Automatisierung des Alltags
Informatik und Gesellschaft

Smart home


Definition

Der bekannte Wissenschaftsjournalist Rangar Yogeshwar bringt es in einem Interview mit den Machern des „intelligenteste[n] Haus Deutschlands“ in Hamburg [1] auf den Punkt: „Der Begriff [Smart Home] wird immer wieder in unterschiedlichen Kontexten verwendet“ [2]. Die Definition zu Smart Home überschneidet sich dabei thematisch mit der zur Gebäudeautomation [3], denn schließlich dient Smart Home als „Oberbegriff für technische Verfahren und Systeme in Wohnräumen und -häusern“ [3]. Andere Bezeichnungen für Smart Home sind „intelligentes Heim“, „E-Home“ oder „Internet-Home“ [4]. Im Mittelpunkt steht dabei immer mindestens einer der folgenden drei Punkte:

  • Erhöhung von Wohn- und Lebensqualität

  • bessere Sicherheit

  • effizientere Energienutzung [3]

  • Der Definition nach wird dies auf der Basis „vernetzter und fernsteuerbarer Geräte und Installationen sowie automatisierbarer Abläufe“ erreicht [3]. Insbesondere wird von einem Smart Home gesprochen, wenn „sämtliche im Haus verwendeten Leuchten, Taster und Geräte untereinander vernetzt sind, Geräte Daten speichern und eine eigene Logik abbilden können“ [5]. Smart Home bezeichnet also auch ein zunehmend "vernetzte[s] Wohnen" [4], in dem „auch die Automatisierung von Abläufen im Haushalt“ eine entscheidende Rolle spielt [3].


    Anwendungsgebiete

    Wie bereits in der Definition erwähnt steht bei Smart Home immer einer von drei Punkten im Vordergrund: Der Erhöhung von Wohn- und Lebensqualität dienen dabei unter anderem Hausgeräte, die mitdenken: Ein Kaffeevollautomat des niederländischen Elektronikkonzerns Philips ist beispielsweise in der Lage, auf einen Fingertipp in der zugehörigen Tablet-App hin "die richtige Menge Kaffeepulver für die Zubereitung, die exakte Trinktemperatur oder die Stärke des Milchschaums" einzustellen und die jeweils präferierte Kaffeespezialität wunschgemäß zuzubereiten [6]. AEG bietet mittlerweile eine Kombination aus smartem Kochfeld und Dunstabzugshaube an, die durch Kommunikation miteinander die Leistung des Lüfters beim scharfen Anbraten automatisch erhöhen [6]. Während Waschmaschinen, die in ihren mitgelieferten Apps neben geeigneten Waschprogrammen auch Schleuderdrehzahlen auswählen und starten lassen sowie Restlaufzeiten und Störungen anzeigen und das Waschmittel selbstständig dosieren, schon zum Portfolio einiger Anbieter gehören, sind Kühlschränke, die selbstständig Milch beim Supermarkt bestellen, noch Zukunftsmusik [6]. Jedoch bieten tatsächlich bereits heute manche Modelle von Samsung mit Touchscreen "die Möglichkeit, Einkaufslisten zu führen oder Rezepte anzeigen zu lassen" [6].

    Ein weiterer wichtiger Punkt in der Präsentation von Smart Home Anwendungen durch ihre Anbieter ist der Aspekt der Sicherheit. Das offensichtlichste Anwendungsgebiet stellt hierbei wohl der Einbruchschutz dar. So wirbt beispielsweise die Telekom mit smarten Bewegungsmeldern, die bei einer erkannten Bewegung unverzüglich eine Nachricht an den Hausbewohner schickt, der daraufhin Nachbarn oder die Polizei informieren kann [7]. Alternativ können auch vorher festgelegte Lampen oder die Alarmanlage eingeschaltet werden. Auch eine Überwachung mit Kameras, die bei Bewegungen Bilder verschicken, werden beworben. Der Eigentümer kann somit selbst entscheiden, ob er lieber die Polizei oder die Nachbarn anruft, die ihr Haustier vermissen zu scheinen [7]. Doch nicht nur der Einbruchschutz steht auf der Agenda der Elektronikkonzerne, wenn es um Sicherheit und Smart Home geht: So lässt sich beispielsweise über das Internet kontrollieren, ob das Bügeleisen oder das Licht angelassen wurde oder noch Fenster geöffnet sind [7]. Auch Unterstützung beim Babysitten wird beworben: Mit Hilfe von Kameras und Bewegungsmeldern können Eltern hinsichtlich ihrer Kleinkinder beruhigt werden [7].

