Genres und Geschichte

Gerrit Apeler, David Reiher, Carsten Cordes, Tim C. Stratmann

Die Bildung und Organisation sozialer Netzwerke unterscheidet sich zwar grundsätzlich von Spiel zu Spiel, dennoch lassen sich für Spiele gleichen Genres oft einige Gemeinsamkeiten erkennen. Daher werden im Folgenden einige Genres und die für diese typischen Eigenschaften vorgestellt:

RPGs, MMORPGs und virtuelle Welten

Im Bezug auf soziale Netzwerke sind an erster Stelle Rollenspiele oder auch RPGs (engl. role-playing game) zu nennen. Dabei handelt es sich um Spiele, bei denen der Spieler einen Charakter verkörpert, welcher häufig selbst gestaltet werden kann (Aussehen, Attribute, Gesinnung, etc.). Mit diesem Charakter erlebt der Spieler unterschiedliche (oft umfangreiche) Abenteuer und muss dabei unterschiedlichste Aufgaben (sogenannte Quests) lösen. Entstanden sind diese Spiele aus den Pen-and-Paper Rollenspielen, an deren Spielmechanik sich die Computerspiele oft orientieren. Aus diesen Pen-and-Paper Rollenspielen (z.B. Dungeons and Dragons) mit ihren oft umfangreichen Regelwerken entstanden Mitte der 70er Jahre die MUDs (Multi User Dungeons). Dabei handelte es sich um textbasierte, virtuelle Rollenspiele, in denen Spieler zusammen im Internet Abenteuer erleben konnten [2]. 1986 entstand dann mit AOLs Habitat die erste grafisch dargestellte Online-Spielewelt für bis zu 16 Spieler in einem Spielraum [1]. Mit dem Siegeszug des Internet in den 90er Jahren erlebte auch das gemeinsame Spielen einen Aufschwung: In der Online Welt Worlds Away etablierte sich um 1995 eine virtuelle Wirtschaft, in der Spieler Häuser kaufen konnten und mit einer imaginären Währung handelten [1]. Zeitgleich mit dem Spiel Diablo entstand 1996 das Battlenet, eine von der Firma Blizzard bereitgestellte Plattform, auf der sich Spieler treffen und zusammen spielen konnten. 1997 startete Electronic Arts die Spielwelt Ultima Online, welche als erstes MMORPG (Massively Multiplayer Online RPG) betrachtet werden kann [1] und 2003 stellte Linden Labs das Open-World Spiel Second Life vor, eine virtuelle Welt, welche weitestgehend von den Usern selbst gestaltet wird. Im Gegensatz zu den MMORPGs und den RPGs ging es hier nicht mehr darum, Abenteuer zu erleben, sondern nur noch um die Ausgestaltung der Welt und des eigenen Charakters. Solche Spiele werden als virtuelle Welt und nicht als Rollenspiel im eigentlichen Sinn bezeichnet. Durch den Handel mit selbst erstellten Gegenständen und Immobilien konnte erstmals sogar im Spiel echtes Geld verdient (oder ausgegeben) werden, da die Spielwährung von Second Life (der Linden Dollar) über einen Wechselkurs an die reale Wirtschaft gekoppelt war [3]. Seit 2004 existiert das derzeit größte MMORPG World of Warcraft (kurz WoW).

Je nach Spiel wird neben dem gemeinsamen Bestehen der Quests auch sehr viel Wert auf das eigentliche Rollenspiel gelegt, also die Entwicklung des eigenen Charakters und die Interaktion dieses Charakters mit anderen. Dabei wird in der Regel sehr darauf geachtet, die verkörperten Charaktere von den realen Spielern zu trennen, beispielsweise durch die 3rd-Person-Perspektive auf den Charakter.
Bei diesen Spielen findet sich entsprechend häufig ein inneres und ein äußeres soziales Netzwerk: Insbesondere bei den MMORPGs schließen sich Spieler zu Gilden mit eigenen Hierarchien zusammen und führen virtuell Politik. Gleichzeitig entstehen rund um ein solches Spiel in der Regel aber auch Foren und/oder Fanseiten, in denen sich Spieler über das Spiel austauschen, Anleitungen veröffentlichen oder sich über Allgemeines unterhalten können.

Shooter

Heute muss man die Shooter gegenüber den Shootern von gestern bzw. früher ein wenig abheben. Wenn man sich Titel, wie Quake, Unreal und Doom ansieht, heißt es stets nur draufhalten und zusehen, dass einem nicht die Munition ausgeht. Sie haben sich grundlegend von RPGs unterschieden. In modernen Shootern hat man heute ein Profil (Battlefiel 3: Battlelog), welches sich über die Zeit mitentwickelt, ähnlich wie es mit Charakteren in Rollenspielen ist. In den sogenannten Taktik-Shootern wird insbesondere als Team zusammengearbeitet, was bei früheren Shootern zwar hilfreich war, diese aber nicht explizit darauf aufbauten. Ein solches Team findet sich häufig zu sogenannten Clans (analog zu oben genannten Gilden) zusammen. Dabei handelt es sich um organisierte Gruppen, in denen es klare Hierarchien gibt. Solch ein Clan ist in der Regel in mehrere kleine Teams bzw. Gruppen gegliedert, welche zum Teil in unterschiedlichen Spielen oder mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden (Anfänger bis Profi) spielen.

