Fortschritt:

Die Bedürfnishierarchie nach Maslow

  1. Einleitung
  2. Stufen nach Maslow
  3. E-R-G-Theorie

1. Einleitung

Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow entdeckte in seiner frühen Karriere, dass einige Bedürfnisse Vorrang vor anderen haben. Treten beispielsweise Hunger und Durst zugleich auf, so werden sie sich erst um den Durst kümmern, denn ohne Nahrung kommt man wesentlich länger aus als ohne Wasser. Durst ist also ein stärkeres Bedürfnis als Hunger. Aus diesem Ansatz entwickelte Maslow seine mittlerweile berühmte Bedürfnishierarchie. Die heute geläufige Darstellungsform, die wir hier vorstellen geht auf den deutschen Psychologen Werner Correll zurück, welcher sich mit Verhaltens-, Motivation- und Lernpsychologie beschäftigte.

In diesem Modell teilt Maslow die Bedürfnisse nach einer Rangordnung in fünf Stufen ein. Erst, wenn ein Mensch die Bedürfnisse einer Stufe erreicht sind, hat ein Mensch das Bestreben, die nächst höhere Stufe zu erklimmen. Im Folgenden werden die Stufen aufgezeigt und erläutert.

2. Stufen nach Maslow

1. Stufe: Grundbedürfnisse
In der untersten Stufe fasst Maslow die Grund- und Existenzbedürfnisse zusammen. Seiner Meinung nach sind unter anderem Wasser, Nahrung, Wärme, Schlaf und Sexualität die stärksten Bedürfnisse.

2.Stufe: Sicherheit
Sind die Grundbedürfnisse erfüllt, so entwickelt der Mensch ein Bedürfnis nach Sicherheit. Hier führt er unter Anderem materielle und berufliche Sicherheit sowie Lebenssicherheit auf.

Wir sorgen uns hier nicht mehr um Hunger und Durst, sondern sind mit Befürchtungen und ängsten konfrontiert. Wir wollen ein Dach über dem Kopf, möglichst in einer sicheren Wohngegend, dazu einen sicheren Arbeitsplatz und neben einer finanziellen Rücklage auch ein paar Versicherungen.

3.Stufe: soziale Bedürfnisse
Nach den Sicherheitsbedürfnissen folgen in der dritten Stufe die sozialen Bedürfnisse. Sind die untersten beiden Stufen befriedigt, so verlangt es den Menschen nach Kommunikation, Freundschaft, einer Beziehung und auch nach Gruppenzugehörigkeit.
Im Alltagsleben äußern sich diese Bedürfnisse als Wunsch zu heiraten, eine Familie zu gründen oder Teil einer Gemeinschaft, z.B. eines Sportvereins zu werden.
4.Stufe: soziale Anerkennung
Als nächstes entdeckte Maslow ein Streben nach Selbstachtung, das er in zwei Versionen einteilt. Hierbei unterscheidet er zwischen einer niederen und einer höheren Form des Bedürfnisses nach Achtung. Die niedere Form ist das Bedürfnis, respektiert zu werden, Aufmerksamkeit zu genießen sowie Ruhm, Ehre und einen guten Ruf zu haben. Unter der höheren Form fasst er das Bedürfnis nach Selbstachtung, Unabhängigkeit und auch das Gefühl von Selbstvertrauen.

5.Stufe: Selbstverwirklichung
Diese Stufe wird von Maslow unterschiedlich beschrieben. Er sieht hier die Motivation, sich zu entwickeln und die eigenen Potentiale auszuschöpfen - "alles zu sein, was man sein kann". Abweichend von den Bedürfnissen auf den anderen Stufen empfinden wir diese weiterhin, wenn wir sie einmal empfunden haben.
In dieser Theorie sieht Maslow erhebliche Unterschiede im Gewicht der verschiedenen Stufen und teilt die Stufen in zwei Kategorien ein, die niederen und die höheren Bedürfnisse. Unter den niederen Bedürfnissen, die er auch Defizitbedürfnisse nennt, fasst er die ersten vier Stufen zusammen. Hierunter versteht er diejenigen Bedürfnisse, die erfüllt sein müssen, damit ein Mensch zufrieden ist. Die höheren oder auch Wachstumsbedürfnisse sind diejenigen, die neben Zufriedenheit schlussendlich zu Glück führen.


E-R-G-Theorie

Dr. Clayton Alderfer[2], ein Doktor der Psychologie, hat die E-R-G-Theorie aufgestellt. Diese ist der Bedürfnispyramiden-Theorie von Maslow nicht unähnlich.

In der ERG-Theorie geht es aber im Gegensatz zu Maslow um drei bestimmte Bedürfnisklassen, die auch ähnlich wie die von Maslow sind[2]:

Existenzbedürfnisse (existence): Sind die Physiologische und Sicherheitsbedürfnisse wie Hunger und Durst, aber auch finanzielle und nicht finanzielle Belohnungen. Im Wesentlichen also die Zusammenfassung der ersten beiden Stufen von Maslow.

Beziehungsbedürfnisse (relatedness): Unter diesem Bedürfnis fallen die sozialen Bedürfnisse, Bedürfnis der Zugehörigkeit, Wertschätzung und Status.

Wachstumsbedürfnisse (growth): Sind die Bedürfnisse der Selbstverwirklichung, Autonomie und Produktivität.

Diese Bedürfnisse, wenn sie befriedigt werden, können sich auf die nächste Klasse steigen aber auch abmildern. Dazu hat Alderfer auch einige Hypothesen aufgestellt. Bei der Frustrations-Hypothese beschreibt er, dass ein Bedürfnis, welches nicht befriedigt wird, mit der Zeit immer dominanter wird und es zu einem stärkeren Bedürfnis einer Person wird. Wenn dies dann immer noch nicht befriedigt wird, wird die Frustrations-Regressions-Hypothese aktiv. Diese sagt aus, dass wenn z.B. das Beziehungsbedürfnis nicht befriedigt wird, dass in der Hierarchie niedrigere Bedürfnis dominanter wird. In unserem Beispiel würde dann das Existenzbedürfnis stärker werden.

Sollten dann aber die Existenzbedürfnisse befriedigt werden, tritt die Befriedigungs-Progressions-Hypothese in Kraft. Dabei wird dann das nächst höhere Bedürfnis dominant, welches es dann zu befriedigen gilt. Dies geht dann bis zum Wachstumsbedürfnis, welches dann durch deren Befriedigung immer stärker ausgeprägt wird.

Dann gibt es da aber noch die Frustrations-Progressions-Hypothese. Diese tritt ein, wenn ein Bedürfnis über einen längeren Zeitraum nicht aktiv befriedigt worden ist. Dabei kann das Bedürfnis stärker ausgeprägt und somit auch schwieriger zu befriedigen werden.
Quellen

[1] https://www.thehrdirector.com/features/gamification/connecting-gamification-and-motivation-theory/, Letzter Aufruf 19.11.2015
[2]  Clayton P. Alderfer: Existence, Relatedness, and Growth; Human Needs in Organizational Settings. Free Press, New York 1972