    An der Schnittstelle zwischen einer Erhöhung von Wohn- und Lebensqualität und mehr Sicherheit stehen Smart Home Lösungen für ältere und pflegebedürftige Menschen. So wurde beispielsweise die Firma easierLife auf der CeBIT 2015 von der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries, für ihre Entwicklung, die "Betreuern und Angehörigen die ständige Sorge um allein lebende Ältere oder hilfebedürftige Menschen" nimmt, ausgezeichnet [8]. Das System registriert durch kabellose Sensoren, die "mit einem durchdachten Informationssystem" verbunden sind, Bewegungen und bestimmte Aktionen wie das Verlassen einer Wohnung und informiert in Gefahrensituationen selbstständig Angehörige und Betreuer [8]. Solche Gefahrensituationen werden durch Analyse-Algorithmen erkannt, wenn der entsprechende hilfebedürftige Bewohner etwa "von einem Ausflug nicht wie geplant nach Hause zurückkehrt, morgens nicht wie gewohnt aufsteht oder gestürzt ist" [8]. Das Plus an Komfort entsteht dabei dadurch, dass das „Tragen eines Notrufknopfes [...] so nicht zur Verpflichtung" wird, während der Gewinn an Sicherheit offensichtlich ist [8].

    Als letzten Punkt der Anwendungsgebiete gilt die Energieeffizienz von einem Smart Home. Diese ist vorteilhaft, da durch das Smart Home viele Kosten gesenkt werden können. So lässt sich die Heizung beliebig steuern. Hierbei wird beispielsweise das Badezimmer morgens aufgeheizt und die Heizung fährt sich automatisch runter, wenn die Bewohner das Haus verlassen haben. Einige Smart Home Lösungen lassen sich über eine App am Smartphone oder Tablet steuern, wobei man von unterwegs die Temperatur im Haus regulieren kann. Dies ist vor allem sinnvoll, wenn man in eine warme Wohnung nach der Arbeit kommen möchte, aber den Heizkörper nicht den ganzen Tag laufen lassen möchte [9]. Außerdem erkennen Wärmesensoren die Temperatur in den einzelnen Räumen und schalten die Heizkörper aus, wenn die gewünschte Temperatur erreicht worden ist. Damit wird vermieden, dass die Heizungen unnötiger Weise weiter laufen, obwohl die Temperatur erreicht ist und das wiederum spart Heizkosten. Durch die Vernetzung in einem Smart Home erkennt eine Heizung, wenn das Fenster zum Lüften geöffnet wird und schaltet sich automatisch aus. Ebenso lassen sich dank Smart Home die Energiekosten senken, indem man die jeweiligen Geräte verwendet. Eine große Energiefalle stellt beispielsweise der Stand-by-Modus bei Elektrogeräten dar. Mit Hilfe von Bewegungsmeldern oder per Steuern mit dem Smartphone schalten sich die Geräte erst an, wenn sie auch wirklich benötigt werden. [10] Eine weitere Möglichkeit bieten Wandtaster, welche auf bestimmte Situationen eingestellt werden. Eine solche Situation könnte ein Arbeitsmodus sein, bei dem man auf den Wandtaster drückt und sich automatisch im Büro die Schreibtischlampe einschaltet und der Computer hochfährt. Die Beleuchtung im Haus wird auch automatisch gesteuert und ist nur dann aktiv, wenn sie auch gebraucht wird. Ein weiterer Vorteil von Smart Home Lösungen ist die Steuerung über das Smartphone, das heißt ein Bewohner kann auch von unterwegs vergessene Geräte oder Lampen problemlos ausschalten. Außerdem gibt es eine App, die einem immer anzeigt wie viel Energie in einem Monat verbraucht wird [11].


