Einleitung

„Nichts ist quälender als die Kränkung menschlicher Würde“ [SCS07], sagte der römische Staatsmann Cicero bereits vor mehr als 2000 Jahren und hat damit eine Tatsache ausgesprochen, die bis heute nicht an Gültigkeit verloren hat. Vielmehr kann man sagen, dass sich das Problem in den letzten 20 Jahren immer mehr verschärft hat. Was man früher als Kränkung bezeichnet hat und woran nur wenig Menschen Anteil hatten, erhält heutzutage durch das Internet als weltweite Vernetzung von Millionen von Nutzern eine ganz neue Dimension: So können Beleidigungen nicht nur einmalig in einer kleinen Gruppe von Menschen ausgesprochen werden, sondern werden in sozialen Netzwerken – sichtbar für Millionen von Menschen – dauerhaft verbreitet.

Was demnach früher als Kränkung stattfand, bezeichnet man in dieser deutlich verschärften Form heutzutage als Cybermobbing. Die Ausmaße, die dieses Problem annehmen kann, sind dabei besorgniserregend: So werden einzelne Personen über das Internet nicht nur beleidigt und gedemütigt, sondern auch kontinuierlich belästigt. Dies kann sogar dahingehend ausarten, dass die Betroffenen auch im realen Leben und nicht nur über das Internet verfolgt werden.

Aus diesem Grund greift der nachfolgende Text nicht nur das Thema „Cybermobbing“ auf, sondern verweist in diesem Zusammenhang auch auf das Thema „Stalking“. Dass über das Internet nicht nur Wahrheiten verbreitet werden können, macht die Angelegenheit noch beunruhigender: Die Lüge ist wie ein Schneeball: „Je länger man ihn wälzt, je größer wird er.“ [LUW87], sagte Luther einst. Heutzutage ist auch dieses Problem durch die Einführung des Internet und insbesondere durch die Entwicklung sozialer Netze noch ernster geworden: Lügen verbreiten sich über das Internet entsprechend schneller als zu Zeiten Luthers vor 500 Jahren. Dementsprechend können sie deutlich schlimmere Ausmaße annehmen. Damit einhergehend taucht in der heutigen Gesellschaft auch das Phänomen der „Fakeaccounts“ auf. Die Anonymität des Internets erleichtert es Menschen, Lügen zu verbreiten und die eigene Identität ausreichend zu verschleiern.

Aus dieser Entwicklung kann man bereits eine steigende Tendenz dahingehend ablesen, dass bereits früher bekannte Probleme durch die Einführung sozialer Netzwerke an Bedeutung und Gefahr für einzelne Individuen der Gesellschaft gewonnen haben.

Diese verschärfte Problematik wird in der heutigen Gesellschaft jedoch noch stark unterschätzt. Aus diesem Grund soll der nachfolgende Text auf die Hintergründe und Gefahren dieser Problematik hinweisen und ein Bewusstsein für die Ernsthaftigkeit und Aktualität des Themas schaffen.

Dazu wird zunächst eine kurze Definition der Hauptbestandteile des Themas – Cybermobbing, Fakeaccounts und Stalking – gegeben. Darauf aufbauend werden einige Studien vorgestellt, die die Aktualität und den Ist-Zustand des Problems in unserer heutigen Gesellschaft aufgreifen. Um weitergehend die Ursachen, Zusammenhänge und Folgen klären zu können, wird das Problem anhand realer Fallstudien genauer untersucht. Daraus werden zuletzt unterschiedliche Präventionsmöglichkeiten und Gegenmaßnahmen für betroffene Personen abgeleitet, so dass der/die LeserIn nicht nur ein Bewusstsein für die Ernsthaftigkeit des Problems bekommt, sondern auch in der Lage ist, sich gegenüber Cybermobbing, Fakeaccounts und Stalking weitestgehend zu schützen oder im Falle der Betroffenheit ausreichend über mögliche Gegenmaßnahmen informiert ist.

Autorin: Marie-Christin Ostendorp

Quellen:

  • [LUW87] Luther, M., Walch, J.G.: Dr. Martin Luthers sämmtliche Schriften, Band 22. Concordia publishing house, 1887. S.433.
  • [SCS07] Schmitt, E.H., Skarvan, A.: Für alle Tage, ein Lebensbuch, Band 2. C. Reissner, 1907. S.131.