Your browser doesn't support the features required by impress.js, so you are presented with a simplified version of this presentation.

For the best experience please use the latest Chrome or Safari browser. Firefox 10 (to be released soon) will also handle it.

Einleitung
Im Rahmen des Moduls Informatik und Gesellschaft an der Universität Oldenburg beschäftigt sich diese Website mit dem Thema "Arabischer Frühling und die Sozialen Netzwerke und unzensierte Nachrichten". Dabei werden die Ereignisse seit Beginn der Aufstände bis zum Stichtag 01.12.2011 betrachtet. Der Fokus liegt dabei auf den Ländern Ägypten und Syrien.
Arabischer Frühling bezeichnet eine im Dezember 2010 beginnende Serie von Protesten, Aufständen und Revolutionen in der arabischen Welt, welche sich, ausgehend von der Revolution in Tunesien, in etlichen Staaten im Nahen Osten und in Nordafrika gegen die dort autoritär herrschenden Regime und die politischen und sozialen Strukturen dieser Länder richten.AF_01
Diese Website verschafft einen ersten Überblick über den Einfluss sozialer Netzwerke und die Nachrichtenzensur. Detaillierte Informationen entnehmen Sie bitte dem eBook "Informatik und Gesellschaft 2012".
Arabischer Frühling
und die Sozialen Netzwerke und unzensierte Nachrichten
Hintergründe
Um die Auswirkungen der Sozialen Netzwerke für die Geschehnisse während des Arabischen Frühlings verstehen und einordnen zu können, müssen zunächst die Ursachen für die Prostestbewegungen der Bevölkerung verstanden werden. Es gab in Ägypten und Syrien verschiedenste Zustände, welche die Menschen zum Protest gegen die Regierung antrieben. Einige davon sollen im Folgenden näher beleuchtet werden.
Ägypten
Ein Land mit 80 Millionen Einwohner und somit das bevölkerungsreichste arabische Land. Bekannt durch die legendären Pyramiden und die schier endlosen Wüsten.
Seit Januar letzten Jahres hat sich der Bekanntheitsgrad eher auf den Arabischen Frühling fokussiert. Durch viele Proteste die sich über das Jahr 2011 hinzogen, wurde letztendlich der Präsident Husni Mubarak gezwungen zurückzutreten. Eine wichtige Ursache für die Wut auf den Präsidenten ist das langanhaltende Notstandsgesetz, welches sich seit 1981 in Kraft befindet und die damit verbundenen unzähligen Einschränkungen der Grundrechte.
Abbildung von: Jonathan Rashad. Lizenz: CC BY-NC 2.0
Protestierende Ägypter auf dem Tahrir Platz.
Syrien
Ein Land mit ca. 22.517.000 Einwohner. Bekannt durch seine lange Westküste zum Mittelmeer und Damaskus, eine der ältesten Städte der ganzen Welt.
Seit vielen Jahren häufen sich die internen Konflikte und die dadurch resultierenden Proteste im Inland. Seit 1947 begann es mit dem Palästina Krieg und bis heute zieht sich die kritische Situation in die Länge. Erstmals unter Präsidenten Hafiz al–Assad und nun aktuell durch seinen Sohn Bashar al-Assad. Die Proteste richten sich gegen die diktatorische Herrschaft und für Freiheit und den Sturz der Regierung.
Abbildung von: Yunchung Lee Lizenz: CC BY-NC 2.0
Auch Kinder sind bei Protesten manchmal anwesend.
Rolle der Sozialen Netzwerke
Nachdem nun einige Ursachen vorgestellt wurden, stellt sich die Frage wie die Menschen in Ägypten und Syrien sich der verschiedensten Kommunikationsplattformen bedienten und noch bedienen um ihren Widerstand zu koordinieren und mit der restlichen Welt zu teilen. Dazu stellen wir den Einfluss verschiedener sozialer Medien in Ägypten und Syrien gegenüber.

