Fortschritt:

Einsatz von Gamification in Unternehmen mit dem Ziel Produktivitätssteigerung

  1. Einleitung
  2. Ziel
  3. Wie könnte Gamification im Unternehmen aussehen?
    1. Gamification in der Softwareentwicklung
    2. Beispiel
  4. Vor- und Nachteile
    1. Vorteile
    2. Nachteile
  5. Was sollte man beachten
  6. Zusammenfassung

1. Einleitung

Immer mehr Menschen jeden Alters spielen Computerspiele. Die Menschheit verbringt drei Milliarden Stunden in der Woche mit Computerspielen.[1]Oft sind diese Menschen so konzentriert und so in einem Spiel versunken, dass sie nichts mehr von der Umwelt mitbekommen. Aber warum sind unzählige Menschen bereit sich mit zeit- und kostenintensiven Spielen zu befassen, ohne wirklich etwas davon zu haben und viel wichtiger ist für die Unternehmen die Frage, wie kann man die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dazu bringen mit genauso viel Konzentration und Ehrgeiz ihre Arbeit zu erledigen, um ihre Produktivität zu erhöhen und damit auch den Gewinn des Unternehmens zu steigern?

Eine Möglichkeit ist Gamification. Dabei werden Spielelemente, wie zum Beispiel Ranglisten, Abzeichen, Erfahrungspunkte und Ähnliches, in den Arbeitsalltag integriert. Allerdings sollte man dabei einiges beachten, um nicht den umgekehrten Effekt (Demotivation) zu erzielen.

2. Ziel

Hier geht es hauptsächlich um die Umsetzung von Gamification mit dem Ziel der Produktivitätssteigerung. Weitere Ziele, die für Unternehmen wichtig sind und die man mit Gamification erreichen kann, sind z.B. Zufriedenheit, Fortschritt, Weiterbildung oder das Ermöglichen von Innovationen.[2]Außerdem ist das Ziel der Motivationssteigerung eng mit dem Ziel der Produktivitätssteigerung verbunden.

3. Wie könnte Gamification im Unternehmen aussehen?

Bei der Arbeit geht es um Budgets, Umsätze, Termindruck, Zielerreichung und Ähnliches. Auf den ersten Blick passen solche Faktoren nicht mit Spielen und Spaß zusammen. Da stellt sich die Frage wie man so etwas Gamifizieren kann?[3]

Wichtig ist, dass das Gamification Konzept gut durchdacht ist, da es sonst nicht den gewünschten Effekt erreichen könnte oder unter Umständen die Angestellten demotiviert.

Eine Möglichkeit ist, dass nicht die individuellen, sondern die kollektiven Leistungen gemessen werden. Man überprüft also z.B. welche Schicht am präzisesten arbeitet, wo die Angestellten am besten kooperieren und wo die wenigsten Fehler gemacht werden. Jörg Niesenhaus, der ein solches Konzept umgesetzt hat, ist der Meinung, dass es die Mitarbeiter motiviert und dass es die Leute z.B. dazu bringt gemeinsam zu überlegen, wie man Prozesse optimieren kann.[4]

Ein anderer Ansatz ist eine von Roman Rackwitz für eine Softwarefirma entwickelte Feedback-Plattform. Mithilfe dieser Feedback-Plattform können die Mitarbeiter sehen in welchen Bereichen sie besonders gut sind. Laut Rackwitz hätten die Mitarbeiter eigene Ziele entwickelt, einige versuchen in bestimmten Bereichen gut zu sein, während andere überall einigermaßen gut sein wollen.[5]

3.1 Gamification in der Softwareentwicklung

Ein Beispiel aus der Informatik ist Gamification in der Softwareentwicklung, genauer die Gamifizierung von Scrum. Bei Scrum arbeiten kleine Teams in Sprints, die eine oder mehrere Wochen dauern. In diesen Sprints legt man Aufgaben fest, die in dieser Zeit erledigt werden. Jeder sucht sich eine Aufgabe raus, erledigt diese und fährt mit der nächsten Aufgabe fort. In kleinen Schritten lassen sich damit dann große Projekte schnell umsetzen. Wegen der Teamorientierung und den einzelnen Aufgabenpaketen kann Scrum für die Gamifizierung geeignet sein.[6]

