Expertensicht

Gegner der KI

Joseph Weizenbaum

„Die Sicht des Universums als Computer führt zu dem Dogma, dass der Mensch berechenbar und somit rein wissenschaftlich zu verstehen sei. Dessen inhumane Konsequenz wäre, dass uns perfektere Maschinen irgendwann ersetzen.“

"Die Methapher, dass das Universum ein Computer ist, wirft die Frage auf, ob alle Aspekte der Realität wissenschaftlich begreifbar sind. Er darf jedoch bezweifelt werden, dass Naturwissenschaft eine einzige Quelle der Wahrheit ist.
Aus der Computermetapher folgt zwingend, dass Menschen vollständig berechenbar sind. Vom Menschen als Maschine aus Fleisch gehen auch Vertreter der künstlichen Intelligenz aus. Konsequenterweise müsste demnach der Mensch eines Tages durch perfektere Roboter ersetzt werden. Einem solchen Standpunkt muss vehement widersprochen werden. Er ist nicht vernünftig, sondern größenwahnsinnig.
Gerade weil unser Wissen enorm wächst, müssen wir dessen Grenzen kennen. Sonst droht die wachsende Hybris mancher Gottspieler die Wissenschaft zu entmenschlichen."

Hans Magnus Enzensberger

"Die ‚Evangelisten der künstlichen Intelligenz, der Gen- und der Nanotechnik‘ bevorzugten eine einäugige Lektüre ihrer Visionen.

"Auf einmal sagten viele, es sei nur eine Frage der Zeit, bis die genetische Verbesserung des Menschen zum Ziel führte, bis die altertümliche Form der Zeugung, der Geburt und des Todes abgeschafft wäre, bis Roboter den biblischen Fluch der Arbeit aus der Welt schafften, bis die Evolution der Künstlichen Intelligenz (KI) dem leidigen Mangelwesen ein Ende machte.
Uralte Allmachtsphantasien fanden so eine neue Zuflucht im System der Wissenschaften."[1]

Befürworter der KI

Marvin Minsky

„Der Mensch ist eine Maschine und das Gehirn eine Maschine aus Fleisch.“

„Es gibt keine Objekte, die wir nicht durch Analyse ihrer einzelnen Bestandteile verstehen können. Bewusstsein kann in viele Teile zerlegt werden, angefangen vom Gedächtnis bis zu den Erwartungen uns so weiter. Mein Ziel ist es, solche Komponenten des Geistes zu erkennen und zu verstehen.“

Hans Peter Moravec

„Das Schicksal der Menschen [ist] für die hochintelligenten Roboter der Zukunft völlig uninteressant [...]. Die Menschheit wird als gescheitertes Experiment gelten.“

„Ich sehe diese Maschinen als unsere Nachkommen. Im Augenblick glaubt man das kaum, weil sie eben nur so intelligent sind wie Insekten. Aber mit der Zeit werden wir das große Potential erkennen, das in ihnen steckt. Und wir werden unsere neuen Roboterkinder gern haben, denn sie werden angenehmer sein als Menschen. Man muß ja nicht all die negativen menschlichen Eigenschaften, die es seit der Steinzeit gibt, in diese Maschinen einbauen. Damals waren diese Eigenschaften für den Menschen wichtig. Aggressionen etwa brauchte er, um zu überleben. Heute, in unseren großen zivilisierten Gesellschaften machen diese Instinkte keinen Sinn mehr. Diese Dinge kann man einfach weglassen - genauso wie den Wesenszug der Menschen, daß sie ihr Leben auf Kosten anderer sichern wollen. Ein Roboter hat das alles nicht. Er ist ein reines Geschöpf unserer Kultur und sein Erfolg hängt davon ab, wie diese Kultur sich weiterentwickelt. Er wird sich also sehr viel besser eingliedern als viele Menschen das tun. Wir werden sie also mögen und wir werden uns mit ihnen identifizieren. Wir werden sie als Kinder annehmen - als Kinder, die nicht durch unsere Gene geprägt sind, sondern die wir mit unseren Händen und mit unserem Geist gebaut haben.“ [2]

Daniel Dennett

„Wir müssen die Erfurcht vor dem Leben aufgeben um weitere Fortschritte in der künstlichen Intelligenz zu machen.“

„It seems to me that the very best evidence we have for the truth of Darwins theory is the evidence that arrives every day from bioinformatics, from understanding the DNA-coding. The critics of Darwinism just don‚t want to confront the fact that molecules, enzymes and proteins lead to thought. Yes, we have a soul, but it‘s made up of lots of tiny robots.“ [3]



Quelle:
Zeitschrift ‚Spektrum der Wissenschaft‘ SPEZIAL 3/07 ‚Ist das Universum ein Computer?‘


[1] http://www.ikvu.de/html/archiv/ikvu/kirchentag/werlhof.html [2] Buch ‚Computer übernehmen die Macht: Vom Siegeszug der künstlichen Intelligenz., Hamburg 1999, Seite 136. (Wird im von Dr. Dirk Evers, Tübingen, in ‘Der Mensch als Turing-Maschine? - Die Frage nach der künstlichen Intelligenz in philosophischer und theologischer Perspektive' hier zitiert: http://theology.co.kr/wwwb/data/study/nzst.2005.47.1.101.pdf [3] http://www.spiegel.de/international/spiegel/0,1518,392319,00.html