Fakten

AF_26 AF_27
Ägypten Syrien
  • 80 Millionen Einwohner
  • 17 Millionen Internetnutzer (März 2011)
  • mehr als 66 Millionen Mobilfunknutzer
  • Handynetze wurden zeitweise abgeschaltet
  • Twitter war am 25.01.2011 gesperrt
  • 40% der Facebooknutzer sind zwischen 18 und 24 Jahren
  • 1/3 weiblich, 2/3 männlich
  • 23 Millionen Einwohner
  • seit 2000 gibt es Internetzugang
  • Facebook und YouTube waren von 2007 - 09.02.2011 gesperrt
  • Überwachung der Sozialen Netzwerke durch Geheimdienste
  • ca. 20% der Bevölkerung haben Internetzugang

Rolle der sozialen NetzwerkeAF_07,AF_08

Dienst Ägypten Syrien
YouTube Wichtige Rolle, aber es gab auch unabhängige Medien (z.B. CNN) Entscheidende Rolle bei der Veröffentlichung von Videos
Twitter Sehr wichtig für die Koordination und die Verbreitung von Informationen Spielt kaum eine Rolle
Facebook Sehr wichtig, ähnlich wie Twitter, auch zur Erinnerung an Märtyrer wie z.B. Khaled Said Entscheidende Rolle bei Koordination und Terminvereinbarung sowie der Verbreitung von YouTube-Videos
Mobilfunknetze Sehr wichtig, denn mehr als 66 Millionen Ägypter besitzen Mobiltelefone. Sie dienen der Koordination und Verbreitung der aktuellen Lage. Besonders wichtig während der Internetsperre. Spielt eine Rolle bei der Kommunikation während der Demonstrationen. Jedoch kontrolliert der Cousin des Präsidenten das Handynetz. Große Angst vor Überwachungen.
Abbildung von: Prachatai Lizenz: CC BY-NC 2.0
Dieser Screenshot des Netzwerkes Twitter zeigt die Reaktion verschiedener Benutzer auf die Abschaltung bzw. Einschränkung des Mobilfunks und Internets durch das Mubarak-Regime am 25.01.2011.
Die drei Studenten
Für den Mini-Kongress am 20.01.2012 ist das folgende fiktive Gespräch zwischen drei syrischen Studenten entstanden.
In der Universität der Hauptstadt Damaskus treffen sich drei Studenten und diskutieren über die derzeitige Lage in Syrien. Kurz zuvor gab der Präsident Bashar al-Assad ein Statement ab, das aufgrund der unterschiedlichen Meinungen der Studenten für Zündstoff sorgt.
Bashar al-Assad ist ein Lügner! Nie sagt er etwas Neues! Er will angeblich vieles ändern und verbessern, doch es passiert gar nichts ! Er soll keine Vorträge halten, sondern dazu stehen, dass er viele Fehler gemacht hat! Ich bin schon gespannt wie viele "Likes" er für dieses Statement bei Facebook bekommen wird.

Lucia

Mensch, er steht zu seinen Fehlern! Außerdem gibt es schon lange die Verschwörung - und wir Syrier wissen das! Bei Facebook gibt es zwei sehr große Gruppen: Eine davon unterstützt ihn und die andere nicht, bzw. will ihn entmachten. Sie sind fast gleichgroß, die für Assad ist sogar etwas größer mit insgesamt fast 16.000 Mitgliedern.

Susi

Naja, das ist halt Facebook. Ich finde, er redet viel von einer großen Verschwörung, sagt aber nicht von wem diese Verschwörung stammen soll. Andererseits gab es wirklich Reformen. Meiner Meinung nach sollten wir ohne Vorurteile abwarten und hoffen, dass es besser wird.

Abdo

Angenommen es gäbe keine Verschwörung, wer finanziert denn dann die Terrorgruppen und wie kommen die Anschläge zustande? Außerdem tauchten die Terroristen erst wieder auf, als die Demonstrationen angefangen haben.

Susi

Meine Verwandten aus Ägypten waren Anfang des Jahres auch auf einer großen Demo und sie sind keine Terroristen! Die Demo wurde damals über Facebook organisiert, und nach kurzer Zeit traten der Veranstaltung ca. 10.000 Menschen bei. Leider ist mein Cousin auf dieser Demo gestorben. Er war gerade mal 12 Jahre alt! Ich glaube nicht, dass er ein Terrorist oder irgendwie eine Gefahr für das Regime war.

Lucia

Ich denke schon, dass es Terrorgruppen gibt und auch dass diese sich eingemischt haben. Aber ich denke, dass das Regime in Syrien mit der Gewalt angefangen hat.

