Zusammenfassung

Der zweiten Fallstudie liegt eine Cyberstalking-Begebenheit zugrunde: Bei dieser macht der Hauptakteur, der sich aus Anonymitätsgründen Holger nennt, nach dem Besuch einer Internet-Flirtseite Erfahrungen als Cyberstalking-Opfer einer Frau, die unter einer ernsten Persönlichkeitsstörung leidet.

Die erste Begegnung der beiden Hauptakteure findet dabei auf einer Internet-Flirtseite statt. Nach ersten Chat-Konversationen, entschließen sich beide Akteure, ein persönliches Treffen zu arrangieren. Bei diesem Treffen erfährt Holger, dass die Frau – die er Inge nennt – psychische Probleme durch einen Unfall hat, der sich vor einem Jahr ereignete, bei welchem sie ihr einjähriges Kind verlor. Resultierend aus diesem Unfall ging daraufhin auch ihre damalige Beziehung in die Brüche. Im Laufe des Treffens gesteht Inge Holger ihre Liebe, woraufhin Holger ihr am nächsten Tag schreibt, dass er diese Liebe noch nicht erwidere. Durch diese Zurückweisung entfacht Holger eine Reihe von Ereignissen, mit denen Inge Holger vorsätzlich belästigt:

So schreibt sie ab dem Zeitpunkt der Zurückweisung, dass sie nach dem persönlichen Treffen schwanger sei, Holgers Hilfe aber nicht benötige und die gesamte Erinnerung an ihn – mit Telefonnummern, Nachrichten und Bildern – gelöscht habe. Trotz dieser vermeintlichen Verabschiedung schreibt Inge weiterhin an Holger um den Schwangerschaftsvorfall zu klären. Dabei einigen sich die beiden Hauptakteure, dass ein Schwangerschaftsabbruch die beste Lösung sei. Inge gibt daraufhin an, dass sie gleich am darauffolgenden Samstagabend einen Termin beim Arzt gemacht habe um den Eingriff endgültig vorzunehmen.

Nachdem Holger auch nach diesem Vorfall keine weiteren Gefühle gegenüber Inge zum Ausdruck bringt, ändert Inge schlagartig wieder ihre Taktik und schreibt Holger, dass der Schwangerschaftsabbruch doch nicht stattgefunden habe.

Um diesen Belästigungen und widersprüchlichen Äußerungen entgegenzuwirken holt sich Holger durch eine Halterfeststellung von Inges KFZ einige Informationen ein. Bei diesen stellt sich heraus, dass Inge bei ihrem Alter falsche Angaben gemacht hat, indem sie statt der vermeintlichen 46 bereits 52 Jahre alt ist.

Holger versucht die Situation mit Inge direkt aufzuklären und konfrontiert sie mit den von ihr falsch gemachten Angaben. Die einzige Reaktion, die er erhält, ist neben einer kleinen Entschuldigung – dass dies wohl „nicht ganz korrekt“ [WSF12] gewesen sei – die Steigerung der vorgetäuschten Schwangerschaft zu einer Schwangerschaft mit Zwillingen und Äußerungen zu einem weiteren Termin zum Schwangerschaftsabbruch, der ebenfalls nie stattfinden sollte.

Holger versucht daraufhin die belastende Farce zu beenden, indem er eine Abschiedsnachricht an Inge verfasst. Dies führt zu einer weiteren Eskalation der Situation: Ab diesem Zeitpunkt schreibt Inge ihm unter zahlreichen Pseudonymen E-Mails, SMSen und Nachrichten über den Messengeraccount, in denen sie Holger beschimpft und beleidigt. Die Vorgabe, dass es sich dabei nicht um Verwandte und Bekannte von Inge handelt, kann Holger infolge der Verwendung der gleichen Redewendungen und identischen Rechtschreibfehler sehr schnell erkennen.

Um der hohen Anzahl an Mails, Nachrichten auf dem Anrufbeantworter oder SMSen zu entgehen, ändert Holger seine Nummer. Nach einiger Zeit schreibt ihm Inge darüber hinaus, dass sie ihn unter falschem Namen kontaktiert habe und ihre eigentliche Identität geheim halte. Inge geht ab diesem Zeitpunkt noch einen Schritt weiter und veröffentlicht auf einer Webseite Informationen über Holger – wie Holgers vollen Namen und seinen Wohnort. Zudem droht sie ihm mit einer Unterhaltsklage. Daraufhin wendet Holger sich an seinen eigenen Anwalt, der einen Brief an Inge verfasst, indem sie gebeten wird, sämtliche Aktivitäten, die seinen Mandanten beleidigen oder belästigen könnten, einzustellen. Inge leugnet jedoch ihre wahre Identität und sendet den Brief unter der Begründung, dieser sei nich zustellbar, zurück zum Anwalt. Zu diesem Zeitpunkt geht allerdings die „Frequenz der Mails, die Holger erhielt, gegen Null“ [WSA12].

Nach einer kurzen Pause führt Inge ihre Stalking-Ansätze jedoch auf eine neue Ebene, indem sie falsche Ultraschallbilder per Post schickt und droht, seinen Bekanntenkreis ebenfalls zu belästigen.

Um rechtliche Schritte gegen Inge einleiten zu können, sammelt Holger weiterhin Informationen über die von Inge verwendeten Pseudonyme und dokumentiert jede Aktivität genau. Inge sieht sich indessen als Opfer und versucht Holger in die Täterrolle zu drängen, da er sich weigert, das vermeintliche Kind anzuerkennen und sich über die KFZ-Halterfeststellung Informationen über Inge eingeholt hat. Sie macht dabei ihre Drohung wahr und schreibt jetzt ebenfalls E-Mails an Holgers Bekanntenkreis.

Im darauffolgenden Januar kommt dann laut Inges Aussage das vermeintliche Kind zur Welt. Um dieses imaginäre Kind gegenüber Holger zu rechtfertigen, schickt sie ihm Bilder ihrer Enkeltochter als Bilder des vermeintlich gemeinsamen Kindes. Holger kann lediglich noch weiter herausfinden, dass Inge ebenfalls falsche Angaben in Bezug auf ihren Beruf und ihre Lebenssituation gemacht hat.

Die Cyberstalking-Begebenheit endet damit, dass Holger nach drei Jahren durch Gespräche mit vielen Ämtern und Behörden erreichen kann, dass das vermeintliche Kind nicht als gemeinsames Kind anerkannt wird – da er ebenfalls erfährt, dass Inge im besagten Zeitraum kein Kind zur Welt gebracht hat. Er ist jedoch nicht in der Lage das Stalking komplett zu unterbinden.

Autoren: Alexander Erlemann, Marie-Christin Ostendorp, Malte Otten

Quellen: