Ein unterschätztes Problem

Durch das Internet ist es heutzutage nicht mehr schwer, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, sei es in positiver oder in negativer Absicht. Die Möglichkeit des Stalkens und des Mobbings kann durch den technischen Fortschritt neue Dimensionen annehmen. Ein Kommentar unter einem Foto, ein in die Welt gesetztes Gerücht: All dieses kann gravierende Folgen haben.

Das Internet nimmt einen großen Raum im Leben der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein. Der JIM-Studie (Jugend, Information, (Multi-) Media-Studie) zu Folge nutzen lediglich 20 % der männlichen Jugendlichen und 12 % Prozent der weiblichen Jugendlichen keine sozialen Netzwerke, wobei dies auch noch stark abhängig von der jeweiligen Altersgruppe ist. Sind es bei den 12- bis 13-jährigen noch 30 %, die keine sozialen Netzwerke nutzen, sind es in der Altersgruppe von 18- bis 19-jährigen lediglich noch 10 %. Weiterhin ist der Bildungsgrad ein Indikator für die Nutzung von „social networks“. Der Studie zu Folge nutzen Gymnasiasten diese merklich häufiger als Hauptschüler. Bereits mehr als die Hälfte der 12- bis 13-jährigen werden zu den sehr aktiven Community-Usern gezählt.

„Das Thema ‚Sicherheit‘ ist im Bewusstsein der Jugendlichen nur latent vorhanden: Gerade vier Prozent geben an, dass Datensicherheit und die Überschaubarkeit des Nutzerkreises (nicht anonym) ein Motiv für die Wahl der Community sei.“ [MPF12]

Dies belegt, dass den Jugendlichen die Gefahren eines unzureichenden Datenschutzes und dessen Folgen nicht bewusst sind. Fast jeder User hinterlässt persönliche Spuren im Netz: So findet man über drei Viertel der Internet-Nutzer persönliche Angaben wie Hobbys und etwa zwei Drittel stellen Fotos und/oder Videoclips von sich und teilweise auch von Freunden und Familienmitgliedern zur Schau. Einige geben sogar ihre Email-Adresse, Handy-Nummer oder ihre Instant-Messanger-Daten preis. Die Angriffsfläche für Cybermobbing wächst somit fortlaufend. Jedoch ist ein Anstieg derer zu beobachten, die ihre Daten durch sogenannte „Privacy Options“ schützen.

Das Problem des Cybermobbings stellt laut der Studie für 25 % der befragten Jugendlichen ein deutliches und aktuelles Problem dar. Laut der Untersuchung geben 15% an, dass über sie peinliche oder beleidigende Bilder oder Videos im Internet verbreitet wurden. Diese Tendenz steigt mit dem Alter (12 - 13-Jahre: 6 %; 14-15 Jahre: 14 %, 16-17 Jahre: 21 %, 18-19 Jahre: 18 %). Ähnliches zeigt sich bei den falschen und beleidigenden Äußerungen über die eigene Person, was hier jedoch neben dem Alter auch vom Bildungsniveau abhängig ist. Bei Hauptschülern tritt diese Form des Mobbings doppelt so häufig auf wie bei Gymnasiasten. Außerdem gaben 25 % der Befragten an, jemanden zu kennen, der schon einmal mit Hilfe von negativem Bildmaterial oder durch unangebrachte Kommentare verletzt wurde. Auch wurden Fakeaccounts über sie erstellt. Deutlich genutzt wird Cybermobbing innerhalb der peer group. Ein Viertel der Befragten bestätigten dies in der Studie.