Abdo

10.000 Menschen sind bereits gestorben und jede Woche werden es mehr. Ich glaube nicht, dass es eine Terrorgruppe war, sondern nur das brutale herzlose Regime! Wollt ihr warten bis es 50.000 Menschen sind? Ihr könnt doch nicht nur hier rumspekulieren - wir müssen handeln!

Lucia

Ach komm, es sind ca. 5.000, sagt die UN! Und 50% von denen sind Angehörige der Armee. Sag mal, wer hat die denn umgebracht? Sind die von allein gestorben? Ich glaube nicht!

Susi

Das ist doch klar! Die angeblichen “50%” haben sich gegenseitig umgebracht! Weil sie ihre eigenen Verwandten und Freunde nicht umbringen konnten! Unschuldige Zivilisten erschießen ist nunmal falsch. Stell dir doch mal vor, wenn du auf der Seite des Regimes stehst und ich gerade am demonstrieren bin. Du würdest mich doch sicherlich auch nicht umbringen oder festnehmen - schließlich kennen wir uns schon seit 10 Jahren! Somit stehst du im Zwiespalt: Schießen oder erschossen werden!

Lucia

Allerdings müsst ihr zugeben, dass wir keine genauen Infos haben wer wen umgebracht hat. Denn nach meinen Kenntnissen erlaubt das Regime neutralen Medien nicht nach Syrien zu kommen um zu recherchieren. Trotzdem sehe ich das wie Lucia: Das Regime trägt auf jeden Fall die größte Schuld.

Abdo

Genau. Was war damals in den 80ern? Es sind 70.000 Menschen umgekommen, viele starben durch die Muslimbrüder und deshalb reagierte das Regime - und tötete noch mehr. Laut Regime waren es nur 30.000. Was ist denn mit den restlichen 40.000? Es wurde gesagt sie seien verloren gegangen. Klar! 40.000 Menschen... Informiere dich doch mal im Internet!

Lucia

Die Armee hat viele getötet, ja. Die Muslimbrüder sind auch keine Armee oder ein Regime oder so was ähnliches, sondern eine gefährliche Terrorgruppe! Es musste eben reagiert werden. Und außerdem war das nicht Bashar al-Assad, sondern sein Bruder, der letztendlich die Armee führte. Und der wurde schließlich wegen seiner Brutalität des Landes verwiesen! Und das tut hier gar nichts zur Sache!

Susi

Hey, Hauptsache ihr beiden übertreibt nicht die ganze Zeit! Von wegen 70.000 Menschen - das ist doch komplett übertrieben. Und es ist auch allgemein bekannt, dass die Muslimbrüder damals eine Terrorgruppe waren, zumindest in Syrien. Um diese Gruppe aufzuhalten, musste das Regime handeln und griff leider zu sehr drastischen Maßnahmen. Durch die Zerstörung der Stadt sind nicht nur Terroristen umgekommen, sondern auch zahlreiche Zivilisten.

Abdo

Ich sag's ja - das ist doch sowieso alles eine Verschwörung! Und jetzt wollen sich wieder andere Länder einmischen. Ist doch klar, dass die U.S.A. und Europa das Regime stürzen wollen. Die wollen uns doch nur aufteilen! 1916 haben die U.S.A. und Großbritannien das doch auch schon versucht! Dazu fällt mir ein, dass das Nationale Konzil, eine große Oppositionsgruppe, hauptsächlich im Ausland sitzt - das ist doch verdächtig!

Susi

Aber was können wir denn besseres hoffen, als auf die Hilfe von anderen Ländern? Es ist dann doch der letzte Ausweg - besser diesen Weg als gar keinen, sage ich.

Lucia

Das ist deine Meinung. Was nur merkwürdig ist, dass ca. 99% gegen ein Einmischen der NATO stimmten. Allerdings gab es immer Verschwörungen, aber lange nicht so schlimm wie es vom Regime dargestellt wird.

Abdo

Lasst uns nochmal darüber reden, was innerhalb Syriens passiert. Ihr dürft eine wichtige Sache nicht vergessen: Seitdem Präsident Bashar al-Assad an der Macht ist, hat sich die Wirtschaft wesentlich verbessert und er gewährte uns mehr Freiheiten als vorher. Das freie Pressegesetz gibt es jetzt endlich und das Notstandsgesetz wurde aufgehoben. Außerdem gäbe es, meiner Meinung nach, einen schrecklichen Bürgerkrieg wenn das Regime gestürzt werden würde.

