Der Mensch spielt Gott

Verfasst von Frank
In der heutigen Zeit, mit einer rasant voranschreitenden Wissenschaft, kommt immer wieder eine Frage auf: „Spielt der Mensch Gott?“. Genau dieser Frage wollen wir in diesem Beitrag auf den Grund gehen.

Durch die neuen Entwicklungen im medizinischen Bereich ergeben sich dem Menschen immer mehr Möglichkeiten, Krankheiten oder Behinderungen zu heilen und Betroffenen das Leben zu erleichtern, wodurch die Lebensqualität gesteigert wird. Doch es kommt auch immer wieder die Frage auf, ob diese medizinischen und technischen Errungenschaften ethisch vertretbar sind und, ob einige Erfindungen gewisse Grenzen überschreiten.

Das Herz und die Seele

Als Beispiel möchten wir jetzt die kritische Betrachtung des Kunstherzens aufzeigen. So stellte sich bei der Entwicklung des künstlichen Herzens von Anbeginn der Forschung die Frage, ob man den Patienten, die ihr eigenes Herz gegen ein Künstliches tauschen, die Seele nehme. An der Universität von Utah glaubte die „Kunstherz-Mannschaft“ daran, die ethischen, rechtlichen und psychologischen Fragen ausreichend bedacht zu haben. Somit wurde am 2. Dezember 1982 dem pensionierten Zahnarzt Barney Clark das erste dauerhafte Herzimplantat „Jarvik-7“ eingesetzt. [1] Dies galt lange Zeit als Tabubruch, denn  auch in vielen Religionen wird das Herz als Sitz der Seele betrachtet, eine Vorstellung, die bis in das Alte Testament und in die griechische Antike zurückreicht.
Dass es einen Zusammenhang zwischen Herz und Seele gibt, ist der Menschheit seit mehreren 100 Jahren bekannt. Dies ist zum Beispiel in der Literatur, in der Musik, in Redewendungen, aber auch im Laienverständnis wiederzufinden. Obwohl diese leib-seelischen Zusammenhänge schon sehr lange bekannt sind, ist das Wissen in der Schulmedizin für lange Zeit in Vergessenheit geraten. Erst in den letzten Jahren, seitdem dem biopsychosozialen Gesundheits- und Krankheitsverständnis mehr Beachtung geschenkt wird, werden mehr Untersuchungen zu diesem Thema und auch zu den sozialen Aspekten veröffentlicht. So finden sich zum Beispiel zahlreiche Belege dafür, dass koronare Herzkrankheiten und Hypertonus durch seelische Prozesse beeinflusst werden.[2] [3]

Aber es gibt auch andere Ansichten, die das Herz nicht als Sitz der Seele sehen. Hier wird meistens das Hirn und somit der Verstand als „Seelen-Herberge“ angegeben. Zum Beispiel sagte Christiaan Barnard, der am 3. Dezember 1967 das erste menschliche Herz in Kapstadt transplantierte, dass das Herz für ihn eine primitive Pumpe sei. Er sah die Transplantation nicht als Eingriff in die göttliche Schöpfung, denn er versuchte lediglich Leben zu retten. Für viele Menschen gilt daher, dass konkretes Leid über abstrakte Vorstellungen geht. [4]
Dies zeigt uns, dass die Frage, ob Kunstherzträgern die Seele genommen wird, durchaus berechtigt ist. Jedoch kann diese nicht gänzlich beantwortet werden, da es genau so viele Befürworter wie auch Gegner dieser These gibt. Solange keine konkreten Beweise vorgelegt werden können, wo der Sitz der Seele liegt, wird dies immer ein Streitpunkt bleiben. In unserem Fall zeigt es uns auf, dass die Frage „Spielt der Mensch Gott?“ immer Ansichtssache ist. Viele Menschen zeigen sich sehr aufgeschlossen gegenüber den Wissenschaften und den medizinischen Errungenschaften, andererseits gibt es auch Gegner und Kritiker. Als zum Beispiel 1967 die erste Herztransplantation von Bernard noch als Tabu galt, ist dieses Vorgehen in der heutigen Zeit ein alltäglicher Eingriff, der einer großen Anzahl von Menschen tagtäglich das Leben rettet. Ebenso sind für Gegner die vielen neuen elektronischen Ersatzteilen für den menschlichen Körper kritisch anzusehen. Die Akzeptanz ist aber, im Gegensatz zu früher, weitaus gestiegen, was auch auf die Informationsbereitstellung zurückzuführen ist.