    Installation und Standards

    Installation

    Wenn ein Nutzer sich für ein intelligentes Zuhause entschieden hat, stellt sich die Frage, wie er seine Wünsche am besten umsetzen kann. Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten: Die Installation per Funk oder per Kabel. Ersteres lässt sich leichter in einen schon existierenden Haushalt einbringen, da meist nur Zwischenstecker für die jeweiligen Geräte erforderlich sind oder Sensoren angebracht werden müssen. Außerdem braucht der Nutzer ein Eingabegerät, welches oft das eigene Smartphone ist, aber auch ein eigener Display im Haus sein kann, und ein Gateway über den die Daten empfangen, gesammelt und verarbeitet werden [12]. Dieses System lässt sich schnell und einfach installieren und ist vor allem für Altbauten oder Mietwohnungen von Vorteil, weil das System nicht an einen Ort gebunden ist und keine Kabelverlegung in den Wänden notwendig ist. Außerdem ist diese Variante kostengünstiger und gut für Einsteiger geeignet.

    Baut man gerade ein neues Haus, sollte überlegt werden, ob man gleich die benötigten Kabelsysteme für ein Smart Home mit verlegt. Hierbei plant ein Systemintegrator für Smart Homes das benötigte Steuerungsnetz, welches verlegt werden soll. Dieses Steuerungsnetz wird auch Bus-Netz genannt und dient der Kommunikation zwischen den Endgeräten [13]. Das Smart Home System per Kabel ist zwar die kostenaufwendigere Option, bietet aber den Vorteil einer schnellen und störfreien Verbindung.

    Standards

    Das Problem, welches sich bei der Installation von Smart Home per Funk ergibt, ist die Kompatibilität zwischen den Geräten. Dabei wird unterschieden zwischen offenen und geschlossenen Systemen. Bei einem geschlossenes System können nur Geräte von dem selben Anbieter genutzt werden, beispielsweise das Homekit von Apple. Anders ist dies bei offenen Systemen, die auf Basis von Funkstandards arbeiten. Ein Funkstandard hat den Vorteil, dass ein Nutzer beliebige Geräte von unterschiedlichen Anbietern miteinander verbinden kann, wenn diese auf dem gleichen Funkstandard basieren. Dadurch wird es einfacher, das eigene Smart Home perfekt an seine Wünsche anzupassen und meistens kann man so zu günstigeren Alternativen greifen und ist nicht in seiner Auswahl beschränkt. Ein Beispiel ist das herstellerunabhängige System KNX-RF, welchem sich schon weltweit mehr als 370 Unternehmen angeschlossen haben [14]. Hierbei können die funkbasierten Geräte auch mit kabelgebundenen Geräten innerhalb des Netzes kommunizieren. Der Funkstandard EnOcean hat als Besonderheit die Art und Weise der Energiegewinnung. Schalter und Sensoren benötigen so wenig Energie, dass sie diese aus der Umgebung abzweigen und so Batterieunabhängig funktionieren [15]. Ein weiterer Funkstandard, der sich in der Gesellschaft gut etabliert hat, ist der Z-Wave-Standard. Dieser hat den Vorteil, dass sich diese Organisation nur mit Smart Home - Technologien befasst und schon über 1000 Produkte auf den Markt gebracht hat [16]. Für Einsteiger liegt das WLAN als Funkstandard am nächsten, da dieses schon in fast jedem Haushalt existiert. Allerdings ist das WLAN dafür konzipiert worden, hohe Datenpakte zu versenden und verbraucht somit unnötig viel Energie, weshalb sich das WLAN als Standard noch nicht durchgesetzt hat [17].


