Shneiderman-Regeln


Die 8 goldenen Regeln des Interface Designs

Von Martin Sonntag

Die 8 goldenen Regeln des Interface Designs können als die wichtigsten Richtlinien angesehen werden, wenn es um das Thema Web-Usability geht. Sie dienen dazu die Mensch-Maschine-Interaktion bei der Entwicklung von interaktiven Anwendungen hervorzuheben und helfen zudem dabei eine grafische Benutzeroberfläche nutzerfreundlich zu erstellen. Diese Regeln wurden von Ben Shneiderman aufgestellt und erschienen in seinem Buch „Designing the User Interface: Strategies for Effective Human-Computer Interaction“ und sollen im Folgenden einzeln vorgestellt werden. 1

1. Konsistenz anstreben

Ähnliche Aktionen, Funktionen (Löschen, Weiter, Zurück), Inhalte, Design (Farbe, Layout, Schriftart) und Meldungen einer Website sollten gleich gestaltet und gleich bedienbar sein. So muss der Benutzer nicht dauernd neue Bedienkonzepte erlernen und die Bedienung einer Website ist einfacher. Ein Bespiel hierfür sind die Fensterleiste sowie die Navigationsleiste. Hier weiß der Benutzer durch seine Erfahrung, dass er in der oberen Fensterleiste die Größe des Fensters verändern oder das Fenster schließen kann. Aber die Konsistenz kann auch bewusst durchbrochen werden, um etwa auf eine besondere Aktion aufmerksam zu machen.2, 3, 4

2. Für universelle Einsetzbarkeit sorgen

Es gibt verschiedene Typen von Benutzern, dessen unterschiedliche Bedürfnisse erkannt und berücksichtigt werden sollten. Sie unterscheiden sich z.B. in Altersstufen, Wissen, Erfahrung oder Behinderungen. So besitzt die Gestaltung einer Website hohe Anforderungen, um allen Typen gerecht zu werden. Es ist deshalb wichtig, Tutorials für Anfänger anzubieten oder Experten bestimmte Shortcuts (Abkürzungen) bereitzustellen. Ein Shortcut ist z.B. „Strg+C“ für das Kopieren. Solche Abkürzungen ermöglichen es bestimmte Aktionen schneller durchzuführen, bereichern die Anwendung und verbessern die Systemqualität.1, 2

3. Informatives Feedback anbieten

Das System sollte für jede Aktion eines Benutzers ein eindeutiges und verständlich dargestelltes Feedback geben. Eine Rückmeldung des Systems ist für einen Benutzer sehr wichtig, um zu erkennen, ob eine bestimmte Aktion auch das gewünschte Ergebnis erbracht hat. Die Art der Rückmeldung kann dabei unterschiedlich ausfallen. Kleine und häufig ausgeführte Aktionen lösen ein kleineres Feedback aus. Seltene und kritische Aktionen sollten allerdings eine deutlichere Rückmeldung hervorrufen.1, 2, 3

4. Aktionssequenzen/Dialoge abgeschlossen gestalten

Aktionssequenzen sollten einen Anfang, einen Mittelteil und ein Ende beinhalten. Der Benutzer erhält am Ende der Aktionssequenz eine eindeutige Rückmeldung darüber, ob die Aktion abgeschlossen ist. Das Feedback zur Fertigstellung von Aktionen gibt dem Benutzer Zufriedenheit. Andere Abwägungen, die er während des Dialogs getroffen hat, kann er nun vergessen und sich einer neuen Aufgabe widmen. Ein Beispiel hierfür wäre ein Internetshop: Hier hat der Nutzer auch mehrere Aktionen, die er durchführen muss. Er sucht sich das Produkt aus, geht zur Kasse und die Aktion endet mit einer Bestätigung der Zahlung. Die Aktionssequenz ist dann abgeschlossen.2, 4

5. Einfache Fehlerbehandlung anbieten

Im besten Fall sollte das Web-Interface so gestaltet sein, dass es dem Nutzer nicht möglich ist, fehlerhafte Aktionen durchzuführen. Es ist beispielsweise nicht erlaubt, alphabetische Zeichen in ein numerisches Eingabefeld einzugeben. Da aber nicht alle Fehler ausgeschlossen werden können, sollte dem Nutzer eine Möglichkeit gegeben werden, begangene Fehler schnell und einfach zu korrigieren. Wurde zum Beispiel die Postleitzahl für die Kontaktdaten einer Bestellung falsch eingeben, sollte eine gute Fehlerbehandlung schnell und offensichtlich auf den Fehler aufmerksam machen und dem Benutzer die Möglichkeit bieten, die Postleitzahl zu korrigieren, ohne seine ganzen Adressdaten noch einmal gänzlich neu eingeben zu müssen.1, 2, 3

6. Einfaches Umkehren von Aktionen ermöglichen

Dem Nutzer sollten Möglichkeiten zur Verfügung stehen, durchgeführte Aktionen rückgängig zu machen. Dadurch verliert der Benutzer die Angst Fehler zu begehen und es wird die Erforschung unbekannter Funktionen und Anwendungen durch den Nutzer gefördert. In fast jeder Anwendung ist es möglich bestimmte Aktionen rückgängig zu machen. So kann dies die Änderung eines Textes in Word sein oder das Verschieben von Dateien.1, 2

7. Dem Benutzer das Gefühl der Kontrolle bieten

Einem Benutzer sollte immer das Gefühl gegeben werden, dass er die Kontrolle über die Anwendung hat. Dies bedeutet, dass das System auf die Aktion des Nutzers reagiert und nicht umgekehrt. Erfahrene Benutzer wollen zudem keine Überraschungen oder Veränderungen des vertrauten Verhaltens des Systems. So sind Nutzer schnell frustriert und verärgert, falls das System nicht richtig reagiert oder falsche Ergebnisse liefert.1, 2, 4

8. Kurzzeitgedächtnis entlasten

Das Kurzzeitgedächtnis eines Menschen kann sich nicht beliebig viele Informationseinheiten merken. Ein Designer muss daher die Informationen und Bedienelemente im User-Interface gut strukturiert und einfach darstellen. Die Informationen sollten am besten auf einer Seite darstellbar sein und nicht auf mehreren Seiten und Fenstern. Außerdem benötigt ein Nutzer ausreichend Zeit, um komplexe Aktionen und Zusammenhänge zu erlernen. 1, 2, 4


Quellen

1 Obendorfer, M. (2013). Eight Golden Rules of Interface Design. Abgerufen: 15.11.2015.
2 Shneiderman, B.. Eight Golden Rules of Interface Design. Abgerufen: 15.11.2015.
3 Block, H. (2013). The golden rules: back to the basics. Abgerufen: 15.11.2015.
4 Baumann, K. (2010). 8 goldene Regeln des Interface Designs. Abgerufen: 15.11.2015.