„Insgesamt lässt sich feststellen, dass das Internet eben auch hinsichtlich der negativen Erfahrungen im Alltag der Jugendlichen angekommen ist.“ [MPF12]

Das Erwachsenwerden, das Heranwachsen der Jugend findet im Internet eine neue Plattform. Risiken und Gefahren des Internet spielen somit eine wichtige Rolle und sollten Jugendlichen und Erwachsenen immer wieder vor Augen geführt werden. Auch Kontrollmechanismen sollten in der öffentliche Debatte immer wieder zum Schutz der Privatsphäre und der gesunden Entwicklung der Jugendlichen thematisiert werden [MPF12].
Jeder Mensch besitzt spezielle psychische Konstellationen, Persönlichkeitsmerkmale und ein anderes Umfeld. Somit haben Angriffe auf die eigene Person für jeden individuelle Konsequenzen. Für den einen ist ein Schimpfwort tief verletzend, der andere macht sich nichts aus einem Schimpfwort.

Durch den einfachen Zugang zum Internet ist es für nahezu jeden eine Leichtigkeit sich in Foren, Sozialen Netzwerken etc. anzumelden und dort seine Meinung kundzutun. Dieses Thema kann aus mehreren Sichtweisen betrachtet werden. Zum einen aus der Sichtweise eines Erwachsenen. Sie sollten wissen, welche Konsequenzen ihr Handeln haben kann, wenn sie z.B. ein Foto kommentieren oder jemanden beschimpfen. Auf der anderen Seite stehen die Kinder, die ihr eigenes Handeln und dessen Folgen noch nicht ausreichend reflektieren können. Wenn sie ein Bild oder ein Video kommentieren, oder jemandem ein Schimpfwort auf die Pinnwand posten, sehen sie nicht die Konsequenzen für den anderen und sich selber. Ihre moralische Entwicklung befindet sich noch auf einer schwächer ausgeprägten Ebene [SDE12]. Genau hier findet sich eine Schwachstelle des technischen Fortschritts. Nach einer Forsa Umfrage mit dem Namen „Cybermobbing – Gewalt unter Jugendlichen“ der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2011, bei der 1000 Schüler befragt wurden, gaben 99 % an, dass sie das Internet nutzen würden.

95 % haben ein eigenes Handy. 63 % finden das Internet als sehr wichtiges Medium. Mit dem Begriff Cybermobbing konnten 75 % etwas anfangen, 71 % kennen ein Opfer, aber nur 55 % haben in der Schule über Cybermobbing gesprochen. Von den Befragten waren 32 % bereits selber Opfer von Cybermobbing. Von diesen Opfern kennen 52 % die oder den Täter und 12 % vermuten den Täter zu kennen. Beim Thema Täter haben 21 % der Befragten geantwortet, dass sie sich vorstellen können Täter zu werden und 8 % waren sogar schon Täter [TKU12]. Aus dieser Umfrage zeigt sich, wie aktuell das Thema Cybermobbing ist. Und da nur 55 % der Befragten dieses Thema in der Schule angesprochen haben, kann die Frage gestellt werden, ob das Thema vielleicht noch nicht ernst genug genommen wird.

Ein ähnlich brisantes Thema, was in engem Kontakt zu Cybermobbing steht, sind Fakeaccounts. Im Internet ist es heutzutage kinderleicht, sich einen in einem Forum, einem Sozialen Netzwerk etc. einen Account mit falschen Angaben zu erstellen. So können Mobbingtäter ihre Opfer quasi anonym tyrannisieren. Der Täter kennt das Opfer, aber das Opfer weiß nicht, wer hinter dem Fakeaccount steckt.

Doch was wird gegen das Einrichten solcher Accounts getan? Hier gibt es z. B. seitens der Anbieter Algorithmen, die Fakeaccounts aufspüren sollen. Aber sollte nicht auch dieses Thema schon in der Schule und von den Eltern ausführlich besprochen werden? Sollten vielleicht auch Gesetze, die das Erstellen von Fakeaccounts verbieten, verabschiedet werden? Leider dauert es in der Regel viel zu lange ein Gesetz zu verabschieden, und die technischen Möglichkeiten von Tätern entwickeln sich viel zu schnell weiter, so dass es schwierig, ist mit den Gesetzen hinterherzukommen.

Autoren: Jan Dreßler, Marcel Hein

Quellen: