Auslöser und Ausprägungen für Cybermobbing

Die Beweggründe der Täter zum Cybermobbing sind sehr vielseitig und in den meisten Fällen stehen sie im Zusammenhang mit einer Vorgeschichte. Auf der Aufklärungsseite klicksafe.de werden folgende Motive genannt: „Mobbing ist Teil der Normalität“, „Langeweile“, „Interkulturelle Konflikte“, „Konflikte in der Klassengemeinschaft“, „unerwünschte Veröffentlichung von persönlichen Informationen“ und „Freundschaften verändern sich“ [KCM12].

Letzteres trifft auch auf den Fall Megan Meier zu. Die Freundschaft zwischen ihrer damaligen Freundin und ihr brach auseinander. Seitens der ehemaligen Freundin öffnete sich der Wunsch nach Rache. Mit Hilfe ihrer Mutter, die herausfinden wollte, ob Megan schlecht über ihre Tochter redete, entstand das Fake-Profil. Neben diesen Beweggründen war auch Spaß an der Demütigung mit im „Spiel“ [SOG12].

Neben den vielseitigen Auslösern kann ein Täter Cybermobbing auf unterschiedliche Art und Weise ausführen. Folglich nimmt Nancy E. Willard im Jahr 2007 eine Unterscheidung von Cybermobbing in acht verschiedene Ausprägungen vor, die von Beleidigung bis zur Gewaltandrohung reichen [GRC08]:

  1. Die erste Ausprägung wird als ‚Flaming‘ bezeichnet und umfasst das Beleidigen sowie Beschimpfen in öffentlichen Bereichen des Internet. Diese Form des Cybermobbing findet man auch im Fall von Megan Meier wieder. Mittels Kommentaren wie „Megan Meier is a slut.“ oder „Megan Meier is fat.“ beabsichtigen die Täter Megan zu verletzen.
  2. Neben dem Flaming existiert das ‚Harassment‘. Unter Harassment werden Belästigungen von Unbekannten oder Bekannten in sozialen Netzwerken verstanden.
  3. Die dritte Ausprägung ist die ‚Denigration‘. Mit dieser Art des Mobbings verfolgen Täter das Ziel ihre Opfer durch das Verbreiten von Gerüchten bloßzustellen, um damit beispielsweise Freundschaften zu ruinieren. Auch Megan ging davon aus, dass ihre Freundschaft zu ihrem virtuellen Freund Josh zerbrach aufgrund der Gerüchte, die sich bei Myspace über sie herumsprachen.
  4. Das Auftreten unter falscher Identität im Internet, bezeichnet Nancy E. Willard als ‚Impersonation‘. Dazu verwendet der Täter die Identität des Opfers, um die Schuld auf dieses zu lenken.
  5. Beim ‚Outing and Trickery‘ wird das Opfer bloßgestellt und betrogen, indem intime Details aus einer privaten Kommunikation öffentlich gemacht werden. Zu dieser Ausprägung existiert ein Fall, der zur ersten Verurteilung wegen Cybermobbing in Großbritannien führte. Dort ließ sich ein damals 16-jähriger auf ein homosexuelles Cyber-Verhältnis ein. Doch sein „Freund“ war ein Fake-Profil, das von einer anderen Person erschaffen wurde, um Details aus dem Liebesleben des Opfers zu offenbaren.
  6. Die sechste Ausprägung ist die ‚Exclusion‘. Dabei wird ein Opfer gezielt aus einer Gruppe ausgeschlossen.
  7. Ebenfalls zählt Nancy E. Willard das ‚Cyberstalking‘ zu den Ausprägungsformen des Cybermobbings. Dabei sind Opfer einer fortlaufenden Belästigung und Verfolgung ausgesetzt. Mit diesem Thema befasst sich unsere zweite Fallstudie genauer.
  8. Die letzte Ausprägung ist der ‚Cyberthreat‘. Dies beinhaltet die direkte und indirekte Androhung von Gewalt.

Autoren: Benjamin-Christian Bierbrauer, Sabrina Kröger, Carolin Radig

Quellen: