Folgen

Die Auswirkungen auf die Opfer von Internetattacken sind vielseitig. Cybermobbing ruft ähnliche Symptome hervor wie andere psychische Belastungen. Erste Anzeichen findet man schon im Privatleben, denn Opfer von Cybermobbing wirken oft bedrückt, angespannt oder wortkarg. Doch oftmals bleibt es nicht bei diesen „leichten“ Folgen, sondern geht über in schwerwiegende seelische, körperliche und soziale Auswirkungen.

Viele Mobbing-Opfer leiden unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen, Depressionen oder körperlichen Erkrankungen wie Bauchschmerzen. Aber auch Appetitlosigkeit und ein kontinuierlicher Leistungsabfall zählen zu den möglichen Folgen. Bei Schülerinnen und Schülern, die unter Cybermobbing leiden, kommt die Angst vor der Schule hinzu, so dass Opfer vor einem Schulbesuch körperliche Beschwerden vorgeben. In Extremfällen kann es sogar vorkommen, dass Opfer das Geschehene nicht wirklich verarbeiten können und sich selbst verletzen. Die hohe psychische Belastung, der ein Opfer von Cybermobbing ausgesetzt ist, kann zum Suizid führen [PFO12].

Im Fall von Megan Meier lassen sich die Folgen eines Opfers von Cybermobbing nur schwer aufzeigen, da zwischen dem Mobbing im Internet und dem Suizid nur wenige Stunden vergangen sind. Megan galt mit ihren 13 Jahren bereits als depressiv und ging regelmäßig zur Therapie. Als Josh und die anderen Myspace-Anwender begannen schlecht über sie zu reden, wusste Megan nicht damit umzugehen und brach in Tränen aus. Megan verkraftete die Abwendung ihres Schwarms Josh und die Gerüchte um sie nicht, so dass sie aufgrund der psychischen Belastung nur noch den Selbstmord als letzten Ausweg sah.

Megans Freitod hatte auch Auswirkungen auf ihre Familie. Ihre Eltern führten nach dem Bekanntwerden um die Person Josh einen Nachbarschaftskrieg, den sie mittlerweile wieder eingestellt haben. Außerdem scheiterte die Ehe der Meiers. Bis heute kämpfen sie jeden Tag mit dem den Verlust ihrer Tochter und leiden seitdem an Schuldgefühlen [MMF12].

Abgesehen von den Auswirkungen für die Opfer und deren Familien hat Cybermobbing auch Folgen für die Täter. Nach der aktuellen Gesetzeslage in Deutschland ist Cybermobbing zwar kein eigenständiger Strafbestand, aber es setzt sich aus anderen Straftaten zusammen. Somit ist Cybermobbing gesetzeswidrig nach den § 185-187, in denen es um Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung geht. Aber auch weitere Tatbestände wie beispielsweise Nötigung nach § 240 Abs.1 oder Bedrohung nach § 241 können zum Cybermobbing hinzukommen. Selbst die Verbreitung eines Handyvideos an Minderjährige, das zeigt, wie ein Junge brutal zusammengeschlagen wird, ist strafbar, denn es fällt unter Gewaltdarstellung nach § 131 Abs. 1 [PFT12].

Die Menschen, die Megan über die Plattform Myspace seelischen Schaden zugeführt haben, konnten juristisch nicht zur Verantwortung gezogen werden, obwohl die Mutter der einstigen Freundin von Megan den Vorwurf bei der Polizei nicht bestritt. Grund dafür war die damalige Gesetzeslage, da zu dem Zeitpunkt kein Anti-Mobbing-Gesetz existierte. Der Freitod von Megan Meier bewog die Gesellschaft zur Forderung eines Anti-Mobbing-Gesetzes und rund zwei Jahre nach dem Suizid führte der US-Bundesstaat Missouri als weltweit erster ein Gesetz gegen Cybermobbing ein [SOO12]. Auch wenn die Täter rechtlich nicht belangt werden konnten, wirkte sich der Suizid von Megan auch auf ihr Leben aus. Steve Pokin, Autor von Megans Geschichte, verzichtete zwar auf die Veröffentlichung der Namen der Täter im Artikel, dennoch waren diese innerhalb kürzester Zeit im Internet bekannt. Danach standen die Täter am Internet-Pranger und wurden beispielsweise bei der Plattform Rottenneighbors.com selbst zum Opfer von Cybermobbing [SOC12].

Autoren: Benjamin-Christian Bierbrauer, Sabrina Kröger, Carolin Radig

Quellen: