3. Wie melde ich meine Arbeit an?
Nach der Einigung auf ein Thema ist die Anmeldung der nächste wichtige Schritt. Dieser Termin ist nicht zu unterschätzen. Insgesamt stehen ab diesem Datum noch maximal 6 Monate zur Verfügung, bis alles fertig sein muß. Nur in Ausnahmen wird eine Verlängerung von maximal 3 Monaten gewährt.
Die Anmeldung umfasst mehrere Punkte. Wenn noch keine Fachprüfung gemacht wurde, muß zusätzlich zur Zulassung zur Diplomarbeit auch die Zulassung zur Diplomprüfung beantragt werden, beides auf dem grünen Vordruck aus dem Prüfungsamt. Diesem ist auf jeden Fall eine Kopie des Vordiploms beizufügen, wenn diese noch nicht vorliegt - ohne Vordiplom geht nichts! Außerdem braucht das Prüfungsamt eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung. Als weiteres Formular wird eine Bestätigung benötigt, daß bislang noch keine Diplomarbeit endgültig nicht bestanden wurde. Beide Papiere bekommt das Prüfungsamt - hier ist Frau Ring derzeit für die Informatik zuständig. Das dritte Formular ist speziell für die Diplomarbeit. Hierauf werden das vorher abgesprochene Thema sowie die beiden Betreuerinnen eingetragen. Außerdem legt dessen Datum den Beginn der Arbeit fest. Dazu sollte vorher mit der Erstgutachterin abgesprochen worden sein, auf welches Datum dieser Beginn gelegt wird. Im allgemeinen sinnvoll und bei aufwendigen Arbeiten unabdingbar ist eine gewisse Einarbeitungszeit, die zwischen Themenabsprache und offiziellem Beginn liegt. Entweder leitet die Betreuerin das Formular an den Prüfungsausschuß weiter, oder es wird mit den beiden anderen an das Prüfungsamt gegeben.
Die Benennung einer möglichen Zweitgutachterin ist optional, aber sehr zu empfehlen. Die Wahl sollte unbedingt auch mit der betreffenden Person besprochen werden, zudem muß sie auch den Themenvorschlag unterschreiben. Wird keine Zweitgutachterin angegeben, so wird diese durch den Prüfungsausschuß zugewiesen.
4. Wie arbeite ich wissenschaftlich?
Unterabschnitte- 4.1 Wie plane ich meine Arbeit?
- 4.2 Was und wie lese ich?
- 4.3 Wie dokumentiere ich meine wissenschaftlichen Gedanken?
- 4.4 Was ist sonst noch zu beachten?
4.1 Wie plane ich meine Arbeit?
Man sollte zunächst einen Zeitplan anlegen, um eine Vergleichsmöglichkeit, einen Maßstab zu haben, an dem man sieht, ob man noch gut in der Zeit liegt. Dabei sollten auch persönliche Termine eingeplant werden, die nicht direkt mit der Diplomarbeit zu tun haben. Am besten spricht man den Plan mit seiner Betreuerin ab, die kann abschätzen, ob die Zeiteinteilung realistisch ist.
Die Arbeit beginnt gewöhnlich damit, daß man viel Literatur liest, dann einen eigenen Anteil erarbeitet und zuletzt die Ergebnisse seiner Arbeit darstellt. Das sind nicht drei völlig voneinander getrennte Schritte, sie gehen ineinander über.
Es bringt Vorteile, sich regelmäßig mit seiner Betreuerin zu treffen. Sind die Treffen regelmäßig, so können sich beide (Betreuerin und Kandidat) darauf vorbereiten. Man kann sich Tips von der Betreuerin holen, diese kann darauf hinweisen, welche Teilgebiete genauer betrachtet werden sollten und für welche Bereiche man nicht allzuviel Zeit investieren sollte. Das hat unter anderem den Vorteil, daß man die Chance hat, die knapp bemessene Zeit besonders gut zu nutzen.
4.2 Was und wie lese ich?
Nachdem man von seiner Betreuerin eine Liste mit relevanter Literatur bekommen hat, sollte diese Literatur besorgt werden und man sollte entscheiden, welche Literatur gesichtet werden soll. Man sollte nicht versuchen, wirklich alles zu lesen, was zum Thema angeboten wird.
Man kann zum Beispiel nach folgendem Schema vorgehen:
- 1.
- den Titel ansehen
- 2.
- Zusammenfassung und Einleitung durchlesen
- 3.
- Inhaltsverzeichnis ansehen (Dieses zeigt, welche Schwerpunkte der Artikel hat.)
- 4.
- den Artikel überfliegen (querlesen)
- 5.
- den Artikel genau durchlesen und unbekannte Begriffe irgendwo nachschlagen, statt sie zu überlesen
Zu dem Gelesenen sollten Notizen gemachen werden, nicht (nur) direkt an dem Text (falls das überhaupt erlaubt ist), sondern auch in eine ,,Das-hab-ich-gelesen``-Liste, dann ist auch eine genaue Quellenangabe wichtig. Die Quellenangabe sollte so genau sein, daß man die Textstelle jederzeit wiederfinden kann.
Vorschlag: Man stellt eine neue Literaturliste auf, in die neben den Angaben zum Artikel (Autorin, Titel, Journal, Erscheinungsjahr, Auflage... ) Notizen zum Eindruck, den der Artikel macht, eingetragen werden. Hier kann man auch besonders interessante Zitate hinzufügen, das hilft später beim Wiederfinden der wichtigen Textstellen.
Man sollte sich, schon während man die Literatur liest, eigene Gedanken und entsprechende Notizen machen.
4.3 Wie dokumentiere ich meine wissenschaftlichen Gedanken?
Beim Entwickeln eigener Gedanken ist es nützlich, ein Tagebuch zu führen. Dort werden chronologisch Gedanken, die Literatur, die einen auf die Gedanken gebracht hat, und vielleicht, die in dem Zusammenhang interessanten Zitate mit Quellenangabe eingetragen.
Erreicht man einen Punkt, an dem man nicht weiterkommt, so ist es nützlich, ein Tagebuch zu haben. Man kann versuchen, die notierten Gedanken auf einem anderen Blatt thematisch zu sortieren. Dann fallen einem hoffentlich neue Zusammenhänge auf oder man bemerkt, in welche Richtung man seine Anstrengungen lenken muß, um weiterzukommen.
Wenn man die Ideen in seiner Arbeit präsentiert, sollte man darauf achten, daß sie falsifizierbar sind. Das heißt, daß man seine Behauptungen beweisen muß. Es reicht nicht zu sagen ,,der Algorithmus terminiert in jedem Fall``, wenn das nicht auf triviale Weise zu sehen ist. Auch das richtige Verhalten eines Algorithmus muß bewiesen werden. Falls die Behauptungen aus der Literatur entnommen wurden, muß eine genaue Quellenangabe gemacht werden.
4.4 Was ist sonst noch zu beachten?
Im Zweifelsfall richtet man sich nach seiner Betreuerin. Man sollte auch eigene Vorstellungen von dem haben, was man in seiner Diplomarbeit erreichen will. Es wirkt sich in den meisten Fällen positiv auf die Bewertung der Diplomarbeit aus, wenn man eigene Ideen unabhängig vom Betreuer entwickelt und in die Diplomarbeit einfließen läßt.
Ähnliche Tips liefert auch Pratt [11]. Und in O'Leary [7, Abschnitt 8] sind weitere nützliche Hinweise zu finden.
Andreas Moeller
2000-04-25