    Auswirkungen auf die Gesellschaft

    Akzeptanz

    Das Interesse an Smart Home-Lösungen ist in Deutschland vorhanden und verteilt sich gleichmäßig auf verschiedene Anwendungen, intelligente Alarmsysteme sind dabei besonders beliebt: 38 % der Deutschen sind daran interessiert oder beabsichtigen sogar, diese im kommenden Jahr anzuschaffen [18]. Allerdings scheint den Konsumenten der Preis bisher noch zu hoch zu sein: 44 % der Befragten empfinden Smart Home-Lösungen als zu teuer [18]. Ähnliches konnte auch schon 2011 in einer Befragung zu Zukunftsbildern ermittelt werden: Nur 16 % der befragten Deutschen gaben an, für einen automatischen Energiemanager zahlen zu wollen, 58 % würden ihn nur dann nutzen, wenn sie ihn kostenfrei erhalten würden, der Rest gar nicht oder gab „Weiß nicht“ an [19]. Hier liegt Deutschland gegenüber Ländern wie Korea mit 38 % Zahlungsbereitschaft, China (38 %), Brasilien (35 %) und Schweden (27 %) zurück [19]. Weitere Gründe für fehlendes Interesse sind mangelnder Datenschutz (29 % der Deutschen), kein erkennbarer Mehrwert (23 %), eine zu komplizierte Installation (22 %), dass die Angebote nicht ausreichend bekannt sind (19 %) oder auch kein Anbieter (9 %) oder keine Bezugsadresse (7 %) bekannt sind, dass die Bedienung zu kompliziert ist (12 %) oder verändert sein könnte (8 %) [18]. Damit scheint es für Smart Home-Anbieter insbesondere noch Handlungsbedarf in den Kosten und im Datenschutz bzw. auch in der Aufklärung über den Datenschutz zu geben. Als Gründe für ein Interesse geben die Deutschen zusätzlichen Komfort (47 %), zusätzliche Sicherheit (43 %), sinkende Heiz- und Stromkosten (31 %), Spaß bei der Nutzung (27 %), Entertainmentmöglichkeiten (21 %), Umweltschutz (16 %) und attraktives Design (9%) an [18]. Auch beim Zukunftsbild des automatischen Energiemanagers konnten als Gründe für ein Interesse die Reduktion von Energiekosten und die Möglichkeit, einen Beitrag zur Energiewende zu leisten, ausgemacht werden [19]. Insgesamt kann man also festhalten, dass grundsätzlich ein Interesse an Smart Home-Lösungen in Deutschland besteht, dieses aber durchaus noch höher ausfallen könnte, wären insbesondere die Anschaffungskosten geringer. Aber auch ein intensiveres Marketing könnte sicherlich dazu beitragen.

    Chancen

    Smart Home - Technologien bieten eine Reihe von Chancen für den Einzelnen und die Gesellschaft. Im Rahmen des GEADOMICS-Projektes zur Konzeption eines Demonstrationshauses für intelligente Wohntechnologien wurden wesentliche Zielsetzungen für intelligentes Wohnen erarbeitet, die auch heute noch als relevant betrachtet werden können [20]:

  • die Ökologie, also die Erhöhung der Umweltverträglichkeit

  • die Ökonomie, womit das Einsparen von Kosten gemeint ist

  • die Erhöhung der Sicherheit im Haus

  • die Arbeitserleichterung bei Tätigkeiten im Haushalt

  • die Steigerung der Lebensvielfalt, worunter Freizeit-, Unterhaltungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Informationsversorgung zu verstehen sind

  • die Verbesserung der sozialen Integration

  • und letztendlich der Komfortaspekt

  • Diese Zielsetzungen können selbst als Chancen von Smart Home betrachtet werden, lassen sich aber noch genauer ausführen.