Susi

Jetzt aber mal ehrlich, was bringt mir das, wenn die Wohlhabenden immer wohlhabender werden? Schau dir doch mal Rami, den Cousin von Bashar al-Assad, an: Der verdient ca. 3 Mrd. $ im Jahr. Ein Drittel von uns Syrern muss mit weniger als 1$ pro Tag auskommen. Und zum anderen Punkt - was ist bitte mit Versammlungsfreiheit? Ich würde gerne friedlich demonstrieren, ohne dass ich Angst haben muss abgeführt oder umgebracht zu werden. Und was macht die Armee auf der Straße, wobei doch das Notstandsgesetz "aufgehoben" wurde?

Lucia

Die Zahlen sprechen für sich, wenn man überlegt, dass das Bruttoinlandsprodukt von 20 auf 60 Mio. $ innheralb von nur 10 Jahren gewachsen ist. Unser Präsident hat wirtschaftlich wirklich viel verbessert.

Abdo

Aber diese Verbesserung gilt nur für die Reichen!!

Lucia

Stimmt! Aber was soll man machen? Irgendwo und irgendwie muss man halt anfangen! Ich denke, er versucht vieles zu verbessern und zu verändern, aber das Regime ist voller Korruption, das liegt nicht alles an Assad. Und es geht halt nicht alles von heute auf morgen.

Abdo

Sogar Abdo sagt, dass sich viel verbessert hat! Und es gibt nun mal keine Alternative. Nochmal: Wenn das Regime gestürzt werden würde, dann passiert das schlimmste - und zwar Bürgerkrieg. Allein aufgrund der Religionen (Schiiten für Regime, Sunniten dagegen und Christen eher neutral) haben wir reichlich Konfliktpotenzial.

Susi

Schau doch mal nach draußen und mach die Augen auf! Es ist doch schon Bürgerkrieg! Keiner traut sich mehr auf die Straße! Schau dir doch mal die Videos auf YouTube an! Unser Demo-Anführer versucht jedes Mal ein Amateurvideo hochzuladen, damit alle anderen Menschen auf der Welt erfahren, dass wir die friedlichen sind! Und dass die Gewalt nur vom Regime ausgeht. Weißt du noch? Das kürzlich mit der Pipeline? Von wegen, wir waren das. Ist doch klar, dass das Regime dahinter steckte - die wollen nur Angst und Schrecken verbreiten!

Lucia

Niemals! Das glaubst du doch nicht wirklich? Das ist doch logisch dass es Terroristen waren! Warum sollte denn das Regime sich und dem eigenen Land schaden? Das wäre paradox!

Susi

Dass du nicht selber darauf kommst? Damit das Regime behaupten kann, dass es Terrorgruppen waren, um Leute wie dich ins Hinterlicht zu führen, damit sie sich ängstlich an das Regime halten! Meine Güte!

Lucia

Komisch ist nur, dass es die Terroranschläge erst gibt, seitdem Demonstrationen stattfanden. Was mir auch seltsam vorkommt: Normalerweise rühmen sich Terroristen mit solchen Taten, was bislang aber nicht passiert ist.

Abdo

Also meine Freunde, mit denen ich demonstriere, verhalten sich alle friedlich und ich glaube nicht, dass auch nur einer von ihnen einer Terrorgruppe angehört! Du kannst das auch alles über das Netz nachverfolgen. Unsere Videos findest du auf YouTube.

Lucia

Eure Videos? Ihr zeigt doch immer nur die positiven Seiten. Du warst auch nicht auf jeder Demo! Erkläre mir doch mal bitte was die Freie Syrische Armee ist? Na? - Nein warte, ich erkläre es lieber dir: Das sind Deserteure aus der Armee, die jede Menge Waffen haben und die sind wirklich nicht friedlich. Und sie operieren von der Türkei aus und da haben wir wieder ein Indiz für die Verschwörung von der Assad spricht.

