Josh Evans - der virtuelle Freund

Josh Evans war die Internet-Bekanntschaft von Megan Meier. Sie lernte ihn über die Plattform Myspace kennen, wobei die Initiative von Josh ausging. Nach einer Prüfung seines Profils von Megans Mutter Tanja erlaubte sie ihrer minderjährigen Tochter seine Freundschaftseinladung anzunehmen. Sechs Wochen lang lernte Megan ihren Freund in der virtuellen Welt kennen, stets unter der Beobachtung ihrer Mutter. Außerhalb von Myspace hatten die beiden keinen Kontakt. Es gab weder Telefonate noch ein Treffen. Trotzdem verliebte sich Megan in dieser Zeit bis über beide Ohren in ihren virtuellen Freund. Er zeigte sein Interesse für seine Myspace-Bekanntschaft auf eine sehr angenehme Weise, so dass auch Megans Eltern zu keinem Zeitpunkt misstrauisch wurden, denn er fragte beispielsweise nie Intimes. Megan, die ihr ganzes Leben lang ein geringes Selbstwertgefühl besaß, war froh, endlich jemanden gefunden zu haben, der sie so mochte wie sie war.

Doch das Profil täuschte Megan und ihre Eltern. In Wahrheit verbarg sich hinter Josh Evans eine virtuelle Person, die von anderen Personen, die mehr oder weniger in unmittelbarer Nähe von Megan lebten, erschaffen wurde. Eine ehemalige Freundin und deren Mutter richteten den Fakeaccount von Josh Evans ein. Damit Josh glaubhaft und überzeugend rüberkam, weihten sie einen 18-jährigen Angestellten der Mutter mit ein. Doch nach einiger Zeit versteckten sich nicht nur die drei hinter Josh Evans, sondern auch andere Myspace-Anwender konnten auf das gefälschte männliche Profil zugreifen. Die Mutter von Megans ehemaliger Freundin stiftete auch andere Personen an, zum Spaß an Megans Demütigung teilzunehmen. So erhielt zum Beispiel eine flüchtige Bekannte aus der Nachbarschaft der Meiers ebenfalls Zugang zum Account von Josh Evans. Der Fakeaccount diente nur dem Zweck mit Megan zu kommunizieren und sie zu demütigen. Nach dem Tod von Megan wollte ihre Mutter Josh mitteilen, was seine Worte ausgelöst haben, doch der Account war bereits gelöscht [MMF12].

Autoren: Benjamin-Christian Bierbrauer, Sabrina Kröger, Carolin Radig

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