    In Bezug auf die Ökologie ist insbesondere die Verringerung des Ressourcenverbrauchs zu nennen [20]. Durch den Einsatz von Lösungen aus dem Energiebereich, z. B. zur Regelung der Zimmertemperatur, kann der Verbrauch von Ressourcen (z.B. Erdgas, Erdöl) minimiert werden.

    Ein niedrigerer Energieverbrauch wirkt sich natürlich auch direkt auf die Kosten aus, sodass jeder Einzelne Geld sparen kann. Ökonomie kann man auch weiter fassen, als nur auf Kosteneinsparungen bezogen. Betrachtet man die Wirtschaft im Allgemeinen, kann man festhalten, dass Smart Home-Technologien auch eine große Einnahmequelle bieten und dass Arbeitsplätze in der Entwicklung und Wartung dieser Technologien geschaffen werden. Eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie schätzt, „dass der Umsatz im Bereich Smart Home in Deutschland im Zeitraum 2015 bis 2025 von 2,3 auf 19 Mrd. Euro ansteigen wird“ [21].

    Die Erhöhung der Sicherheit ist ein zentrales Anwendungsgebiet von Smart Home. Man kann sich im eigenen Haus sicher fühlen und z.B. jederzeit im Brand- oder Einbruchsfall automatisch darüber auf dem Smartphone informiert werden [22].

    Durch mitdenkende Hausgeräte, wie beispielsweise eine intelligente Waschmaschine (s. auch Kapitel Anwendungsgebiete), lässt sich eine Arbeitserleichterung im Alltag erreichen. Dadurch kann vor allem auch Zeit gespart werden [20], welche sich nun wiederum für komplexere oder beliebtere Tätigkeiten einsetzen lässt.

    Die Vernetzung verschiedener Unterhaltungselektronik, wie zum Beispiel TV, Smartphone, Tablet, Musikanlage, birgt neue Möglichkeiten und erhöht so die Lebensvielfalt. Die Zusatzinformationen zum Film lassen sich z.B. bequem vom Tablet direkt auf den Fernseher senden oder die Musik lässt sich bequem per Smartphone steuern und im ganzen Haus dort abspielen, wo es gewünscht ist [23].

    Smart Home-Technologien können weiterhin auch zur Verbesserung der sozialen Integration von allein lebenden, insbesondere älteren Menschen, beitragen [20]. Manche Tätigkeiten, die im Alter vielleicht nicht mehr ausgeführt werden können, können durch den Einsatz von Smart Home-Systemen möglicherweise wieder machbar werden. Auch ist eine kleine Vergesslichkeit kein Grund mehr, nicht mehr zuhause leben zu können, wenn sich beispielsweise der Herd automatisch ausschalten kann. So ermöglichen Smart Home-Technologien „individuelle Formen selbständiger und eigenverantwortlicher Lebensführung im Alter“ [24]. Auch für die Angehörigen ist dies eine Erleichterung. Sie können ihr geliebtes Familienmitglied zuhause sicher aufgehoben wissen und bei Gefahrensituationen z. B. automatisch per Smartphone informiert werden oder durch die Installation von Kameras aus der Ferne einen kurzen Blick ins Haus werfen.

    Schließlich ist noch der Komfortaspekt zu betrachten. Dieser ist mit den anderen Zielsetzungen verknüpft, insbesondere mit der Arbeitserleichterung [20]. Insbesondere sind unter diesem Punkt aber sicherlich die flexiblen Steuerungsmöglichkeiten zu nennen [20]. Zum Einen betrifft dies die Möglichkeit der Steuerung aus der Ferne per Smartphone. Zum Anderen ist auch eine zentrale Steuerung ein großer Komfortgewinn, z. B. das Ausschalten aller elektrischen Geräte auf einmal.

    Risiken

    Zu den oben genannten Zielsetzungen lassen sich jeweils auch Risiken aufzeigen, die im folgenden erläutert werden sollen.