Susi

Da hat sie schon recht: Ein Teil der Demonstranten verhält sich tatsächlich nicht mehr friedlich. Ich glaube aber auch nicht, dass Lucia dazu gehört. Doch es gibt viele, die in ihrer Verzweiflung zu anderen Mitteln greifen. In Ägypten hat damals die Armee die Demonstranten vor der Polizei geschützt. Wahrscheinlich lief es deswegen dort friedlicher ab als hier in Syrien.

Abdo

Aber Ägypten kannst du doch nicht als Maßstab nehmen! Da sind jetzt die Muslimbrüder an der Macht. Und die Wahlen damals - das war doch wieder alles Betrug - dadurch dass die Frauen verschleiert wählen konnten - niemand konnte die Identität überprüfen.

Lucia

Ach Ägypten hin oder her - die Diskussion hier ist doch alles Quatsch und bringt gar nichts!

Susi

Ach, das ist schade, wir kommen einfach nicht auf einen Nenner. Lasst uns mal unsere Tassen wegbringen. Die nächste Vorlesung fängt sowieso gleich an.

Lucia

Ja, lasst uns lieber gehen.

Susi

Internetzensur
Dass der Internetzugang in Ägypten zeitweise gar nicht möglich war, wurde bereits angesprochen. Doch die totale Abschaltung ist nur das letzte Mittel. Andere Möglichkeiten das Internet zu zensieren werden im Folgenden dargestellt - genau wie Möglichkeiten diese Sperren zu umgehen.
Zensur des Internets
Überwachung und Zensur des Internets sind nicht nur ein interessantes Thema für die von den Aufständen betroffenen Länder, sondern sind auch in der westlichen Welt hochaktuell. In Deutschland beispielsweise wurde versucht, Zensurinfrastruktur im Rahmen der Kinderpornographieverfolgung zu installieren, was jedoch durch ein Scheitern des Gesetzes nicht durchgeführt wurde. Ein weiterer Anlass für Internetzensur in Deutschland könnte der, sich aktuell auf EU-Ebene in Verhandlung befindliche, Vertrag ACTA werden - hier jedoch mit Fokus auf Urheberrechtsverletzungen im Internet. In den U.S.A. gab es ähnliche Bestrebungen mit den Gesetzen PIPA und SOPA. Allerdings gibt es dort ohnehin schon technische Maßnahmen um das nationale Netz zu isolieren und um Domains zu beschlagnahmen und zu sperren.
Im Gegensatz zu den gerade genannten strafrechtlichen und wirtschaftlichen Gründen für Zensur, gibt es in einigen Ländern auch Zensur als politisches Werkzeug. Gerade in totalitären Staaten ist Zensur ein beliebtes - und für die Machterhaltung wahrscheinlich auch notwendiges - Mittel, um die öffentliche Meinung zu kontrollieren, Propaganda zu verbreiten und oppositionelle Einflussnahme zu behindern. Ohne Zensur würde ein totalitäres Regime Gefahr laufen, dass seine Autorität in Frage gestellt wird und sich oppositionelle Gruppen besser organisieren und verbreiten können.
Methoden der Internetzensur
Zur Zensur des Internets eignen sich unter anderem die folgenden Methoden:

  • DNS-Blocking / -Spoofing
  • IP-Sperren
  • Proxy-Filter
  • Deep-Packet-Inspection
  • Abschaltung