3.2 Beispiel

Zwei Manager entwickelten ein Gamification Konzept, bei dem der Scrum-Prozess um Spielmechanismen erweitert wurde. Ihnen war bewusst, dass das Wichtigste immer noch die Entwicklung der Software ist. Als (Gamification) Aufgaben wurden also die einzelnen Aufgaben gewählt. Da man bei Scrum eine Aufwandsabschätzung für diese Aufgaben durchführt, war ihnen klar wie viele Erfahrungspunkte die Aufgaben geben sollten und hatte somit einen Fortschrittsbalken. Als zusätzlicher Anreiz gab es weitere Belohnungen für vollendete Aufgaben. Diese sollten aber keine Zusatzkosten verursachen. Da der interne Chat des Unternehmens sehr beliebt war, entschieden sich die beiden Manager limitierte Smileys als Belohnung zu vergeben, die nach einer bestimmten Zeit oder Nutzungshäufigkeit abgelaufen waren. Außerdem wurden Scrum-Punkte vergeben, wenn Aufgaben gut bzw. schnell erledigt wurden. Diese Punkte konnten später gegen reale Belohnungen getauscht werden. An dieser besteht der Anreiz produktiver zu arbeiten, um diese realen Belohnungen zu erhalten. Mithilfe von diesen Scrum-Punkten wurde eine "nicht entmutigende Rangliste" erstellt. Mit einer "nicht entmutigenden Rangliste" ist gemeint, dass die Mitarbeiter nur das obere Drittel dieser Rangliste sahen. Wenn man eine bestimmte Anzahl an Punkten erreicht hat, bekommen die Mitarbeiter einen Titel zugesprochen. Diese Titel waren wie folgt gestaffelt: Taugenichts (0 Punkte), Rekrut (10 Punkte), Lehrling (20 Punkte), Halbstarker (30 Punkte), Profi (40 Punkte), Meister (50 Punkte). Da direktes und überraschendes Feedback die Motivation am effektivsten steigert, haben die Manager zusätzliche Aufgaben erstellt, die nichts mit der Software zu tun hatten, aber im Gamification Konzept vorgesehen waren, z.B. Abzeichen für das Einloggen oder das Öffnen des Chatfensters. Um dieses neue Konzept überhaupt umsetzen zu können, wurde eine neue Benutzeroberfläche entwickelt.

Dieses Beispiel zeigt, dass es viel Kreativität braucht um ein Gamification Konzept zu erstellen. In diesem Beispiel wurde allerdings das Teamwork stark vernachlässigt. Dennoch merkt man, dass Gamification die Angestellten motivieren kann und dass gerade im Bereich der Softwareentwicklung viel Potential dafür besteht.[7]

4. Vor- und Nachteile

Gamification in Unternehmen bietet viele Möglichkeiten, welche vorteilig, aber auch nachteilig sein können. Diese Vor- und Nachteile werden im Folgenden kurz aufgezeigt:

4.1 Vorteile

Vorteile von Gamification in Unternehmen sind natürlich Motivationssteigerung, Produktivitätssteigerung und Spaß an der Arbeit. Andere Vorteile sind klare Ziele, klare Regeln, Echtzeit-Feedback, Informationstransparenz und dass die Arbeit als erfreulicher und erfüllender empfunden wird.[8]Durch Fortschrittsanzeigen, Missionen und bestimmte Checkpoints sind die Mitarbeiter immer gut informiert über den aktuellen Stand und haben zusätzlich permanentes Feedback, durch welches sie ihre Fähigkeiten verbessern können.[9]Außerdem werden auch unbeliebte Aufgaben (wie das Dokumentieren und die Weiterbildung) "freiwillig" erledigt, was die Qualität der Arbeit steigern kann (z.B. Implementierung von bestimmten Design-Patterns). Auch kann das geführte Lernen bei Einsteigern einen geringeren Angst- bzw. Druckzustand auslösen.[10]

4.2 Nachteile

Der größte Nachteil von Gamification in Unternehmen ist, dass die Mitarbeiter demotiviert oder nur kurzfristig motiviert werden. Besonders neue Mitarbeiter und die, die nicht so viel Zeit haben (weil sie z.B. kleine Kinder haben) könnten benachteiligt und damit demotiviert werden. Auch Mitarbeiter, welche für kurze Zeit nicht arbeiten (z.B. wegen Krankheit oder Urlaub) werden von anderen Mitarbeitern überholt und können deswegen demotiviert werden.[11]Außerdem wird zusätzlicher Aufwand benötigt, da regelmäßige Anpassungen und Neuerungen bei den Aufgabenbereichen vorgenommen werden müssen[12], denn um langfristig effektiv zu sein, müssen die Spielmechanismen optimal auf den Einsatz zugeschnitten sein und für regelmäßige Herausforderungen und Langzeitmotivation sorgen.[13]Einige Forscher gehen davon aus, dass die Produktivität sinkt, wenn eine Belohnung für eine Aufgabe eingeführt wird und später wieder abgesetzt wird.[14]

