Ein Überblick über Geschichte, Ausmaß, Methodik, Rechtliches sowie Präventives zur Industriespionage

Bekannte Fälle

Spätestens seit dem Mittelalter sind internationale und lokale Fälle von Industriespionage bekannt. Jeder Fall unterscheidet sich in bestimmten Aspekten voneinander - und es scheint, als ob den Unternehmen immer wieder neue Techniken einfallen würden, um ihre Konkurrenten auszuspähen.

Aktuelle Fälle
Maik Schwertle / pixelio.de

Ein klassischer Fall von Industriespionage ist die Geschichte der "clearaudio electronic GmbH" in Erlangen aus dem Jahr 2012. Das Unternehmen, das sich auf High-Tech-Plattenspieler spezialisiert hat, und hatte damals ein Patent auf ein neues Plattenspielerlager erteilt bekommen. Als sie dieses auf einer internationalen Messe vorstellen wollten, mussten sie feststellen, das ein chinesischer Stand auf der selben Messe ein baugleiches Modul präsentierte. Da war dem Unternehmensführer Robert Suchy bewusst geworden, dass er ausspioniert worden war. Er schaltete einen Anwalt ein und beantragte eine einstweilige Verfügung. Durch einen Kontaktmann in China konnte das Unternehmen schließlich ermitteln, wann die nächste Lieferung des Plagiats in Deutschland ankommen sollte, um es dann von dem Zoll abfangen zu können und Schaden zu verhindern.

Der Fall um Ha'efrati aus Israel (2004) zeigt, dass für Industriespionage nicht immer viel Geld ausgegeben werden muss: Es wurden bei diesem Delikt verschiedene CDs an Unternehmensführer verteilt, die eine Präsentation für ein Kooperationsangebot enthielten. Dies war aber nur ein Vorwand, um eine Überwachungssoftware, auch genannt Trojaner, auf den Rechnern der Vorstände zu installieren. Die Affäre kam allerdings erst dann ins Rollen, als Auszüge eines Buches des Authors "Amnon Jackont" im Internet auftauchten Er reichte Klage ein, und verdächtigte zunächst stark seinen Ex-Schwiegersohn und Computerexperten Michael Ha'efrati. Nach einer Hausdurchsuchung wurde dieser als Urheber der Software ausfindig gemacht. Er hatte die Software an Unternehmen verkauft, für jeweils 3000 Euro pro Computer, der ausspioniert werden sollte. Dieser Fall zeigt besonders, wie einfach es sein kann, Spionage als "Produkt" zu erwerben, und das die Investments dafür nicht groß sein müssen.

Ein relativ aktueller Fall spielt sich um den chinesischen Smartphone-Hersteller Huawei und dem Mobilfunkkonzern T-Mobile. Hierbei soll Huawei 2012-2014 T-Mobiles Teststationen ausspioniert haben. Besonderes Augenmerk war der Testroboter "Tappy", von dem sogar Baupläne entwendet worden sind. Auf Beweissuche wurde bei Huawei eine exakte Kopie des Roboters gefunden. Huawei stritt die Vorwürfe allerdings nicht ab, sondern gab einer Reihe von Mitarbeitern, die eigenmächtig gehandelt haben sollen, die Schuld. T-Mobile schloss daraus Konsequenzen und brach jegliche Kooperation mit Huawei ab.

Die regionale Ebene

Anders ist es bei dem Unternehmen "Enercon" aus Aurich verlaufen. Bei dem Fall aus 1994 ist es Abgesandten aus amerikanischen Konkurrenzunternehmen gelungen, mit einem Computer wichtige Daten über die Windkraftturbine "E 40" zu stehlen. Weitere Turbinen konnten nicht nach Amerika exportiert werden, da behauptet wurde, dass die Turbine von Amerikanern entwickelt worden sei. Dies hatte zur Folge, dass eine große Anzahl von Aufträgen nicht mehr erfüllt werden konnte, und Enercon letztlich Einnahmen von 200 Millionen Mark einbüsste.


Quellen

[1] C. Schaaf, Industriespionage: Der große Angriff auf den Mittelstand, Boorberg, 2009.

[2] Wie ein Konkurrent aus den USA dem deutschen Marktführer das weltweite Geschäft vermiest, http://www.focus.de/finanzen/news/enercon-spione-im-wind_aid_162267.html (1996)

[3] Industriespionage - Spionageopfer Mittelstand, https://www.muenchen.ihk.de/de/WirUeberUns/Publikationen/Magazin-wirtschaft-/Aktuelle-Ausgabe-und-Archiv2/magazin-02-2013/Titelthema/industriespionage-spionageopfer-mittelstand (2013)

[4] Industriespionage: T-Mobile USA bezichtigt Huawei des Diebstahls, http://winfuture.de/news,83509.html (2014)

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