DNS-Blocking / -Spoofing
Hierfür wird die Adressauflösung auf Seiten des DNS-Servers für zu zensierende Adressen verhindert oder manipuliert, sodass der anfragende Nutzer nur eine falsche oder auch gar keine Verbindung zu dem gewünschten Server aufbauen kannAF_29. Dies gehört eher zu den ineffizienten Zensurmaßnahmen, da es durch Anfragen an einen unmanipulierten DNS-Server umgangen werden kann.
IP-Sperren
Bei einer IP-Sperre wird netzwerkseitig das Aufbauen einer Verbindung zu spezifizierten IP-Adressen verweigertAF_30. Ein solcher Server wäre für einen Nutzer dann unerreichbar, außer er findet einen unzensierten "Umweg" über außerhalb des Zensurbereichs liegende Proxy-Server, durch die er auf den gewünschten Zielserver verbinden kann. Liegt der gesperrte Server jedoch innerhalb der zensierten Zone, ist auch dies nicht möglich.
Proxy-Filter
Beim Einsatz eines Proxy-Filters wird der Netzverkehr des Nutzers durch einen Proxy-Server geleitet, der die Verbindungen analysiert und organisiert. Je nach Konfigurationen können so Verbindungen über bestimmte Protokolle verhindert werden, IP- und DNS-Sperren oder auch inhaltssensitive Filter eingerichtet werdenAF_30.
Deep-Packet-Inspection
Deep-Packet-Inspection Systeme greifen nicht zwangsläufig in den Netzverkehr ein, analysieren den Datenverkehr jedoch auf niedrigster Ebene. Sie lesen also auch die Nutzdatenteile der Datenpakete aus, um Inhalte zu analysieren oder mitzuschneiden. Ist die Verbindung nicht bis zum Nutzersystem verschlüsselt, kann so alles mitgelesen und erkannt werden. Wird eine unerwünschte Verbindung erkannt, so könnte das System veranlassen, die Verbindung mit einem Proxy-Server zu filtern oder auch die Verbindung vollständig zu trennenAF_28.
Abschaltung
Die radikalste aber wohl effizienteste Methode: Eine teilweise oder vollständige Abschaltung des Netzwerks. So geschehen ist es beispielsweise in Ägypten mit dem Mobilfunknetz und Internet und in Lybien mit dem InternetAF_13.
Einsatz westlicher Technologien
Die Technologien und Infrastruktur, die notwendig sind um eine Zensur des Internets durchzusetzen, werden nicht selten durch Unternehmen aus westlichen Ländern geliefert.
Dies nachzuweisen fällt oft schwer, da derartige Software beispielsweise in Europa - sofern sie nicht auf militärische Zwecke ausgerichtet ist - keinerlei Handelsgenehmigungen erfordert solange kein explizites Handelsembargo verhängt wurde. Dadurch entstehen nur wenige bis keine öffentlichen Aufzeichnungen über Handel mit Überwachungs- und ZensurtechnologieAF_09.
So sind in Syrien Netzwerkgeräte der U.S. Firma BlueCoat zu Filterzwecken in Betrieb - trotz eines HandelsembargosAF_10.
Eine der an den Abschaltungen in Ägypten beteiligten Mobilfunkfirmen war eine Abteilung von VodafoneAF_11.
Auch deutsche Firmen stehen in Verdacht, Zensurwerkzeuge an totalitäre Regimes ausgeliefert zu haben, so zum Beispiel die Software FinFisher der Firma Gamma InternationalAF_12.
Reaktion der Politik
Die Ereignisse des Arabischen Frühlings bleiben in Zeiten der Globalisierung kein lokales Ereignis, sondern werden von Regierungen auf dem ganzen Globus mit großem Interesse beobachtet. Denn für diese spielen die riesigen Ölvorkommen im arabischen Raum eine sehr wichtige Rolle. So liegen über 60% der weltweiten Ölreserven in der aktuell so hitzigen Region.
So wird die Reaktion aus den U.S.A. und aus Russland an dieser Stelle exemplarisch dargestellt.
Reaktionen der U.S.A.