    Zunächst sollen dazu die Risiken in Bezug auf die Ökologie aufgezeigt werden. Der vermehrte Einsatz von Smart Home - Technologien geht mit einem vermehrten Einsatz von Mikrobauteilen einher. Diese gehen auch irgendwann kaputt oder werden aufgrund des technischen Fortschritts ersetzt, sodass sich das Problem der umweltverträglichen Entsorgung dieser noch verstärkt [20]. Weiterhin ist denkbar, dass sich das Umweltbewusstsein in der Gesellschaft zurückbilden könnte, wenn sich die Nutzer zu sehr auf die Technologien verlassen [20]. Möglicherweise könnte sich dieses geringere Bewusstsein dann auch auf Bereiche auswirken, die nicht direkt mit Smart Home zu tun haben, z.B. auf die Mülltrennung.

    Durch Smart Home - Systeme lassen sich jedoch nicht sofort Kosten sparen, was wiederum einen Nachteil in Bezug auf die Ökonomie darstellt. Bevor nämlich Geld durch niedrigeren Energieverbrauch gespart werden kann, müssen die Gerätschaften zunächst angeschafft werden und es kommen zunächst Kosten auf den Nutzer zu. Eine geringe Amortisationsdauer wäre hier sicherlich hilfreich [20]. Dies stellt jedoch für die Gesellschaft im Allgemeinen zunächst kein Risiko dar. Es könnte aber dazu führen, dass die Geräte aufgrund hoher Kosten nicht gekauft werden und Umsatzziele nicht erreicht werden.

    Auch bieten Smart Home-Technologien nicht nur Sicherheit, sondern haben gerade auch in diesem Bereich Risiken. Werden Daten von Dritten mitgelesen, z. B. durch eine Man-in-the-middle-Attacke, können Kriminelle die Privatsphäre des Benutzers ausspähen und diese Informationen z. B. zur Planung von Einbrüchen nutzen [25]. Weiterhin könnten Kriminelle neue Einbruchsmethoden anwenden, indem sie unbefugt z.B. die Fenstersteuerung betätigen [25]. Gegen diese Risiken sollte man sich durch den Einsatz von Verschlüsselung, regelmäßigen Updates und sicheren Passwörtern schützen [25]. Auch wenn die Daten nicht von Dritten ausgelesen werden, kann sich bei den Bewohnern von Smart Homes dennoch ein „Gefühl der Überwachung“ einstellen [20], z. B. durch das Logging des Verlassens und Betretens des Hauses. Denkbar wäre auch, dass gerade Eltern diese Möglichkeiten zur Überwachung ihrer Kinder einsetzen, was zu weiteren Unstimmigkeiten in der Familie führen könnte. Schließlich ist noch die mögliche Verringerung des Sicherheitsbewusstseins zu nennen [20], wenn sich die Benutzer zu sehr auf die gebotene Sicherheit verlassen und so beispielsweise das Abschließen der Haustür vergessen.

    Die in Bezug auf die Arbeitserleichterung benannte Zeitersparnis kann möglicherweise auch negativ ausgenutzt werden. Beispielsweise könnten Arbeitgeber auf die Idee kommen, die Arbeitszeiten zu verlängern. Ein weiterer Punkt ist, dass sich die Fähigkeiten der Nutzer zurückbilden könnten, da sie die Tätigkeiten nicht mehr ausüben müssen [20]. Darauf aufbauend kann man sich fragen, wer die Technologien dann entwickeln soll, wenn die Fähigkeiten von niemandem mehr beherrscht werden.

    In Bezug auf die soziale Integration lassen sich weiterhin folgende Risiken aufzeigen. Dadurch dass ältere Menschen durch den Einsatz von Smart Home-Technologien eigenständiger leben können, wird möglicherweise auch der Kontakt zu anderen Menschen geringer [20]. Angehörige müssen nicht mehr so oft vorbeikommen, um nach dem Rechten zu schauen, da sie vieles auch aus der Ferne überwachen und steuern können. Auch das Pflegepersonal kommt nun womöglich seltener vorbei. Andererseits kann von Angehörigen und dem Pflegepersonal die gewonnene Zeit durch weniger auszuführende Arbeiten aber auch wieder für Gespräche genutzt werden, Zeit die insbesondere Pflegepersonal sonst oft fehlt.


