Haben künstliche Intelligenzen ein Recht auf ihre Existenz?

Vorab sei gesagt, dass in dieser Sektion unter dem Begriff „künstliche Intelligenz“ die noch in weiter Ferne liegende, „starke“ KI zu verstehen ist.

Diese hat per Definition ein Selbstbewusstsein, einen eigenen Willen, Forschungsdrang und Gefühle. Ihre Entscheidungen sind mindestens so undeterministisch wie beim Menschen. (Nicht alle sind sich darüber einig, ob der Mensch seine Entscheidungen vollkommen frei trifft, oder ob jede getroffene Entscheidung mit dem Zustand des Menschen sowie sämtlicher momentanen Umgebungseinflüsse prinzipiell vorhersagbar wäre.)

Da eine starke KI per Definition all jene geistigen Eigenschaften mitbringt, die man normalerweise nur denkenden und fühlenden Lebewesen zuschreiben würde, stellt sich die Frage, ob eine künstlich erzeugte Intelligenz auch als solches bezeichnet werden sollte.

Traditionelle Kriterien wie Wachstum, Stoffwechsel oder Fortpflanzung sind hier womöglich nicht unbedingt sinnvoll. Eine Intelligenz, die in einem Computerspeicher existiert, wird es schwer haben, sich fortzupflanzen.

Sehr wahrscheinlich jedoch könnte sie eine weitere künstliche Intelligenz nach ihrem Vorbild programmieren, zweifellos sogar in abgewandelter Form und mit Verbesserungen von Eigenschaften, die die starke KI an sich selbst als störend empfindet. Man kann jedoch argumentieren, dass es sich bei einem solchen Prozess weniger um Fortpflanzung, als um ein die willkürliche Schaffung einer weiteren KI handeln könnte, die mit ihrer Mutter-/Vater-KI keine Gemeinsamkeiten aufweisen muss. Insbesondere sind erst Recht keine „genetischen Verbindungen“ vorhanden, die auf eine durch Fortpflanzung entstandene, neue Lebensform hindeuten würde.

Desweiteren wird eine starke KI einen Stoffwechsel ebensowenig aufweisen können wie physisches Wachstum.

Dennoch erscheint vielen Menschen die Vorstellung, eine denkende und fühlende Intelligenz einfach abzuschalten, als grausam oder zumindest unangenehm.

Auch wenn sie keinen Körper besitzt, keine Nahrung braucht oder mit der Zeit ihre äußere Form verändert, weist sie mit Gefühlen, Sehnsüchten, Wünschen und einem Selbstbewusstsein dennoch sehr menschliche Wesenszüge auf.

Einmal in Betrieb genommen, wird die KI ihre Umwelt wahrnehmen und verarbeiten, mit ihr Interagieren und Informationen austauschen.

Sie wird Erfahrungen sammeln, eigene Entscheidungen auf Grundlage dieser Entscheidungen treffen und anfangen, sich über Personen die mit ihr in Kontakt kommen, Meinungen zu bilden.

Sie wird eventuell einige Leute lieber mögen als andere, zu manchen hat sie vielleicht sogar ein innigeres Verhältnis, wenn sie von Beginn an mit ihnen interagiert und deswegen ein Vertrauen zu ihnen entwickelt hat.

Diese Eigenschaften verleihen einer KI ein Empfinden, das deutlich über das von einer Topfpflanze hinaus geht. Dennoch ist sie im Gegensatz dazu nach den gängigen Definitionen kein Lebewesen.

Glücklicherweise wird die Menschheit aller Voraussicht nach noch viel Zeit haben, sich über das Für und Wider von Existenzrechten von KIs Gedanken zu machen. Eine Auseinandersetzung mit der Verantwortung, die ein Erschaffer von einer KI gegenüber dieser trägt ist sinnvoll. Selbst wenn in naher Zukunft nicht mit starken KIs zu rechnen ist, so hat man doch zumindest einmal darüber nachzudenken, ob man jene genauso behandeln sollte wie andere Computerprogramme.