Auch die Shooter haben ihre Wurzeln in den 70er Jahren, führten aber im Multiplayer Bereich bis in die 90er Jahre eher ein Schattendasein. Der Shooter Quake, welcher am 22. Juni 1996 erschien, sollte dies ändern: In Quake wurden erstmals große Mehrspielerturniere veranstaltet und es entwickelten sich erste Ansätze der E-Sports Szene. 1997 wurde die deutsche ClanLiga(DeCL) gegründet, aus der später die ESL (Electronic Sports League) entstand. In diesen Verbänden wurde das Computerspielen zum ersten Mal als Sport betrachtet und es wurden Turniere veranstaltet und Ranglisten geführt. Solche Turniere fanden sowohl online, als auch auf eigens dafür organisierten Events statt [4]. Das Taktik Spiel Counter Strike, eine Modifikation des 1998 erschienenen Spiels Half-Life, war der erste Taktikschooter, bei dem es mehr auf Teamwork als auf schnelle Reflexe ankam. Es gehört bis heute zu den erfolgreichsten Online Shootern überhaupt [5].

Battlefield 1942 erschuf im Jahr 2002 ein bis dahin nicht vorhandenes Genre im Bereich der Shooter. Neu waren riesige Karten und eine Vielzahl von Fahrzeugen und Waffen. Auch im Bereich der Shooter gibt es spielübergreifende Plattformen der Hersteller, in denen sich Spieler organisieren können. Bekanntestes Beispiel ist hier die Plattform Steam von Valve, aber auch Battlelog (speziell für Battlefield 3) oder Origin von Electronic Arts verfolgen ein ähnliches Ziel [6] [7] [8].

Strategie

Strategiespiele spielen bei den Multiplayer Spielen keine so große Rolle wie Rollenspiele oder Shooter, sind aber dennoch nicht zu vernachlässigen. In solchen Spielen treten wenige (meist 2-4) Spieler gegeneinander an. Jeder Spieler verkörpert dabei in der Regel eine Fraktion und es gilt mit seiner Armee ein [9] bestimmtes Ziel zu erreichen (meist die Elimination der anderen Fraktionen).

Das am 31. März 1998 erschienene Spiel StarCraft (bzw. dessen Nachfolger StarCraft 2) und das 1994 erschienene WarCraft sind die wichtigsten Vertreter dieses Genres. Es handelt sich um höchst ausbalancierte Spiele, welche (zumindest auf höherem Niveau) einen gut durchdachten Spielablauf zum Gewinnen voraussetzt. Diese Spiele sind meist gut balanciert, d.h. es gibt keine stärkste Einheit, auf jede Taktik gibt es eine entsprechende Gegentaktik. Die Spieler beider Spiele organisieren sich (wie auch bei Shootern) in Clans und Ligen und es werden ebenfalls Turniere ausgetragen. Da beide Spiele vom Hersteller Blizzard kommen, spielt auch hier die Plattform Battle.net eine große Rolle [10].

Browser Spiele, Casual-Games und Spiele in sozialen Netzwerken

Bei Browser Spielen handelt es sich um Spiele, die wie der Name schon sagt im Browser gespielt werden können. Es kann sich auch bei einem Browserspiel um ein Strategiespiel, ein Rollenspiel oder einen Shooter handeln, sie richten sich aber eher an Gelegenheitsspieler, weshalb sie auch als Casual Games bezeichnet werden [11].

Das erste Spiel dieser Art war das 1995 erschienene MMO (Massively Multiplayer Online) Browsergame SOL. Häufig sind solche Spiele zeitgesteuert, so dass nur eine bestimmte Zahl von Aktionen durchgeführt werden kann, bevor gewartet werden muss damit wieder weitergespielt werden kann. Bekanntere Browsergames sind zum Beispiel OGame, Travian oder Shakes and Fidget. 2006 entstand mit Friend Game zum ersten mal ein solches Spiel in einem sozialen Netzwerk: Auf Facebook konnte man Fragen über seine Freunde beantworten, die dann wiederum Fragen über ihre Freunde beantworten konnten, etc [12].

In den letzten Jahren ist die Anzahl solcher Spiele explosionsartig angestiegen. Häufig können die Spieler ihre Freunde über Nachrichten dazu animieren, ebenfalls mitzuspielen und erhalten dafür Belohnungen im Spiel. Außerdem ist es auch oft möglich sich mit Geld Vorteile gegenüber anderen Spielern zu kaufen [13]. Nachdem solche Spiele eine große Anzahl von Nutzern anlocken, wollen neben Facebook auch Google+ und die VZ-Netzwerke Spiele für ihre Nutzer anbieten [14].

Zynga ist eine der größten Betreiberfirmen von Browsergames und speziell von Spielen in sozialen Netzwerken. Zu ihren Produkten gehören unter anderem einige der bekanntesten Facebook Spiele: FarmVille, MafiaWars, Zynga Poker und CityVille [15].

Quellen

1: http://www.ot-leipzig.de/LeMMon/PRESSE.NSF/html_archivebydateger/491382170379CAB1C12575D6002E7358?OpenDocument
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
2: http://www.livinginternet.com/d/di_major.htm
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
3: http://www.zeit.de/2007/02/Second-Life
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
4: http://de.wikipedia.org/wiki/Electronic_Sports_League
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
5: http://www.valvesoftware.com
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
6: http://steampowered.com
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
7: http://www.origin.com
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
8: http://battlelog.battlefield.com
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
9: http://de.wikipedia.org/wiki/Echtzeit-Strategiespiel
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
10: http://de.wikipedia.org/wiki/StarCraft
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
11: http://www.kostenlose-browserspiele.com/browsergame
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
12: http://www.quora.com/What-was-the-first-real-game-on-Facebook
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
13: http://de.wikipedia.org/wiki/FarmVille#FarmCoins_und_FarmCash
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
14: http://www.tagesspiegel.de/medien/digitale-welt/google-will-facebook-mit-online-spielen-zusetzen/1892730.html
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr
15: http://company.zynga.com/
Stand 06.01.2012, 16:30 Uhr