Ein anderer Punkt ist, dass unter Umständen ein hoher Druck bei den Mitarbeitern entstehen kann und dies ist nicht das Ziel eines Gamification-Ansatzes innerhalb von Unternehmen (Das Marktforschungsinstitut Gartner schätzt, dass 80% der begonnenen Vorhaben ihre Ziele verfehlen).[15]

5. Was sollte man beachten

Man sollte darauf achten, dass man das Wesentliche (die Arbeit) nicht aus den Augen verliert und dennoch die Spieler (Mitarbeiter) im Mittelpunkt stehen[16]. Vor allem geht es darum alle Mitarbeiter zu motivieren und diese Motivation auch aufrecht zu erhalten und nicht nur die Mitarbeiter, die sich im oberen Drittel der Rangliste befinden, zu motivieren. Dafür sollten negative Erlebnisse sofort korrigiert werden, damit die Mitarbeiter zurück in den optimalen Flow gelangen[17]. Außerdem sollten Anfänger fair behandelt werden, indem die Punkte an die Fähigkeiten des Mitarbeiters angepasst werden. Das Gamification Konzept sollte also gut durchdacht sein, da es sonst von den Angestellten nicht ernstgenommen wird oder sogar einige Mitarbeiter demotiviert. Ein stures Punkte- und Abzeichenvergabesystem kann schnell zur Ernüchterung führen. Was nicht passieren darf, ist die Bewertung von Mitarbeitern durch den Vorgesetzten mithilfe der erreichten Punkte, Abzeichen oder Level, da die Mitarbeiter dann unter stärkerem Leistungsdruck stehen und sich kontrolliert fühlen. Das verstößt gegen das Prinzip eines Spiels und führt dazu, dass der Gamification Ansatz nicht akzeptiert wird.[18]

6. Zusammenfassung

Gamification ist eine effektive Methode zur Produktivitätssteigerung. Es sollte jedoch dafür gesorgt werden, dass das Konzept gut durchdacht wird. Es darf nicht möglich sein, dass ein Mitarbeiter durch das Konzept demotiviert wird. Gamification ist nicht dafür da "die Mitarbeiter mit der virtuellen Peitsche einzuschüchtern", sondern soll Spaß machen.[19]

Quellen

[1] http://www.zeit.de/2014/53/berufsleben-gamification-arbeitswelt, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[2]  http://conference.ieee-passau.org/fileadmin/templateConf2012/images/papers/11_Gamification_in_der_Softwareentwicklung_Chancen_und_Moeglichkeiten.pdf, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[3] https://jaxenter.de/wie-sie-agile-softwareentwicklung-mit-gamification-noch-effizienter-machen-23879, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[4]  http://www.zeit.de/2014/53/berufsleben-gamification-arbeitswelt, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[5] http://www.zeit.de/2014/53/berufsleben-gamification-arbeitswelt, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[6] https://jaxenter.de/wie-sie-agile-softwareentwicklung-mit-gamification-noch-effizienter-machen-23879, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[7] https://jaxenter.de/wie-sie-agile-softwareentwicklung-mit-gamification-noch-effizienter-machen-23879, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[8]  http://www.zeit.de/2014/53/berufsleben-gamification-arbeitswelt, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[9]  http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article133415095/Unternehmen-machen-ihre-Mitarbeiter-zu-Spielern.html, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[10] http://conference.ieee-passau.org/fileadmin/templateConf2012/images/papers/11_Gamification_in_der_Softwareentwicklung_Chancen_und_Moeglichkeiten.pdf, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[11]   http://www.horus.biz/de/gamification-im-unternehmenseinsatz/, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[12]   http://conference.ieee-passau.org/fileadmin/templateConf2012/images/papers/11_Gamification_in_der_Softwareentwicklung_Chancen_und_Moeglichkeiten.pdf, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[13] http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article133415095/Unternehmen-machen-ihre-Mitarbeiter-zu-Spielern.html, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[14]  https://jaxenter.de/wie-sie-agile-softwareentwicklung-mit-gamification-noch-effizienter-machen-23879, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[15]  http://www.zeit.de/2014/53/berufsleben-gamification-arbeitswelt, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[16]  http://www.horus.biz/de/gamification-im-unternehmenseinsatz/, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[17] http://conference.ieee-passau.org/fileadmin/templateConf2012/images/papers/11_Gamification_in_der_Softwareentwicklung_Chancen_und_Moeglichkeiten.pdf, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[18] http://conference.ieee-passau.org/fileadmin/templateConf2012/images/papers/11_Gamification_in_der_Softwareentwicklung_Chancen_und_Moeglichkeiten.pdf, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr
[19] http://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article133415095/Unternehmen-machen-ihre-Mitarbeiter-zu-Spielern.html, Letzter Stand: 26.11.2015, 16:23Uhr