Der ehemalige Staatschef von Ägypten, Husni Mubarak, pflegte gute Beziehungen zu den U.S.A., pflegte diplomatische Beziehungen zum Nachbarland Israel und kämpft gegen von den U.S.A. als islamistisch gefürchtete Vereinigung der Muslimbrüder. AF_14 Der US-Vizepräsident Joe Biden äußerte sich noch zwei Wochen vor dem Abgang von Mubarak wie folgt: „Mubarak ist für uns ein Verbündeter in vielerlei Hinsicht. Und er hat sich sehr verantwortungsvoll verhalten hinsichtlich geopolitischer Interessen in der Region, dem Nah-Ost-Friedensprozess und hinsichtlich der Anstrengungen Ägyptens, die Beziehungen zu Israel zu normalisieren…Ich würde ihn nicht als Diktator bezeichnen.“ AF_15 AF_16
Das zeigt deutlich wie schwer sich die U.S.A. damit tun sich gegen ihren ehemals Verbündeten zu stellen und eine klare Außenpolitik zu fahren. Erst als Mubarak die Proteste gewaltsam zurückdrängt und viele der Aufständischen um ihr Leben kommen, fordert Hillary Clinton „freie und faire Wahlen“ und einen „geordneten Übergang“. AF_15
Abbildung von: Kodak Agfa. Lizenz: CC BY-NC-SA 2.0
Porträt des langjährigen ägyptischen Machthabers Husni Mubarak, er trat am 11.02.2011 nach massiven Protesten zurück. Ein Staatschef, der den Interessen der U.S.A. entgegenkam.
Reaktionen Russlands
Russland pflegt schon lange gute Beziehungen zu Syrien. So wurde bereits 1980 ein Vertrag der Freundschaft und ZU.S.A.mmenarbeit zwischen den beiden Ländern abgeschlossen und die UdSSR war stark am Aufbau des syrischen Militärs beteiligt. Zudem ist Russland Syriens größter Waffenlieferant.
Aus diesen Gründen stimmt Russland gegen eine UN-Resolution, die ein härteres Vorgehen der NATO gegen die Gewalt in Syrien legitimieren würde. Da Russland im UN-Sicherheitsrat Veto-Recht besitzt ist auch in Zukunft nicht mit einer solchen Resolution zu rechnen. AF_17 AF_18
Abbildung von: Travel Aficionado. Lizenz: CC BY-NC 2.0
Der syrische Präsident vor der Nationalflagge und Unterstützern der Regierung.
Der Arabische Frühling beschränkte sich nicht auf Ägypten und Syrien, daher werden an dieser Stelle noch die Geschehnisse in Libyen und Saudi Arabien dargestellt. Im E-Book sind ausführlichere Informationen zu diesen beiden Ländern und noch einigen weiteren zu finden.
Abbildung von: Ginger. Lizenz: public domain
Schwarz = Staatsoberhaupt gestürzt; Braun = Regierung umgebildet; Orange = Volksaufstand; Dunkelgrau = Massenproteste; Hellblau = Unruhen/Proteste; Blau = Proteste in nicht-arabischen Staaten
Aufstände in Libyen:
In Libyen kam es Mitte Januar 2011 zu ersten Protesten, die sich anschließend immer weiter ausweiteten. Die Demonstranten wurden immer härter zurückgedrängt und es kam zu vielen Opfern. Als Reaktion darauf wurde am 17.März die Resolution 1973 durch den UN-Sicherheitsrat verabschiedet, deren Hauptbestandteil die Durchsetzung einer Flugverbotszone zum Schutz der Zivilisten war. Bis schließlich der Diktator Gaddaffi am 20.Oktober, unter bisher nicht genau geklärten Umständen, getötet wurde, flogen NATO-Truppen 26.000 Einsätze über Libyen. Bis nun eine neue Regierung gebildet wird regiert aktuell der Nationale Übergangsrat. AF_19 AF_20 AF_21 AF_22 AF_23
Aufstände in Saudi Arabien:
Saudi Arabien wird von König Abdullah Bin Abdalaziz regiert. Auch hier kam es Anfang 2011 zu Demonstrationen. Jedoch gelang es dem König die Situation zu beruhigen, indem er etwa 27 Mrd. € in die Unterstützung Arbeitsloser und die Bekämpfung der Wohnungsknappheit investierte. Dieser Betrag stellte 20% der Staatsausgaben im Jahr 2011 dar. AF_24
Quelle: Youtube | n-tv
Lizenz: Standard YouTube License
Ist-Zustand
11 Monate der Revolution haben in Ägypten und Syrien tiefe Spure in Politik und Gesellschaft hinterlassen. Es bleibt die Frage, inwiefern sich die Situation der Menschen in der arabischen Welt zum Positiven oder auch zum Negativen verändert hat. Diese Frage wird im Folgenden beantwortet.
Ägypten