    Literaturverzeichnis

    [1] Hamburg News (2015): Das “intelligenteste Haus Deutschlands” entsteht in Hamburg. Abgerufen am 02.12.2015
    [2] Apartimentum Hamburg (2014): Experteninterviews Smart Home. Abgerufen am 02.12.2015
    [3] Wikipedia (2015): Smart Home. Abgerufen am 02.12.2015
    [4] ITWissen (o. J.): Das große Online-Lexikon für Informationstechnologie (2015): Smart Home. Abgerufen am 02.12.2015
    [5] SmartHome.Solutions (2015): Was versteht man unter dem Begriff Smart Home. Abgerufen am 02.12.2015
    [6] G+J Living & Food GmbH (2015): Schöner Wohnen: Hausgeräte, die mitdenken. Abgerufen am 02.12.2015
    [7] Telekom Deutschland GmbH (2015): Genießen Sie Sicherheit mit Ihrem Smart Home. Abgerufen am 02.12.2015
    [8] Mediengruppe Telematik-Markt.de (2015): Smart-Home-Lösung für Ältere und pflegebedürftige Angehörige. Abgerufen am 02.12.2015
    [9] Markus Grunwald (21.01.2015): 31 Euro ausgeben - und ein Drittel der Heizkosten sparen. Abgerufen am 02.12.2015
    [10] Telekom Deutschland GmbH (o. J.): Energiesparen im Haushalt. Abgerufen am 02.12.2015
    [11] RWE (o. J.): Strom- und Heizkosten sparen mit RWE SmartHome: Energiemanagement für zuahuse. Abgerufen am 02.12.2015
    [12] Verbraucherzentrale (29.09.2014): Smart Home - Das "intelligente Zuhause". Abgerufen am 16.11.2015
    [13] Heiko Spilker (o. J.): Ein Smart Home richtig planen. Abgerufen am 16.11.2015
    [14] Smart Home Welt (15.01.15): KNX-RF – durchdachter, herstellerunabhängiger Funkstandard. Abgerufen am 16.11.2015
    [15] Smart Home Welt (02.09.15): EnOcean - Funkstandard mit autarker Energieversorgung. Abgerufen am 16.11.2015
    [16] Smart Home Welt (12.10.15): Z-Wave – weltmarktführender Funkstandard in der Hausautomation. Abgerufen am 16.11.2015
    [17] Smart Home Welt Abgerufen am 01.12.2015
    [18] Deloitte & Technische Universität München (2015): Ready for Takeoff? Smart Home aus Konsumentensicht. Abgerufen am 30.11.2015
    [19] Münchner Kreis (2011): Zukunftsbilder der digitalen Welt. Nutzerperspektiven im internationalen Vergleich, S. 146-171. Abgerufen am 30.11.2015
    [20] Martin Schleuder (1994): Expertensysteme und neuronale Netze im intelligenten Wohnhaus der Zukunft. Marburg: Metropolis-Verlag. S. 265-282
    [21] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2015): Internet der Dinge. Abgerufen am 24.11.2015
    [22] RWE (o.J.): Vorteile - Sicher wohnen. Abgerufen am 24.11.2015
    [23] Jan Fleischmann (2013): Die besten Apps für Haussteuerung, Streaming und Co. Abgerufen am 02.12.2015
    [24] Sibylle Meyer / Eva Schulze (2010): Smart Home für ältere Menschen - Handbuch für die Praxis. Stuttgart: Fraunhofer IRB Verlag. S. 91
    [25] Polizei Nordrhein-Westfalen: Landeskriminalamt (2014): Smart Home und Connected Home - Empfehlungen zur Sicherung digitaler Haustechnik. Abgerufen am 24.11.2015