen sich die Anwender, die überwiegend Jugendliche oder junge Erwachsene sind, selbst unter Druck. Denn, wer "dabei" sein möchte, wird tagtäglich gezwungen, Dinge über sich und seinen Tagesablauf im Internet zu veröffentlichen. Als Beispiele für die Selbstinszenierung ist zu nennen, sich perfekt gestylt, in verschiedenen Posen und Kamerawinkeln abzulichten, Szenen von der letzten Party am Wochenende, den selbstgebackene Kuchen oder das frisch antrainierte Sixpack zu posten. Diese Selbstinszenierung fördert immer mehr die Schaffung von idealisierten Bildern. Jugendliche vergleichen sich mit gleichaltrigen und sehen sich gezwungen, dem Trend zu folgen und auch viele Dinge über sich preiszugeben. Ein Indikator für Anerkennung und Stärkung des Selbstbewusstseins sind hierbei die "Likes". (4) Laut einer Umfrage von "Pro Juventute" "ist es für über 80 Prozent der Jugendlichen wichtig, von anderen auf Social Media positiv wahrgenommen zu werden." (4)

Doch dieses Bedürfnis kann andersherum gesehen einen noch fataleren Nebeneffekt haben. Denn diese Art des gesellschaftlichen Druckes kann dazu führen, dass Jugendliche, die ihr Leben nicht öffentlich zeigen und sich trotzdem mit den "Idealen" vergleichen, ihr Leben als langweilig und "nicht besonders" empfinden. Das Selbstwertgefühl sinkt, massive Selbstzweifel können die Folge sein und sogar Essstörungen oder Depressionen hervorrufen. (5) Junge Mädchen fühlen sich nach Psychologin Moana Crescionini (Pro Juventute Betreuerin der Jugendrufnummer 147) dick und hässlich, wenn sie weniger "Likes" für hochgeladene Bilder erhalten als ihre Freundinnen. (5)

Eine weitere Plattform, auf der man je nach Nutzung relativ anonym bleiben kann, ist die Plattform "Instagram". Auf ihr drehen sich viele Beiträge um Sport. Selbstkreierte Fitnessdrinks, verschwitzte Körper und neue Posen des gerade gekauften Outfits zeigen die Illusion eines einfachen Lebens. Gerade Abnehmende folgen solchen Usern, da sie sich dadurch eine Besserung der eigenen Situation erhoffen. Gut trainierte User sind laut einer Umfrage der Universität Leipzig Vorbild für viele Anwender. Denn "knapp 60 Prozent der Befragten gaben an, ihre eigenen mit den Ernährungsgewohnheiten derjenigen zu vergleichen, denen sie folgen.' (6) Fast 50% der Befragten verglichen dabei ihr Aussehen oder ihr Gewicht. Anwender, die bereits ein sehr schwaches Selbstwertgefühl besitzen, gaben an, dass sie sich durch die Nutzung von Instagram noch schlechter fühlen und ein noch negativeres Körperbild haben. (6)

Das Hochladen solcher Inhalte ins Internet kann weitreichende Folgen haben, z.B., wenn ein Missbrauch dieser Inhalte stattfindet. Das Internet vergisst quasi nie.

Ein Missbrauch von im Internet geteilten Fotos, Videos oder anderen Daten können sowohl materielle und personelle, als auch psychische Schäden bei Menschen verursachen. Was einmal im Internet ist, lässt sich nur sehr schwer wieder entfernen. Es ist ein leichtes, mit ein paar Klicks Bilder und Videos lokal zu speichern und bei Gelegenheit wieder auf anderen, öffentlichen Plattformen hochzuladen. Besonders sensible Inhalte sollten daher nicht online gestellt werden. Gerade das fehlende Bewusstsein für die öffentliche oder nichtöffentliche Zugänglichkeit von hochgeladenen oder geteilten Inhalten kann zu Missbrauch führen.

Ein wesentlicher Aspekt des Missbrauchs ist das durch soziale Netzwerke sich ausbreitende Phänomen des "Cybermobbings". Was kann man darunter genau verstehen?

"Unter Cyberbullying oder Cybermobbing versteht man die Beleidigung, Bedrohung, Bloßstellung oder Belästigung von Personen mithilfe neuer Kommunikationsmedien, beispielsweise über Handy, E-Mails, Websites, Foren, Chats und Communities." (7)

Ergebnisse der letzten JIM-Studie, die jährlich die Medien- und Internetnutzung von Jugendlichen begutachtet, warnen unter anderem, dass jeder vierte jemanden im Bekanntenkreis kennt, der schon einmal über das Internet belästigt wurde. (7) "15 Prozent sagen sogar, dass über sie selbst bereits schon Unwahrheiten im Netz verbreitet wurden." (7) Dies zeigt die ausgeprägte Verbreitung des Cybermobbings in jungen Generationen.

Ein gutes Beispiel für eine Plattform, auf der solche Taten geschehen, ist die mittlerweile indizierte und aus dem Netz verbannte Plattform "iShareGossip". Diese Plattform wurde von Schülern genutzt, um anonym andere Schüler und Lehrer zu diskriminieren, diese zu mobben und Hetzparolen zu verbreiten. Infolgedessen wurden die Betreiber polizeilich gesucht. (8)

Die Täter können beim Cybermobbing im Internet weitestgehend anonym agieren und so ihre Opfer verängstigen und ihnen psychischen Schaden zufügen. Die Opfer solcher Attacken befinden sich in einer Art Spirale. So können die möglichen Folgen, wie Minderung des Selbstwertgefühls oder des Selbstbewusstseins sowie Depressionen aufgrund von Cybermobbing im Internet auch Auswirkungen auf das Sozialverhalten außerhalb des Internets haben. So isolieren sich in vielen Fällen Mobbing-Opfer immer weiter, was dadurch eine weitere Selbstwertgefühlsminderung nach sich zieht. Auch können Krankheiten, wie die Depression, noch Jahre später nach Mobbing-Angriffen und dem daraus gesunkenen Selbstwertgefühl auftreten. (5)

Somit kann zusammengefasst werden, dass das Thema Cybermobbing bereits Teil unserer Gesellschaft ist und sich durch Informationstechnologie sehr leicht ausbreiten kann. Alle, aber auch insbesondere diejenigen, die sich mit Informationstechnologie und damit der Informatik auseinandersetzen, tragen somit eine gewisse Verantwortung für die Gesellschaft und seine Mitmenschen im Umgang mit dem Internet und sozialen Medien. Durch IT gestützte Medien sollten nur dazu genutzt werden, Menschen zu helfen, nicht, diese zu verletzen.

@Author Ole-Christian Rösler