Usenet

Im Folgenden werden wir auf das Usenet eingehen, welches einen Daten- sowie Informationsaustausch ermöglicht. Soziale Netzwerke, die auch dem Informationsaustausch dienen, sind daher eine Konkurrenz zum Usenet. Zunächst werden wir das Usenet mit seinen Bestandteilen näher erläutern und eine knappe Zusammenfassung mit Hilfe einer Zeitleiste über dessen Entwicklung geben. Ferner vergleichen wir das Usenet mit sozialen Netzwerken und ziehen abschließend ein Fazit. Eine genauere Erläuterung zu den einzelnen Themen finden Sie im bereitgestellten E-Book.

Definition und Bestandteile des Usenets

Unter dem Usenet, ursprünglich „Unix User Network“, versteht man ein weltweites, elektronisches Netzwerk aus Newsservern für den Informationsaustausch. Es bietet grundsätzlich freizugängliche Diskussionsforen aller Art, sogenannte „Newsgroups“, an, die üblicherweise mit Hilfe von Newsreadern verändert werden. Newsreader sind spezielle clientseitige Softwareprogramme zum Lesen und Verfassen von Beiträgen und zum Anzeigen der vorhandenen Newsgroups auf einem Newsserver [Sin]. Eine Newsgroup, auch Nachrichtengruppe genannt, ist ein virtuelles Internetforum, in dem zu einem speziellen Themenbereich textbasierte Nachrichten ausgetauscht werden können. Um neue Beiträge in einer Newsgroup zu veröffentlichen, müssen die Nachrichten an einen Newsserver gesendet werden. Dieser wiederum spiegelt die neuen Artikel auf weiteren Newsservern, die auch die betroffene Newsgroup enthalten. Somit wird eine neue Nachricht auch für andere Benutzer zur Verfügung gestellt, die nicht mit dem Ursprungsnewsserver verbunden sind.
Technisch gesehen ist das Usenet ein dezentrales Netzwerk aus ca. 20.000 Newsservern, welche verschiedene Nachrichtengruppen enthalten. Das Usenet ist in neun Haupthierarchien und mehr als 100.000 Newsgroups mit etlichen Sub-Hierarchien (z.B. nationale, regionale oder nur Newsserver begrenzte) gegliedert. [Lin]

Historie

Zeitleiste der Entwicklung
Abbildung 1: Zeitleiste "Entwicklung vom Usenet"

Mit dem Zusammenschluss von zwei Unix-Rechner im Jahre 1979 durch die Studenten Tom Truscott, Steve Bellovin und Jim Ellis von den Universitäten von North Carolina und der Duke University entstand das Usenet.
Im Laufe der Jahre schlossen sich immer mehr Universitäten dem Netzwerk an und die ursprünglich zentrale Struktur des Usenet wandelte sich zu einem dezentralen Netzwerk mit Newsgroups zum Ordnen der Diskussionsthemen auf Basis des UUCP (Unix to Unix Copy Protocol).
Nachdem das amerikanische Militär 1990 das Internet für die Öffentlichkeit freigegeben hatte, konnten auch die Newsserver das Internet und dessen Infrastruktur nutzen. Das bis dahin für das Usenet verwendete UUCP wurde durch das NNTP (Network News Transfer Protocol) abgelöst und öffnete somit das Usenet für weitere Betriebssysteme. Gleichzeitig beteiligten sich Firmen um Supportanfragen zu beantworten.
1993 richtete AOL einen freizugänglichen Newsserver ein und öffnete somit das Usenet für die Öffentlichkeit. Daraufhin explodierte der Datenverkehr des dezentralen Netzwerkes und letzteres erfuhr immer mehr Zulauf. Erste kommerzielle Newsserver wurden eingerichtet.
Durch die immer stärke Nutzung des WWW und die stetig steigende Verbreitung von Internetforen gingen die Nutzerzahlen wieder zurück.
Im Jahre 2002 wurde das Usenet um die Möglichkeit zum binären Datenaustausch erweitert. Aufgrund dessen erfuhr das Netzwerk eine zweite Renaissance [Moe]. Allerdings trat das illegale Filesharing immer weiter in den Vordergrund und wurde zum Markenzeichen des Usenets.
Kostenpflichtige Flatrates für Filesharing wurden angeboten und das am Anfang öffentliche Netzwerk wurde zunehmend eingeschränkt.
Inzwischen besteht das Usenet aus Newsservern für einen beschränkten Personenkreis. Dazu zählen Newsserver aus dem Universitäts- und Firmenbereich, aus Usenet-Providern, Newsserver-Betreibern und Resellern. Neben den aufgeführten Akteuren gibt es noch kostenlose Newsserver, die sich jedoch durch ihre langsame Arbeitsweise und durch ihre sehr eingeschränkte Auswahl an Newsgroups auszeichnen. [Lin]

Soziale Netzwerke versus Usenet

Nachdem wir uns nun mit der Einordnung und dem historischen Hintergrund des Usenets beschäftigt haben, ziehen wir mit Hilfe einer Gegenüberstellung von Pro- und Kontraelementen einen Vergleich zwischen Usenet und sozialen Netzwerken. Gleichzeitig wollen wir die am Anfang aufgestellte These, dass soziale Netzwerke eine starke Konkurrenz zum Usenet darstellen, festigen. [Lab] [Fra]

Soziale Netzwerke Usenet
+ Verwendung mit Browser - Verwendung durch spezielle Clientsoftware („Newsreader“)
o Verschiedenes Design + Einheitliches Aussehen
- zentraler Server (Administrator hat die alleinige Macht, Anonymität nicht gewährleistet, Störungsanfälliger) + dezentrales Netzwerk (Anonymität, Zensur fast unmöglich, robust gegen Störungen)
+ Informationsaustausch durch Foren, Gruppen und multimediale Daten + Informationsaustausch durch Diskussionsforen und binäre Dateien
- Datenaustausch meistens nur durch multimediale Dateien (vll. zukünftig anders) + Allgemeiner, anonymer Datenaustausch möglich
+ starker Zulauf zu sozialen Netzwerken - stetig abnehmende Beiträge und kaum Verbreitung sowie Interesse
+ Meistens kostenloser Zugang - größtenteils kommerzieller Zugang und langsame kostenlose Newsserver

Fazit

Zusammenfassend war das Usenet am Anfang seiner Entwicklung für Diskussionen sehr gefragt. Mit dem Auftreten des Webs und insbesondere den Internetforen verlor das Netzwerk an Attraktivität. Jedoch blühte es wieder auf, als das Netzwerk um die Möglichkeit des Datenaustausches erweitert wurde. Damit einhergehend gingen die Diskussions-Newsgroups immer weiter zurück und das Usenet bekam den Ruf, illegal zu sein und wird meist nur noch mit Filesharing verbunden. Das ursprüngliche Usenet ist am Aussterben. Zukünftig wird es immer stärker eine Nischenanwendung und auf lange Sicht durch einen anderen Dienst (z.B. durch die sozialen Netzwerke) ersetzt werden.
Im Vergleich zu den sozialen Netzwerken spielen die Gruppen und Diskussionsmöglichkeiten von sozialen Netzwerken eine immer stärke Rolle und verdrängen somit den einstigen Konkurrenten Usenet als Informationsaustauschplattform. Obwohl das Usenet durch seinen fast anonymen Datenaustausch glänzt, vermuten wir, dass soziale Netzwerke in Zukunft um die Möglichkeit des allgemeinen Datenaustausches erweitert werden und dadurch die Existenzgrundlage des Usenets schwinden wird.

Literatur