Department für Informatik
1. Forschungsschwerpunkt "Vernetzte Informationssysteme" (VIS)
Die zunehmende Vernetzung von Menschen und Artefakten ermöglicht neue intelligente Formen physikalischer und virtueller Mobilität (z.B. mittels eLearning) und Ressourcenschonung (z.B. die Steuerung von Verkehrsflüssen mittels funkbasierter Datenkommunikation und vernetzter Fahrzeuge). Verbesserte Mobilität und Ressourcenschonung wird ermöglicht durch die wachsende Verfügbarkeit von vernetzten Informationssystemen (VIS) in allen Bereichen der Gesellschaft. Bei ihrem Einsatz entstehen erhebliche Abhängigkeiten von unternehmenskritischen Informations- und Kommunikationssystemen. Zusätzlich zu den funktionalen Eigenschaften, die sich aus dem Anwendungskontext ergeben, müssen wichtige nicht-funktionale Eigenschaften wie Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit, Fehlertoleranz, Performanz, Missbrauchssicherheit und Vertraulichkeit gewährleistet sein. So beschäftigen sich das Department und das An-Institut "Oldenburger Forschungs- und Entwicklungsinstitut für Informatik-Werkzeuge und -Systeme" (OFFIS) in diesem Schwerpunkt u.a. mit Fragen der Gewährleistung dieser Eigenschaften in dynamischen VIS, beispielsweise bei der ad-hoc Vernetzung in multimedialen, mobilen Kontexten oder im Rahmen der Interoperabilität heterogener Systeme. VIS kommen in unterschiedlichen – auch alltagsrelevanten – Anwendungsbereichen zum Einsatz. Gegenwärtig und zukünftig wird der Einsatz von VIS inter- und transdisziplinär in den Bereichen eBusiness, eEnvironment (z.B. Energie- und Stoffstrommanagement), eHealth und eLearning untersucht. Hierbei wird nach Möglichkeit auch Methodenwissen anderer Disziplinen (z.B. aus der Mathematik oder dem Marketing) in die Entwicklungsprozesse und die entwickelten Informatik-Systeme integriert. Durch diese Form der Zusammenarbeit entsteht ein Mehrwert, der nicht nur für das Fach Informatik relevant ist.
2. Forschungsschwerpunkt "Sicherheitskritische und Eingebettete Systeme" (SKES)
Die Forschungsaktivitäten des Schwerpunkts "Sicherheitskritische und Eingebettete Systeme" (SKES) zielen auf eine Verbesserung von Produktivität und Qualität bei der Entwicklung digitaler und ggf. eingebetteter Hardware- und Softwareprodukte ab. Derartige Systeme finden sich in fast allen modernen technischen Systemen, da sie durch Bereitstellung neuer oder erweiterter Funktionalität dem umgebenden System zu Produktdifferenzierung, Flexibilisierung und Effizienzsteigerung verhelfen. Sie sind damit zu einer Schlüsseltechnologie verschiedenster Industriezweige geworden, beispielsweise der Medien- und Kommunikationselektronik, des Maschinenbaus, der Medizin-, Automobil- und Luftfahrttechnik sowie der Robotik. Aufgrund des steigenden Wertschöpfungsanteils eingebetteter Systeme sowie deren zunehmender Verwendung in hochgradig sicherheitskritischen Anwendungskontexten wachsen die Qualitätsanforderungen bei sich gleichzeitig verkürzenden Produktzyklen und steigendem Kostendruck. Daraus resultiert einerseits die Notwendigkeit effizienterer Produktentwicklungs- und Validierungstechniken als derzeit verfügbar, andererseits ein Bedarf an fallspezifischen Entwicklungen von Software bzw. Hardware-Software-Systemen für neue Anwendungsfelder. In Anbetracht der Breite der Problematik und der Verschiedenartigkeit der Einsatzfelder erfordert die Bereitstellung derartiger Technologien die synergetische Forschungsleistung verschiedenster Teildisziplinen der Informatik sowie der Physik und der Psychologie. Der Forschungsschwerpunkt SKES bindet ein entsprechendes Konsortium zusammen, welches die Thematik in ihrer Breite von der Modellbildung und Theorie eingebetteter Systeme und ihrer Interaktion mit der Umgebung über Entwurfs-, Validierungs- und Verifikationswerkzeuge bis hin zu den oben genannten sicherheitskritischen Anwendungsdomänen abdeckt.
In der Universität ist das Department für Informatik durch das gemeinsam getragene Institut für Komplexe Integrierte Systeme und Mikrosensorik (KISUM), das wesentlich am Studienschwerpunkt "Eingebettete Systeme" beteiligt ist, stark mit dem Institut für Physik verbunden. Gemeinsam mit den Instituten für Wirtschafts- und Rechtswissenschaften werden die Studienschwerpunkte Wirtschaftsinformatik (im Diplomstudiengang Informatik) und Informatik (im Diplomstudiengang Wirtschaftswissenschaften) getragen. Ferner ist die Informatik am Wissenschaftlichen Zentrum für Umweltmodellierung beteiligt und hat mit Unterstützung der Wirtschaftswissenschaften, der Biologie und des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) einen Studienschwerpunkt Umweltinformatik eingerichtet.
3. Forschungsschwerpunkt IKT zur Energieeffizienz
Zum Erreichen unserer Klimaschutzziele sind eine Veränderung in der Form der Energiewandlung (etwa durch die Nutzung erneuerbarer Energien), ein Hinterfragen unseres Verhaltens in Bezug auf die Nutzung von Ressourcen und insbesondere eine Reduktion der Energienutzung erforderlich. Letzteres erfordert eine deutliche Effizienzsteigerung des Energieeinsatzes, wenn wir unseren Lebensstandard zumindest halten und eine nachhaltigkeitsorientierte, zukunftsfähige Gesellschaftsform erreichen wollen.
Wie auch in einer Empfehlung der EU-Kommission1 deutlich wird , können Methoden der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) hierzu vielfältig beitragen:
- IKT spielt eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von „Smart Grids“, die zur effizienten Integration Erneuerbarer Energie in das Stromnetz erforderlich werden [1].
- Durch Messen und Steuern der Energienutzung sowohl in Gebäuden als auch in Transport und Logistik können erhebliche Effizienzpotenziale gehoben werden [2].
- Neue Geschäfts- und Arbeitsmodelle, die durch konsequente Nutzung von IKT-Methoden möglich werden, können helfen, den Energiebedarf zu reduzieren [2].
- IKT bestimmt heute schon den Energiebedarf vieler Produkte. Hier gilt es vorhandene Einsparungspotentiale zu erschließen [2].
- Die IKT selber ist für einen steigenden Anteil des Stromverbrauchs weltweit verantwortlich – hier können vielfältige Maßnahmen in Hardware und Software zur Reduzierung dieses Anstiegs beitragen [3].
Neben der Umsetzung von Klimaschutzzielen lassen sich mit der Entwicklung derartiger Methoden, Produkte und Dienstleistungen jedoch auch neue Arbeitsplätze – nicht nur in der IKT – schaffen.