Auch nach den Protesten, die Anfang 2011 in Kairo begannen, hat sich die Situation der meisten Ägypter nicht verbessert. Die Situation der Jugend ist weiterhin sehr schlecht und selbst Hochschulabsolventen müssen sich mit Gelegenheitsjobs begnügen.AF_02
Ägyptens Wirtschaft ist stark vom Tourismus abhängig - jeder achte Ägypter lebt vom Tourismus. Im Zuge der Unruhen ging der Toursimus jedoch stark zurück, wodurch viele Familien am Existenzminimum leben müssen.AF_03
Auch die Medien sind noch nicht gänzlich befreit und die Militärregierung übt weiterhin teilweise Zensur aus. So wurden zum Beispiel wieder kritische Blogger verhaftet. AF_04
Die Aktivisten, die den Protest vorangetrieben haben, blieben auf Grund fehlender finanzieller Möglichkeiten bei den Wahlen chancen-, aber nicht tatenlos. Sie betreiben Wahlaufklärung in der Bevölkerung.AF_05
Erfolge der Revolution sind allerdings auch zu verzeichnen; der Machthaber Husni Mubarak ist gestürtzt und damit das Primärziel erreicht. Das Selbstbewusstsein ist durch diese Erfolge gestiegen und das Volk ist nun stärker politisiert. In welche Richtung sich Ägypten entwickelt, wird die Zukunft zeigen.
Abbildung von: Gigi Ibrahim Lizenz: CC BY 2.0
Dieses Bild zeigt eine Versammlung während des Wahlkampfs in Ägypten, auf den Plakaten sind vermutlich die zur wahlstehenden Personen abgebildet.
Syrien
Der in Syrien tobende Kampf zwischen dem Regime von Baschar al-Assad und seiner Baath-Partei und der Opposition entwickelt sich immer mehr zu einem Bürgerkrieg. Die UN-Hochkommissarin Navi Pillay spricht von derzeit mindestens 4.000 Todesopfern.AF_25
Die EU hat bereits gehandelt und Kontensperrungen und Einreiseverbote gegen zahlreiche Personen und Firmen beschlossen. Des Weiteren gilt seit September 2011 ein Ölembargo.AF_06
Eine zwischenzeitige Veröffentlichung einer iPhone-App der Opposition führte sogar zu einem zeitweiligen iPhone-Verbot.
In Syrien gab es bisher keine größeren Erfolge, was wohl auch daran liegt, dass die syrische Regierung sehr hart gegen den Widerstand vorgeht.
Abbildung von: Freedom House Lizenz: CC BY 2.0
Diese Abbildung zeigt ein von der Assad Armee zerstörtes Haus in Homs und einen fassungslsoen Syrer.
Fazit
Vielen Dank, dass Sie unsere Homepage erkundet haben. Spätestens jetzt sollten Sie ein grundlegendes Verständnis haben über:
Sie wünschen in diesen Bereichen nähere Informationen? Dann laden Sie sich unser eBook hier kostenlos herunter. Dort finden Sie unter anderem auch noch weitere Themen und Inhalte wie:
Nun die abschließende Frage: Wäre der Arabische Frühling ohne Soziale Netzwerke ebenfalls möglich gewesen?
Nähere Informationen und Details zu diesen Gedanken finden Sie ebenfalls im eBook.
Ende
Ein Vortrag von Stephan Urbach zum gleichen Thema finden Sie hier: Youtube
Zurück zur Übersicht
Quellen:
AF_01
Korotayev A., Zinkina J. Egyptian Revolution: A Demographic Structural Analysis. Entelequia. Revista Interdisciplinar 13 (2011): 139–169. Link
AF_02
SPIEGEL Online
AF_03
ARD Mediathek
AF_04
ZDF Heute
AF_05
ARD Mediathek
AF_06
Oe24.at
AF_07
FastCompany
AF_08
Socialbakers
AF_09
Andrej Hunko
AF_10
Netzpolitik
AF_11
Golem
AF_12
Heise
AF_13
Heise
AF_14
Welt Online
AF_15
Carta
AF_16
CSMonitor
AF_17
Arte
AF_18
Middle East Online
AF_19
UN-Resolution 1973
AF_20
Märkische Oderzeitung
AF_21
Reuters
AF_22
Tagesschau
AF_23
The Guardian
AF_24
FAZ
AF_25
Stuttgarter Zeitung
AF_26
Social Bakers
AF_27
RP-Online
AF_28
Privacy Commissioner of Canada
AF_29
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
AF_30
Cisco
Impressum
Informatik und Gesellschaft Gruppe Arabischer Frühling
Universität Oldenburg
Fachbereich Informatik
Wintersemester 2011/2012
Einleitung

Benutzen Sie die Leer- oder die Pfeiltasten zum Navigieren