Ansichten verschiedener Glaubensgemeinschaften

Geht es um unterschiedliche Ansichten verschiedener Glaubensgemeinschaften, kommt immer wieder die Frage auf, wie Religionen zu „elektronischen Ersatzteilen“ stehen. Bei unserer Recherche wurde uns klar, dass im World Wide Web nicht viel zu diesem Thema zu finden ist. So suchten wir den direkten Kontakt zu drei großen Institutionen: Den Katholiken, den Muslimen und den Zeugen Jehovas.
Alle drei Institutionen zeigten sich dem Thema sehr aufgeschlossen und schienen keinerlei Einwände bezüglich technischer Neuerungen zu haben, da diese den betroffenen Menschen das Leben erleichtern oder sogar retten können.
Die Muslime beschreiben sich als sehr innovative Glaubensgemeinschaft, bei dem das Wohl des Menschen an erster Stelle stehe. Ihre Auffassung ist, dass die technischen Ersatzteile die das Leiden der Menschen lindern oder verbessern, eingesetzt werden sollen, solange sie niemandem Schaden zufügen. Diese Ansichten teilte auch die katholische Kirche, die sich auch sehr aufgeschlossen zeigt.
Die Zeugen Jehovas zeigten auch keinerlei Einwände gegen die elektronischen Ersatzteile zu haben. Jeder betroffene Zeuge Jehovas müsse diese Entscheidung in Übereinstimmung mit seinem Gewissen selbst treffen, wobei es natürlich unterschiedliche persönliche Ansichten gebe. Die Bibel verbietet ihnen zwar ausdrücklich die Aufnahme von Blut, nicht aber die Aufnahme von Materialien, die zur Unterstützung der Funktionen des Körpers eingesetzt werden.

Ein religiöses Ausmaß hat mittlerweile auch das Versprechen des Transhumanismus angenommen. Dem Transhumanismus nach soll der Mensch in etwa 2 Generationen mit den Maschinen verschmelzen und seine biologische Hülle abstreifen. In vielen Berichten wird der Transhumanismus als Religion der Elite bezeichnet.
Nach dem posthumanistischen Philosophen Stefan Lorenz Sorgner befinden wir uns längst an der Schnittstelle zwischen Menschen und Technik. Seiner Meinung nach sind die Brille und der Herzschrittmacher fantastische Errungenschaften, aber sie sind auch der Beginn einer neuen Evolutionsstufe. Sorgner träumt von Hirnschrittmachern, mit denen schon große Erfolge bei der Behandlung von Parkinson und Depressionen erzielt werden. Weiterhin redet er davon, dass in einiger Zeit bei Schlaganfallpatienten Teile des Gehirns durch neuronale Implantate ersetzt werden könnten. Nach Sorgner ist dies alles reizvoll und wer es kritisiert, tut dies wohl nur, bis er selbst in Not ist und diese Technik benötigt. [5]
Der Transhumanismus verspricht vielen die Selbst-Evolution in eine neue Spezies und somit die Befreiung von Qualen, Mängeln und Begrenzungen eines biologischen Körpers.
Es sind nicht nur irgendwelche Science-Fiction-Fanatiker, die diese neue Religion vorantreiben, sondern es sind Angehörige internationaler Eliten. Dies alles klingt nicht bloß wie eine Religion, in vielerlei Hinsicht ist es auch eine. Es ist eine Religion mit Fortschrittsglaube und Materialismus, die sich die Natur Untertan machen will. Die Singularity University, die quasi als Hauptquartier der Transhumanisten zu sehen ist, liegt im Silicon Valley direkt zwischen Google und der Nasa. Dies verdeutlicht, wo die Bewegung gesellschaftlich steht. Ihre Forschungsprojekte bringen sie geschickt auf die Agenda von Universitäten und Konzernen und somit wird längst weltweit im Auftrag der Transhumanisten geforscht. Für den Transhumanisten steht fest: Die Zukunft gehört den Gottmaschinen, nicht den Menschen. Selbst erbittertste Gegner sagen, dass diese Bewegung nicht mehr aufzuhalten sei. [6]


Literatur

  • [1]vgl. http://www.zeit.de/1982/51/ein-herz-uns-seine-seele/seite-2
  • [2]vgl. http://www.wicker-klinik.de/seele-und-herz.html
  • [3]vgl. http://www.studgen.uni-mainz.de/manuskripte/jordan.pdf
  • [4]vgl. http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/auf-den-punkt/auf-den-punkt-herz-ohne-seele/1109090.html
  • [5]http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/kultur-allgemein/wenn-der-mensch-gott-spielt-1.1258355
  • [6]vgl. http://www.sein.de/gesellschaft/zusammenleben/2013/transhumanismus-die-groesste-gefahr-fuer-die-menschheit.html